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ChristianPiwarz - Kultusminister

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Sachsen lockt angehende Lehrer mit 1000 Euro extra aufs Land

Erst versuchte das Land es mit einem Stipendium für Studenten, dann mit einer Zulage für Referendare. Hilft ein neuer Zuschlag?

Von Tino Moritz
erschienen am 07.06.2018

Dresden. Um mehr junge Lehrer für den ländlichen Raum zu gewinnen, erhöht Sachsen den finanziellen Anreiz. Allen Referendaren, die ihren Vorbereitungsdienst in ländlichen Regionen absolvieren, werde künftig zusätzlich zum bisherigen Grundbetrag von knapp 1500 Euro ein "Anwärtersonderzuschlag" in Höhe von etwa 1000 Euro gezahlt, teilte das Kultusministerium am Donnerstag in Dresden mit. Mit damit fast 2500 Euro brutto werden sie auch nach Einschätzung der Gewerkschaften zu den bundesweit bestbezahlten Referendaren gehören.

Dass es einen solchen Zuschlag geben soll, hatten CDU und SPD bereits in ihrem Handlungsprogramm vereinbart, das auch die Einführung der Verbeamtung für Lehrer unter 42 Jahren vorsieht. Die Höhe von knapp 1000 Euro - die dem laut Besoldungsgesetz höchstmöglichen Aufschlag von 70 Prozent des Grundbetrags entspricht - war damals noch nicht benannt worden.

Bereits seit einigen Jahren hat der Freistaat abseits der Ballungszentren Dresden und Leipzig große Probleme, genügend Lehrer zu finden. Hilfe versprach sich die Koalition zunächst durch ein "Sachsenstipendium" und später durch eine 390-Euro-Zulage für alle Referendare.

Seit Ende 2015 sollten Lehramtsstudenten maximal sechs Semester lang monatlich 300 Euro erhalten, wenn sie sich zu einem Referendariat außerhalb der Großräume Dresden und Leipzig verpflichten und auch schon ihre Praktika in der jeweiligen "Bedarfsregion" absolvierten. Nicht das Geld habe die Bewerber gelockt, sondern das damit verbundene "Unterstützernetzwerk", teilte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag unter Verweis auf das von einer Stiftung eigens organisierte Begleitprogramm mit.

Dieses solle es unter dem neuen Namen "Perspektive Land" für alle angehenden Lehrer und nicht nur für einige wenige weiter geben. Bei den laut Ministerium derzeit noch 100Stipendiaten werde die Förderung planmäßig zu Ende laufen, es danach aber keine Nachfolger mehr geben, hieß es unter Verweis auf den 1000-Euro-Zuschlag. Dieser könne "eine deutlich stärkere Wirkung erzielen als das Stipendienprogramm", schätzte Piwarz ein.

Zeitgleich soll indes ab Januar 2019 eine andere Sonderleistung wegfallen: 390 Euro monatlich gab es für alle Referendare, völlig unabhängig von ihrem Einsatzgebiet. Mehr als 900 angehenden Lehrern kam das seit Februar 2017 zugute.

Finanziell verbessern werden sich demnach also nur die Referendare im ländlichen Raum. Das liegt nicht nur an dem in ihrem Fall um etwa 600 Euro brutto höheren Monatseinkommen, sondern auch an dem möglichen Statuswechsel: Ab Januar ist die Einstellung aller Referendare als Beamte auf Widerruf vorgesehen. "Dies ist für unsere Lehrer im Vorbereitungsdienst wegen des höheren Nettoeinkommens sehr attraktiv", sagte Lehrerverbandschef Jens Weichelt. Den Zuschlag für den ländlichen Raum nannte er auch in der Höhe "dringend notwendig", weil es dort schon jetzt "viel zu wenige Lehrer" gebe.

 
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Kommentare
5
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 09.06.2018
    09:58 Uhr

    Zeitungss: Hier geht es nicht um Neid, sondern EIGENTLICH um Verbesserungen an unseren Schulen. Leider zieht sich der rote Faden der sozialen Absicherung der Lehrerschaft durch sämtliche Beiträge, ob nun Verbeamtung, Zulagen usw. Wirkliche Fortschritte zum eigentlichen Thema sind bis zur Stunde nicht erkennbar. Noch nie gab es solchen Aufriß zur sozialen Absicherung einer Berufsgruppe, über die Verursacher der derzeitigen Lage spricht kein Mensch, welche ja schon abgesichert sind. So ist es, wenn jahrelang am Ziel vorbeiregiert wird.

    0 1
     
  • 09.06.2018
    09:25 Uhr

    Steuerzahler: Erstaunlich! Plötzlich entdeckt man doch, dass das Beamtendasein auch Schattenseiten hat, die dann, wenn man die Neiddiskussionen führt, ganz selbstverständlich weggelassen werden!

    0 2
     
  • 08.06.2018
    12:26 Uhr

    vomdorf: Nicht alle wollen sich verbeamten lassen....und zwar genau deswegen....sie wollen sich nicht nach
    Hinterhupflingen versetzen lassen, auch 1000? extra wird sie nicht locken.
    Sollte man sich nicht eher fragen, warum keiner Lehrer werden will? Oder nur so wenige?

    0 6
     
  • 08.06.2018
    09:45 Uhr

    587977: Ich schließe mich dem vorherigen Kommentar an: die Verbeamtung hat doch zwei positive Effekte für die neuen Lehrer: mehr Netto (eigentlich schon fast obszön viel - ohne fachliche/disziplinarische Führungsverantwortung - werden die meisten nach wenigen Jahren rund 3.000 netto haben) und eine faktische Unkündbarkeit (wird auch dem ein oder anderen zu Gute kommen der mit 35 dann Burn out oder sonstwas hat).
    Wer A sagt muss aber auch B sagen: deshalb ist es ein leichtes die Leute dann dort einzusetzen wo sie gebraucht werden.

    1 4
     
  • 08.06.2018
    08:53 Uhr

    1960175: 1000 ? extra. Gute Idee, aber warum?
    Wenn Sachsen seine jungen Lehrer verbeamtet, braucht es diese Zulage nicht. Als Beamter kann man versetzt werden und man kann nichts dagegen tun. Laut § 32 des Sächsischen Beamtengesetzes ist dieses möglich. Also Herr Piwarz, machen Sie von diesem Recht Gebrauch und geben Sie das so eingesparte Geld den "alten" Lehrern.

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