Talsperre Eibenstock öffnet Mauerkrone für Fußgänger

Ab Donnerstagnachmittag kann der Weg über die Staumauer der Trinkwasseranlage im Erzgebirge genutzt werden - das ganze Jahr über. Das wird vor allem Wanderfreunde freuen.

Eibenstock.

Die Mauerkrone der größten Trinkwassertalsperre Sachsens wird am Donnerstagnachmittag für Fußgänger freigegeben. Damit erfüllt sich vor allem ein Wunsch vieler Wanderfreunde. Denn Schnupper-Touren zum "Tag des Wassers", an denen die Mauer offen war, haben längst Lust auf mehr gemacht.

"Natürlich kannten wir die Wünsche. Doch solche Forderungen sind nicht von heute auf morgen zu erfüllen", weiß Gerd Zobel, Leiter des Betriebes Zwickauer Mulde/Obere Weiße Elster, zu dem die Eibenstocker Sperre zählt. "Mancher denkt sich vielleicht: ,Macht doch die Tore auf und gut ... ' So einfach ist es eben nicht. Vor allem muss die Sicherheit gewährleistet sein, und in dieser Hinsicht gab es viel zu tun", erklärt Zobel. So musste einiges an der Mauer repariert werden, Fugen instand gesetzt, Gitter erhöht und die Abstände ihrer Stäbe verringert werden, sodass kein Kind hindurchpasst. Insgesamt hat die Talsperrenverwaltung 100.000 Euro investiert. Die Vorbereitung dauerte mehr als ein Jahr.

Der Lückenschluss auf dem Wanderweg rund um das Erzgebirgsmeer, wie die Sperre in der Region nicht ohne Stolz genannt wird, bereichert das touristische Gesamtangebot, sagt Uwe Staab, Bürgermeister von Eibenstock. Die Kommune hat - wie andere angrenzende Orte auch - einige Aufgaben zu übernehmen. So etwa die neue Beschilderung der Wanderwege. "Wir haben unter anderem mehr als 40solcher Schilder vorbereitet. Schließlich mussten alle Strecken neu vermessen und die Tourzeiten neu errechnet werden", so Staab.

Der Stützengrüner Bürgermeister Volkmar Viehweg nennt das Öffnen der Mauerkrone ein Zeichen dafür, dass die Region enger zusammenrückt. "Jetzt müssen wir darüber nachdenken, wie wir die Kommunen im Sinne einer besseren touristischen Erschließung noch enger vernetzten können."

Die Öffnung der Mauerkrone soll Fußgängern zugutekommen. "Trotzdem haben wir als Zweckverband Muldentalradweg gleich unsere Berechnungen gestoppt, als es hieß, die Mauerkrone wird geöffnet", sagt Uwe Staab, der auch den Vorsitz des Verbandes innehat. "Wir binden das Bauwerk selbstverständlich in unsere Radtouren ein. Da muss das Gefährt eben mal die 307Meter geschoben werden", meint er und fügt hinzu: "Wer läuft, kann die Aussicht und die herrliche Landschaft in Ruhe genießen."

Doch eine Maueröffnung kann vor allem für Trinkwassertalsperren Gefahren bergen. Es soll ja Zeitgenossen geben, die manchen Unrat ins Wasser schmeißen. "Stimmt, aber im Großen und Ganzen haben wir gute Erfahrungen gemacht", betont Zobel. "Schließlich sind in unserem Betrieb auch die Mauerkronen in Muldenberg, Carlsfeld und Werda begehbar - ohne Probleme." In Pirk allerdings habe der Männertag schon mal für hässliche Hinterlassenschaften gesorgt - die Beseitigung habe dann auch ziemlich Geld gekostet. In Eibenstock werden Kameras ein wachsames Auge auf das Wasserfass haben. Da würde Vandalismus Konsequenzen haben. "Wir gehen aber offen damit um, machen die Leute darauf aufmerksam. Hier geht es immerhin um Trinkwasser für 600.000 Einwohner im Bereich Zwickau, Chemnitz sowie Teilen des Erzgebirges", betont der Betriebschef. Nein, von Verbotsschildern hält er nichts. "Wir müssen die Menschen für das Thema sensibilisieren, ihnen klar machen, dass es auch um ihr Trinkwasser geht." Wer die Mauer öffnet, weckt auch andere Begehrlichkeiten. Zobel kennt die Diskussion über Elektroboote. "Wir werden sie nicht zulassen." Es gehe nicht nur um so ein Boot. "Zum Bootfahren gehört auch eine Infrastruktur. Da müssten Wege, Straßen geschaffen werden, auf denen die Bootsfahrer mit dem Auto anreisen können - so wächst das Gefahrenpotenzial für das Trinkwasser."

Eine Wanderkarte für das Gebiet rings um die Talsperre Eibenstock finden Sie unter: www.talsperren-sachsen.de

Das Erzgebirgsmeer ist das größte Wasserfass in Sachsen

In Sachsen gibt es 23 Trinkwassertalsperren. Bei 14 davon ist die Mauerkrone begehbar.

Der Betrieb ZwickauerMulde/Obere Weiße Elster betreut den Kreis Zwickau und den Vogtlandkreis sowie einen Teil des Erzgebirgskreises. Er ist u. a. zuständig für 14 Talsperren, von denen sieben Trinkwasserspeicher sind. Rund eine Million Sachsen werden mit aufbereitetem Trinkwasser aus diesen Sperren versorgt. Dazu gehören unter anderem die Anlagen Eibenstock, Carlsfeld und Muldenberg.

Die Sperre Eibenstock ist mit einem Gesamtstauraum von mehr als 84 Millionen Kubikmetern die größte ihrer Art in Sachsen.

Am und um das Wasserfass herum gibt es viele Wanderwege. Auch der EU-Fernwanderweg Eisenach- Budapest führt dort entlang.

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