Verkaufsoffensive für das Schloss und die "Nazi-Villa" in Grillenburg

Das Jägerhaus und das Touristenziel Jagdschloss im Tharandter Wald sollen nun zusammen veräußert werden. Dabei soll die Villa, einst ein Nazi-Domizil, nicht in falsche Hände geraten.

Chemnitz.

Die Stadt Tharandt will das "Neue Jägerhaus" im Tharandter Wald im Ortsteil Grillenburg loswerden. Auch für das benachbarte Schloss, das dem Freistaat gehört, wird ein Käufer gesucht. Da beides nur zusammen veräußert werden soll, haben die Stadt und der Freistaat eine Verkäufergemeinschaft gebildet. Laut Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, wird das Exposé in den nächsten Wochen vorbereitet und dann bei der Immobilienmesse im Herbst in München vorgestellt.

Der ehemalige sächsische Nazi-Gauleiter Martin Mutschmann ließ das Jägerhaus direkt hinter dem Jagdschloss auf der sogenannten Schlossinsel von 1937 bis 1939 als staatliches Gästehaus errichten. Es wurde schnell zum Treffpunkt für jagdbegeisterte Nazi-Größen. Auch Reichsmarschall Hermann Göring war dort hin und wieder zu Gast, um auf die Pirsch zu gehen. Tatsächlich war "König Mu" - wie der Gauleiter vom Volksmund genannt wurde - passionierter Jäger und förderte als Landesjägermeister das Jagdwesen in Sachsen. Da er die Villa teilweise auch privat nutzte, wurde sie auch "Mutschmann-Villa" genannt. Während der DDR-Jahre war das Neue Jägerhaus bis 1990 Kurheim. Es diente in dieser Zeit der sowjetischen Delegation um Leonid Breschnew und Alexei Kossygin als Quartier beim geheimen Dresdner Treffen der Staaten des Warschauer Pakts im März 1968 zum Prager Frühling. 1972 schlief Fidel Castro bei seinem DDR-Besuch dort. Bis 1993 war es Pension der Gemeinde Hartha. Zuletzt stand es unter Denkmalschutz - und leer. Seit 2006 gehört das Haus der Stadt Tharandt, bis 2011 wurde es an die Stiftung Musik Kunst Natur aus Bannewitz verpachtet.

In das ebenfalls leerstehende Schloss sollte ab 2017 die Landestiftung für Natur und Umwelt (Lanu) einziehen. Aber, so Gößl vom Finanzministerium, man wolle sich auch nach einer wirtschaftlicheren Lösung umschauen: "Wir haben das geprüft, ein Lanu-Einzug wäre sehr kostspielig. Zudem würde der Platz im Schloss dafür nicht ausreichen. Daher wollen wir auch alternative Lösungen suchen." Die Stadt Tharandt möchte das gesamte Schlossinsel-Areal als Einheit nutzen. Dazu Alexander Jäkel von der Stadtverwaltung: "Ziel für den Freistaat und Tharandt ist eine grundsätzlich öffentliche oder teilöffentlich Nutzung." Mit der Lanu als "Hauptmieterin", die dann Teilbereiche des Schlossareals belegt, könne man dem Ziel aber nahekommen.

Und wie will man beim Verkauf des geschichtsträchtigen Jägerhauses verhindern, dass Neonazi-Größen die Villa kaufen, um daraus einen Treffpunkt für die rechte Szene zu machen? "Es soll ein dreistufiges Verfahren geben: Zuerst werden wir sehen, wer überhaupt Interesse bekundet. Dann werden wir die Interessenten genauer unter die Lupe nehmen, und in der dritten Phase sollen Gespräche mit potenziellen Käufern geführt werden", so Ministeriumssprecher Gößl. Zudem könne man in den Kaufverträgen Klauseln einbauen, die den Missbrauch durch die rechte Szene verhindern.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...