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US-Panzertransporte auf dem Rückweg aus Polen passieren derzeit Sachsen - oder sie stehen still, wie dieser Zug im Bahnhof Mittweida.

Foto: Falk Bernhardt

Warum US-Panzer derzeit durch Sachsen rollen

Kriegsgerät der US-Armee wird seit einigen Tagen durch den Freistaat befördert. Besonders ein mit Panzern beladener Güterzug, der in Mittweida stillsteht, wirft Fragen auf. Während sich die deutschen Behörden einsilbig geben, ist die US-Botschaft um Antworten bemüht.

Von Alessandro Peduto (mit jl)
erschienen am 12.10.2017

Berlin/Mittweida. Der Anblick von unbekanntem Militärgerät auf sächsischen Gleisstrecken, Bahnhöfen und Autobahnabschnitten kann zweifellos beunruhigen. In den vergangenen Tagen wurden von Lesern der "Freien Presse" wiederholt mit Panzern beladene Güterzüge gesichtet und fotografiert, mal in der Nähe von Reichenbach im Vogtland, mal in Mittweida. Im dortigen Bahnhof steht ein solcher Zug bereits seit mehreren Tagen. Man fragt sich: Was geht hier eigentlich vor?

Eine Sprecherin der US-Militärverwaltung in Deutschland mit Sitz in Kaiserslautern nennt als vermuteten Grund für die verzögerte Weiterfahrt des Panzerzugs in Mittweida orkanbedingt Streckensperrungen in Norddeutschland. Die Deutsche Bahn will sich zu den Transporten aus Datenschutzgründen nicht äußern. Auch das Bundesverteidigungsministerium schweigt sich aus. Die US-Behörden sind hingegen offener.

Von der US-Botschaft in Berlin ist beispielsweise zu erfahren, dass Sachsen in gewisser Weise Transitland ist für die Beförderung von US-Militärgerät in Richtung Polen. Dort finden derzeit verschiedener Operationen statt, die allesamt der militärischen Abschreckung gegenüber Russland dienen. Die Panzer, die derzeit per Zug auch durch den Freistaat befördert werden, stammen unter anderem von der US-Militärbasis in Elblag östlich der polnischen Stadt Danzig. Von dort wird das Gerät über Sachsen in die nordbayerische US-Basis "Rose Barracks" in Grafenwöhr gebracht und später weiter in Richtung Bremerhaven zur Rückverschiffung in die USA.

Laut US-Botschaft handelt es sich um Panzer einer Infanteriedivision, die im Rahmen der bilateral mit Polen vereinbarten US-Operation "Atlantic Resolve" seit Anfang des Jahres zeitweise dort stationiert war. "Atlantic Resolve" wurde als Reaktion auf die Besetzung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland von Ex-US-Präsident Barack Obama mitinitiiert. Alle neun Monate wird die Brigade ausgetauscht. Zu Jahresbeginn war sie mit etwa 4000 Mann und 87 Panzern nach Polen und teils in weitere osteuropäische Nato-Staaten verlegt worden.


 

Über die genaue Anzahl der Züge, die durch Sachsen rollen, sowie über den detaillierten Streckenverlauf will das US-Militär aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen. Die Tatsache, dass ein mit Panzern beladener Zug aus Polen seit mehreren Tagen in Mittweida steht, während ein weiterer weiter westlich im Vogtland gesichtet wurde, legt jedoch nahe, dass der Militärtransport wohl aus mehreren Zügen besteht. Zudem gibt es widersprüchliche Angaben über Fahrtrichtungen. So soll laut Augenzeugenberichten auch ein mit Panzern beladener Zug gesichtet worden sein, der aus Richtung Hof in Bayern nach Sachsen fuhr. Hundertprozentige Klarheit über den Streckenverlauf gibt es bislang nicht.

Daneben werden in diesen Tagen im Rahmen einer weiteren Operation rund 800 US-Soldaten über Frankenberg nach Polen verlegt. Sie sind Teil eines Einsatzverbandes der Nato-Mission "Enhanced Forward Presence" (auf deutsch: Verstärkte Vorwärtspräsenz). Dieses Kontingent ersetzen ebenfalls US-Truppen, die in den vergangenen Monaten für eine begrenzte Zeit im ostpolnischen Orzysz stationiert waren.

Dorthin werden in diesen Tagen auch gepanzerte US-Radschützenpanzer vom Typ "Stryker" gebracht. Sie werden laut US-Behörden auf dem Straßenweg von Grafenwöhr durch Sachsen hindurch nach Brandenburg an den deutsch-polnischen Grenzübergang Forst transportiert. Von dort setzen sie die Fahrt nach Orzysz fort. Auch im Fall des Nato-Einsatzes ist das Ziel die militärische Abschreckung gegenüber Russland.

