Stinkbomben-Angriff auf Firma von AfD-Frontfrau Frauke Petry

Anonyme Bekenner legen Vergeltung für einen ähnlichen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Dresden Stetzsch nahe.

Leipzig.

Als mitten in der Nacht das Glas der Fenster barst, brachte das einen Nachbarn auf den Plan. Der Zeuge machte drei Personen auf dem Betriebsgelände im Leipziger Stadtteil Plagwitz aus. Von fern stellte er sie zur Rede, was sie da täten. Das Trio ergriff die Flucht. Was die Drei getan hatten, beschäftigt seit gestern das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum der Polizei. Die laut Zeugenhinweis mit Knüppeln bewaffneten Täter hatten an einem Firmengebäude die Fenster im Erdgeschoss eingeschlagen, die zum Unternehmen Purinvent gehörten. Dieses wird von der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry geleitet.

In den Räumen verteilten die Täter eine stinkende Flüssigkeit. "Höchstwahrscheinlich Buttersäure", sagte der Leipziger Polizeisprecher Uwe Voigt gestern der "Freien Presse". An einem in der Nähe abgestellten Fahrzeug eines Sicherheitsunternehmens wurden ebenfalls die Scheiben eingeschlagen.

Anderthalb Stunden später wurde auf der Internetplattform "Linksunten.Indymedia.org" ein Bekennerschreiben eingestellt, dessen Autoren sich als "Auftragskommando Bernd Lucke oder besser - einige Autonome" bezeichneten. Man habe sich für Petrys Firma als Anschlagsziel entschieden, "um sie ganz direkt zur Verantwortung zu ziehen" und "ihren wirtschaftlichen Rückzugsraum zu sabotieren" heißt es im Schreiben. Die Autoren unterstellen Petrys AfD, rassistische Stimmung zu schüren. Die Aktion richte sich nicht gegen Mitarbeiter des Unternehmens. Von der übel riechenden Substanz gehe keine Gefahr aus. Die Räume könnten weiter genutzt werden, wie der Fall des Flüchtlingslagers in Dresden zeige, auf das ebenfalls ein Buttersäureanschlag verübt worden sei. In der Vorwoche hatte es einen solchen Angriff auf ein geplantes Heim in Dresden Stetzsch gegeben, in dem man am Tag darauf dennoch Flüchtlinge einquartierte.

Während der Anschlag auf Petrys Geschäftsräume laut Polizei gegen 2 Uhr nachts stattfand, wurde eine Stunde später sechseinhalb Kilometer entfernt ein vor einem Polizeiposten an der Eisenbahnstraße geparkter Streifenwagen in Brand gesteckt. Der Schaden beläuft sich laut Polizei auf 30.000 Euro.

Im Rahmen einer Tatortbereichsfahndung nahm man sechs Personen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren vorläufig fest. Unter den Verdächtigen ist ein 22-jähriger Mann, der bereits als linksmotivierter Straftäter aufgefallen war. Gegen einen weiteren 18-Jährigen laufen Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs. Er hatte am 30. März mit etwa 100 weiteren Personen versucht, eine für den Legida-Aufzug eingerichtete Polizeiabsperrung zu durchbrechen.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Anschlag auf Petrys Firmenräume und der Brandstiftung am Streifenwagen besteht, ist laut Polizei derzeit ebenso unklar, wie die Frage, ob die Festgenommenen damit zu tun haben.

 Anonymer Tummelplatz

"Linksunten.Indymedia.org" ist eine Internet-Plattform ohne Impressum. Ihre Betreiber beschreiben sie als "dezentral organisiertes, weltweites Netzwerk sozialer Bewegungen". Sie fungiert als anonymes Schwarzes Brett, auf dem auch zu Straftaten aufgerufen wird. Im Dezember 2014 etwa listeten unbekannte Autoren 50 Adressen von Firmen, Personen und Behörden auf, die sich aus ihrer Sicht als Anschlagsziele im Kampf gegen Rassismus eigneten. Die Firma von Frauke Petry war nicht darunter.

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