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Foto: Gregor Fischer/dpa

Schalldämpfer und Fallen sollen gegen Wildschweinplage helfen

Um der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen, sollen im Freistaat die Schwarzwildbestände reduziert werden. Das Land will dafür das Jagdgesetz ändern. Das stößt nicht nur auf Zustimmung.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 25.11.2017

Dresden. Sachsens Jägerschaft soll künftig noch stärker Schwarzwild ins Visier nehmen. Um sie besser in die Lage dazu zu versetzen, soll sie Schalldämpfer auf die Waffen schrauben dürfen, was bislang verboten ist. Dafür will die CDU/SPD-Koalition das Jagdgesetz ändern. Der Entwurf sieht zudem vor, dass unter bestimmten Bedingungen auch der Einsatz von Fangfallen erlaubt wird - eine umstrittene Methode.

Die Neufassung erfolgt vor dem Hintergrund der näher rückenden Afrikanischen Schweinepest (ASP). Die Infektion, die für Menschen ungefährlich ist und an der nur Haus- und Wildschweine erkranken, die dann binnen weniger Tage sterben, grassiert seit Jahren in Teilen Osteuropas. Im Juni wurde erstmals ein Ausbruch in Tschechien gemeldet.

Das Auftreten im Freistaat könnte bei Schweinehaltern schwere wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Eine "elementare jagdliche Maßnahme zur Vorbeugung" sei die Reduktion der Schwarzwildbestände, heißt es zur Begründung in dem Gesetz, das der Landtag Ende Januar verabschieden soll.

Die Linken-Abgeordnete Kathrin Kagelmann sprach von Aktionismus. Die Jäger könnten die Ursachen für das Anwachsen der Schwarzwildpopulation nicht umkehren. Das sei eine Folge der heutigen Landwirtschaft mit ihrem großflächigen Raps- und Maisanbau. Sie forderte daher ein über den Entwurf hinausgehendes Gesamtkonzept zur Bekämpfung der ASP. Bei den Grünen hieß es, man habe sich noch keine endgültige Meinung gebildet. Schalldämpfer könne man aber wohl mittragen, so der Abgeordnete Wolfram Günther.

In der Jägerschaft stößt das Vorhaben auf unterschiedliche Resonanz. Der Landesjagdverband begrüßt die geplante Schalldämpfer-Zulassung. Das schaffe die Möglichkeit für einen zweiten Schuss. Zudem sinke die Lärmbelastung, sagte Vizepräsident Thomas Markert. Er forderte darüber hinaus, Nachtsichtzielgeräte zu erlauben. Wildschweine seien inzwischen sehr nachtaktiv. Und erfahrene Bachen wüssten bei schwierigen Lichtverhältnissen das Spiel von Licht und Schatten zu nutzen. Markert: "Aus jagdlicher Sicht gehört so etwas aufs Gewehr." Ähnlich äußerte sich Gunther Zschommler, Vertreter der Jägerschaft im Landesbauernverband.

Die Fangfallen beurteilt der Landesjagdverband hingegen kritisch, das dürfe nur die Ultima Ratio sein, sagte Markert. Bei großen Fallen, mit denen mehrere Tiere gefangen werden können, gerieten die übrigen in Panik, sobald das erste Tier erschossen werde. Dem Entwurf nach sollen Fallen erlaubt werden, sobald die ASP in Sachsen oder einem angrenzenden Land ausbricht.

Karsten Bergner, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Erzgebirge und selbst Jäger, sagte, derartige Fallen seien nicht tierschutzgerecht. Er ist zudem überzeugt, dass mit Schalldämpfern nicht automatisch mehr geschossen werde. Gedämpft werde nur der Mündungs-, nicht der Überschallknall. Und spätestens beim Repetieren des Gewehres seien die Tiere weg. Da die ASP vor allem durch kontaminierte Speiseabfälle übertragen wird, sei es sinnvoller, die Autobahnrastplätze zu kontrollieren oder einzuzäunen, sodass das Wild nicht herankomme, so Bergner.

Im Jagdjahr 2016/17 wurden in Sachsen mehr als 33.000 Stück Schwarzwild zur Strecke gebracht.

 
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