Die temporäre Stationierung von Nato-Truppen in Polen und im Baltikum soll dem Schutzbedürfnis der östlichen Bündnispartner nachkommen. Da die Nato-Grundakte eine dauerhafte Stationierung von westlichem Militär an der Nato-Ostflanke untersagt, rotieren die Truppen. Faktisch führt dies an der Grenze zu Russland dennoch zu einer Nato-Dauerpräsenz, die in Moskau für Kritik sorgt.

 
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Kommentare
18
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 18.10.2017
    09:31 Uhr

    Zahlemann: @Vandanser, Es ist vieleicht etwas weit ausgelegt. Was ich damit sagen wollte:

    Die Militärfahrzeuge sind in letzter Zeit sehr oft auf der Strasse zu sehen.(denen ich als Kind auch hinterher gewunken habe)

    Die Spiele zwischen Macht, Krieg und Geld wird auf unserem Rücken ausgetragen

    Wir dürfen den ganzen Mist bezahlen.

    Ist das nun etwas verständlicher?
    Viele von uns wollen das nicht, sind dem aber hilflos ausgeliefert.

    0 3
     
  • 18.10.2017
    07:59 Uhr

    Vandanser: @Zahlemann: Ich frage mich, was Dein Beitrag mit dem in der Überschrift (siehe oben) genannten, zu tun hat? Da war von Zügen mit US-Panzern die Rede und nicht von Gaspreisen und änlichem. Ich habe mich nur auf DIESEN Artikel bezogen und an den Einmarsch der Russen etc. in der CSSR bezogen. Was ja wohl wahr war. Habe damals selbst als 13jähriger am Rochlitzer Schul-Eck gestanden und den "Spaß" beobachtet. Du hast in Deinem Beitrag Sachen mit drinstehen von denen ich im Artikel keine Zeile gelesen habe.

    0 2
     
  • 17.10.2017
    12:42 Uhr

    Zahlemann: Nicht ganz Vandanser, viele rollen auch von selbst. Die haben ja nicht alle Ketten.
    Wie selbst die FP schreibt kommen die meisten vom Standort Grafenwöhr und fahren Richtung Polen, da dieses Land und fast ganz Europa von Russland massiv bedroht wird. Ganz schlimm ist es in Belgien und Frankreich/Straßburg, denn dort werden von der EU die Gegenmaßnahmen getroffen. Der USA sei Dank, haben diese doch in letzter Zeit in Deutschland intensiv aufgerüstet um uns zu beschützen. Da können wir nur froh sein, das sie wenigstens unser Geld nehmen um das ganze Sandkastenspiel - mit ungewissem Ausgang - zu bezahlen.

    Es freut einen auch zu hören, das die Gaspreise nun auch wieder steigen, da sie ja an den Ölpreis gekoppelt sind und nicht nach unten gingen als dieser in den letzten Jahren masiv unter Druck geraten ist. Natürlich kennt da unsere Solitarität keine Grenzen und wir pumpen das russische Zeug zurück in die Ukraine, die das Geld auch lieber für Panzer als für die Bevölkerung ausgibt.

    2 2
     
  • 17.10.2017
    09:02 Uhr

    Vandanser: Die rollen nicht, die werden gerollt. Sonst würden unsere Straßen wie 1968 aussehen, als die Sowjets einen Ausflug in die CSSR machten.

    1 2
     
  • 14.10.2017
    09:06 Uhr

    1953866: @Dorpat, es sind, wie auch Hankman schrieb, Spekulationen: " ...Sollte tatsächlich so etwas vorliegen...".
    Nichts genaues weiß man nicht. In Ihrem Link werden übrigens zwei Ereignisse benannt: Die 800 US-Soldaten mit ihren rund 200 Fahrzeugen haben Frankenberg (!) am Dienstag verlassen. Der Zug mit US-Panzern, (wenn man keinerlei Auskunft bekommt, woher weiß man dann, dass die Panzer ohne Hoheitszeichen zur US-Armee gehören), diese Panzer stehen lt. dem Artikel immer noch in Mittweida (!). Von Geleitschutz durch US-Soldaten ist da keine Rede.
    Irgendwann werden wir die Wahrheit erfahren. Hatten Sie den richtigen "Riecher" bin ich der Erste, der Ihnen gratuliert. Versprochen!

    0 3
     
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