Sachsenweites Ticket für Schüler und Azubis kommt

Im Gespräch ist das Bildungsticket seit 2014. Jetzt soll es so schnell wie möglich eingeführt werden. Aber eine wichtige Frage ist noch offen.

Dresden.

Sächsische Schüler und Azubis sollen bald rund um die Uhr kostengünstig öffentliche Verkehrsmittel im ganzen Freistaat nutzen können. Noch in diesem Jahr will die schwarz-rote Koalition das sogenannte Bildungsticket auf den Weg bringen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und sein Stellvertreter, Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD), werden dies morgen in der Regierungserklärung verkünden, wie die "Freie Presse" aus Regierungskreisen erfuhr. Das Ticket soll demnach so schnell wie möglich eingeführt werden.

Das neue Bildungsticket soll die Preise für den Schülerverkehr in Sachsen vereinheitlichen. Bisher gelten unterschiedliche Tarife: Im Landkreis Mittelsachsen wird beispielsweise ab der fünften Klasse ein Eigenanteil in Höhe von 145 Euro pro Ticket und Schuljahr fällig. Im Vogtlandkreis sind es generell 120 Euro, im Landkreis Meißen müssen Eltern 232,43 Euro zahlen.

Offen ist allerdings noch, wie teuer das neue Bildungsticket wird. Dazu würden noch Modellrechnungen angestellt, hieß es gestern. Bisher war immer von einem Preis von zehn bis zwanzig Euro im Monat die Rede gewesen.

Minister Dulig hatte sich in der vergangenen Woche bereits optimistisch gezeigt, dass das Bildungsticket kommen wird: Bei einem SPD-Termin in Hainichen war er sich sicher, dass auch die Landräte vom Nutzen des Projektes überzeugt werden könnten. Die Skepsis der Landkreise hat ihren Grund: Den Verkehrsverbünden, bei denen die Landkreise Hauptgesellschafter sind, drohen nach jüngsten Berechnungen bei einem Preis von zehn Euro Mindereinnahmen von mindestens 47 Millionen Euro. Die Strategiekommission für einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr, die die Landesregierung berufen hatte, schlug deswegen im Dezember vor, dieses Defizit durch den Freistaat auszugleichen. Darauf soll sich die schwarz-rote Koalition nun verständigt haben.

Wie schnell das Bildungsticket in Sachsen starten kann, hängt nun an der Umsetzung: Die Expertenkommission hatte eine Einführung des neuen Tickets zum Schuljahresbeginn 2019/2020 für möglich gehalten, wenn im ersten Quartal 2018 eine grundsätzliche Entscheidung getroffen wird.

Das neue Ticket ist seit Jahren Thema. Schon im Jahr 2014 hatten sich CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag dazu bekannt. Sie vereinbarten damals, bis zum 31. Dezember 2015 ein Konzept für die Einführung vorzulegen. Doch die dafür eingesetzte Strategiekommission benötigte länger als geplant. Zwischendurch hatte es sogar so ausgesehen, als sei das Bildungsticket vollkommen gescheitert. Das sächsische Verkehrsministerium hielt dennoch an dem Projekt fest.

Verkehrsexperten sehen durch die Einführung des Bildungstickets nicht bloß durch den einheitlichen Preis Vorteile. Die Strategiekommission hatte mit dem Projekt auch die Hoffnung verbunden, dass Schüler mobiler würden und dadurch "der Zugang zu Bildung und sozialer Teilhabe" erhöht werden könnte.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    VaterinSorge
    30.01.2018

    Was für eine gute, lang ersehnte Nachricht für die 445.000 sächs. Schüler, 97.000 Azubis deren Eltern und vor allem für die Wirtschaft, die händeringend Nachwuchs sucht. Mit der Einführung des Bildungstickets, wird alles einfacher, gerechter und wesentlich effizienter. Klar, Bildung kostet Geld, aber keine Bildung noch viel mehr. So profitieren alle Menschen davon, die nicht einfach nur die Hände in den Schoß legen, sondern was tun wollen, ob Schüler, Azubi, Ausbildungs- oder Praktikumsbetrieb, ob kulturelle oder wissenschaftliche, oder Sport- und Freizeiteirichtungen. Ich finde es großartig und habe über sieben Jahre darum gekämpft.



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