Bahnfahrt nach Nürnberg dauert künftig wieder deutlich länger

Im Vogtland können dank Elektrifizierung nun komfortablere Doppelstockzüge fahren. Doch in Hof ist nach wie vor Schluss. Wer weiter will, muss ab 2015 mehr Zeit einplanen.

Plauen.

Lange wurde um das Projekt gerungen, nun geht es endlich in Betrieb. Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit erfolgte am Donnerstag in Plauen die Inbetriebnahme der elektrifizierten Bahntrasse zwischen Reichenbach im Vogtland und Hof in Bayern. Der reguläre E-Betrieb auf dem Abschnitt startet allerdings erst zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember. In jeder zweiten Stunde wird die Bahn dann Doppelstockzüge einsetzen, die von einer E-Lok gezogen werden. Einen Vorgeschmack darauf gab es am Donnerstag schon: Zwei Sonderzüge brachten die Gäste aus Richtung Dresden und Hof zum Festakt auf den Oberen Bahnhof in Plauen.

Die Redner hoben unisono die Bedeutung des Projektes hervor. Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) etwa bezeichnete die Investition als "das richtige Signal für einen attraktiven Zugverkehr vom mitteldeutschen Wirtschaftsraum in Richtung Bayern". Plauens OB Ralf Oberdorfer sprach gar von einem "Riesentag der Freude", denn man habe sich bis dahin "abgehängt und vernachlässigt gefühlt".

Ebenso wie seine Bayreuther Amtskollegin Brigitte Merk-Erbe und Vogtlandkreis-Landrat Tassilo Lenk (CDU) legte aber auch er den Finger in die Wunde: Der Fahrdraht endet in Hof, eine Weiterführung in Richtung Nürnberg ist bislang offen.

"Elektrische Sackgasse" in Hof

Bis spätestens 2023 müsse die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale, die von Dresden nach Nürnberg führt, vollendet werden, forderte Merk-Erbe. Mit Blick auf diese "elektrische Sackgasse" mahnte Lenk die Beteiligten bei Bund, Freistaat Bayern und Bahn: Es müsse eine hehre Verpflichtung sein, die Lücke zu stopfen. Morlok wiederum erklärte, die beiden Staatsregierungen hätten sich darauf verständigt, das Vorhaben für den nächsten Bundesverkehrswegeplan, der 2015 beschlossen wird, anzumelden. Doch auch das ist erfahrungsgemäß kein Garant dafür, dass in absehbarer Zeit auch gebaut wird. Zudem sind zwei Streckenverläufe in der Diskussion.

Die Bahn favorisiert die Modernisierung der Strecke von Hof nach Regensburg, die für den Güterverkehr benötigt wird. Die im sächsisch-bayerischen Städtenetz organisierten Kommunen wollen hingegen den Ausbau des 166-Kilometer-Abschnittes nach Nürnberg. "Um den Druck auf dem Kessel zu halten", so Oberdorfer, übergaben Städtevertreter eine Resolution zum vordringlichen Ausbau an den Bahn-Konzernbevollmächtigten Artur Stempel.

Denn für die Reisenden hat die auf sächsischer Seite nun vollständig elektrifizierte Strecke nicht nur Vorteile. Wer über Hof hinaus will, kommt ab 2015 um das Umsteigen in der Stadt nicht herum. 2014 bleibt noch eine durchgehende Linie erhalten - in den ungeraden Stunden werden weiter Dieseltriebzüge von Dresden nach Nürnberg und zurück rollen. In der anderen Stunde fahren Doppelstockzüge bis Hof.

2015 soll die länderübergreifende Verbindung aber ganz in Hof "gebrochen" werden, wie Harald Neuhaus, Chef des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), bestätigte. Weil zugleich die Abfahrtszeiten verändert werden, müssen Reisende nach Nürnberg künftig mehr Zeit einplanen - statt bislang 4.20 Stunden wird laut VMS eine Fahrt auf der 392-Kilometer-Strecke Dresden-Nürnberg fünf Stunden dauern.

Fünf Stunden bis Nürnberg

Dafür würden etwa in Zwickau, wo die Züge ab 2015 wieder zur vollen Stunde ankommen sollen, die Anschlüsse in alle Richtungen wieder hergestellt, so Neuhaus. "Die Musik spielt nun mal zwischen Dresden, Chemnitz und Zwickau", sagte er. Es sei nicht Aufgabe des VMS, darauf zu reagieren, dass sich die Bahn aus dem Fernverkehr zurückgezogen habe. Zählungen hatten ergeben, dass knapp 80 Prozent der Reisenden nur zwischen Dresden und Hof unterwegs sind. "Sie werden künftig die Vorzüge der Doppelstockwagen genießen können", betonte Bahn-Manager Klaus-Dieter Martini.

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6Kommentare
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    Bär53
    07.12.2013

    Toll!! Wieder viel Geld verbaut und für die Reisenden wirds unbequemer. Ab 2016 werden von Chemnitz aus nur noch zwei Bahnhöfe außerhalb Sachsens umsteigefrei erreicht- Elsterwerda und Hof, beide nur 5km hinter der Landesgrenze. Orte wie Müchen, Stuttgart, Dortmund, Berlin, Rostock, Stralsund und... standen vor wenigen Jahren noch auf den Abfahrtstafeln im Hbf. So hängt sich und hängt man einen Wirtschaftsstandort ab und so macht man und macht sich die Bahn selbst kaputt.

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    Zugereiste
    07.12.2013

    @marioh: Ne, die Fahrzeit zwischen DD und Z (meine Strecke) wir nicht länger, dafür wird aber nicht mehr in FTL und Klingenberg gehalten. Der Zug fährt jetzt auch erst 5:56 und nicht mehr 5.54 ab bei gleicher Ankunft in Z. Der Zug, der jetzt noch 7.01 fährt (IRE) ist demnächst ein RE mit Umsteigen in Hof und so nen Doppelstockzug, aber ebenfalls zeitgleich mit heute in Z. Fährt 6.56 ab DD. Auf der Strecke ändert sich also nicht so viel.

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    marioh
    07.12.2013

    Ich meinte übrigens die Fahrzeit zwischen Dresden und Zwickau - die Doppelstockzüge erreichen nicht die Geschwindigkeiten der derzeit eingesetzten (ebenfalls nicht optimalen) Neigetechnikfahrzeuge. Weiß auch nicht, was an den Doppelstockwagen so toll sein soll. Einen Zuwachs an Komfort bringen sie auf jeden Fall nicht. Nur der Geräuschpegel ist angenehmer... @anwe46: Ich spreche nicht von Dresden. Die sind vergleichsweise gut angebunden. Ich spreche von Zwickau und Chemnitz. Man wird also auch hier dann immer nach Leipzig fahren müssen. So wird dann wohl die neue S-Bahn-Strecke ausgelastet.

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    anwe46
    06.12.2013

    an Zugereiste, der Sinn der alten Doppelstockzüge erschließt sich in dem Moment, wo man weiß, dass die Fahrt mit ICE von Dresden nach Nürnberg über Leipzig für fast den doppelten Preis bei einmal umsteigen in Leipzig auch 5 Stunden dauert. Man braucht schließlich Bedarf für die unsinnige Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt-Leipzig. Die soll rein zufällig 2015 in Betrieb gehen. Ein Schelm, der dabei böses denkt. Wer setzt sich denn 5 Stunden in einen NAH-verkehrszug.

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    Zugereiste
    06.12.2013

    So ist es, steht ja auch im Text. Knapp fünf Stunden wird es dann, inkl. ein Mal umsteigen, dauern, bis man aus Dresden in Nürnberg sein wird - wenn denn der Anschluß klappen sollte.

    Was allerdings die Vorteile der Doppelstockzüge sind, dazu noch der alten aus Leipzig, die damit anfälliger für Reparaturen aller Art sind, erschließt sich mir noch nicht.

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    marioh
    05.12.2013

    Ab 2015 nur noch Doppelstockzüge zwischen Dresden und Hof? Das hört sich so an, als würden sich dann auch die Fahrzeiten verlängern... Leider wird es insbesondere für Dienstreisende fast unmöglich, die Bahn zu nutzen, insbesondere, wenn man nach Süddeutschland reisen möchte. Es sollten sich alle Beteiligten schämen, hier irgendwelche Lobeshymnen zu singen.



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