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Die Brandanschläge in Leipzig wirkten sich auf den Bahnverkehr in ganz Sachsen aus. Auch auf dem Hauptbahnhof Dresden stand alles still.

Foto: Arno Burgi/dpa

Brandanschläge legen Bahnverkehr und Internet lahm

Globalisierungskritische Extremisten haben wohl bundesweit Kabelschächte der Bahn angezündet. Sachsens Abwehrzentrum nimmt Ermittlungen auf.

Von Jens Eumann (mit ar)
erschienen am 19.06.2017

Chemnitz/Leipzig. Brandanschläge auf Anlagen der Bahn haben am Montag in mehreren Bundesländern den Zugverkehr stark beeinträchtigt. Im Raum Leipzig kam der Schienenverkehr durch ausgefallene Signalanlagen zeitweise zum Erliegen. Dort hatte es in der Nacht zu Montag laut Bundespolizei sechs offenbar von Extremisten verübte Anschläge gegeben. Die Brandsätze wurden gegen entlang der Bahntrassen verlegte Kabelschächte eingesetzt. Da die Schächte von Telekommunikations-Anbietern mitgenutzt werden, kam es auch zu Ausfällen in den Netzen von Primacom und Vodafone. Allein Vodafone meldete 14.000 betroffene Haushalte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Auch auf andere Teile Sachsens wirkte sich der Ausfall eines Stellwerks der Bahn in Leipzig aus. So war die Strecke Dresden - Chemnitz am Vormittag ebenfalls lahmgelegt. Erst ab dem Mittag habe man allmählich wieder in Normalbetrieb übergehen können, teilte ein Unternehmenssprecher der die Strecke betreibenden Mitteldeutschen Regiobahn der "Freien Presse" mit.

In anderen Teilen Deutschlands waren Regional- und Fernverkehr der Bahn betroffen, da es zeitgleich in Berlin, Hamburg, den nordrhein-westfälischen Städten Köln und Dortmund sowie in Niedersachsen weitere Angriffe gegeben hatte. Von zwölf Anschlägen sprach die Bundespolizei, das Berliner Präsidium nannte 13 Taten.

Von den sechs in Leipzig gelegten Brandsätzen konnten zwei unschädlich gemacht werden, bevor es zum Feuer kam, teilte die Bundespolizei-Direktion Pirna mit. "Den ersten Hinweis bekamen wir in der Nacht gegen 2.30 Uhr von Mitarbeitern der Bahn. Danach wurde der ganze Raum Leipzig abgesucht", sagte der Sprecher der Pirnaer Bundespolizei, Christian Meinhold, der "Freien Presse". Der eingesetzte Hubschrauber habe gegen vier Uhr früh weitere Brände gemeldet.

Die Tatort-Ermittlungen in Sachsen hat das Operative Abwehrzentrum (OAZ) des Landeskriminalamts übernommen, das auf Extremismusbekämpfung spezialisiert ist. Aufgrund mehrerer Hinweise setzen die Ermittler die Anschläge in Bezug zum G20-Gipfel, zu dem am 7. und 8. Juli in Hamburg Regierungschefs der führenden Industrienationen und Vertreter der EU zusammenkommen.

In der Nacht zum Montag wurde die Leichtigkeit solcher Attacken gegen die Infrastruktur auf der Internetplattform "Indymedia" geradezu beworben. Die Bedeutung der "Kabel" mit ihren "Schnittstellen" und "Knotenpunkten" werde "erst dann deutlich", "wenn sie nicht mehr funktionieren", heißt es da. Oft sei es "nicht sehr kompliziert, sie in ihrer Funktion zu sabotieren". Am Montag kam zu diesem Sabotageaufruf auf der von linken Extremisten oft anonym genutzten Plattform noch ein Bekennerschreiben hinzu. Die Autoren meldeten sich unter dem Nutzernamen "Shutdown G20 - Hamburg vom Netz nehmen!" zu Wort: "Heute Morgen haben wir die Kabelstränge entlang mehrerer Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt", schreiben sie. "Wir werden die Maschinisten nicht aufhalten, noch nicht. Aber wir zeigen auf, wie es möglich ist, die Maschine zum Stottern zu bringen", heißt es im Bekennerschreiben. Ob es sich bei den Angriffen um eine konzertierte Aktion einer Gruppe oder um durch den Aufruf provozierte Einzelaktionen handele, sei noch unklar, sagte OAZ-Sprecherin Kathleen Doetsch der "Freien Presse". Die Tatorte werden auf Ähnlichkeiten in der Begehungsweise hin überprüft.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Anschläge scharf. Den Tätern müsse klar sein, dass sie nicht nur enormen wirtschaftlichen Schaden verursachten, sondern "unter Umständen Gesundheit und Leben von Bahnreisenden gefährden". Das habe nichts mehr mit Globalisierungs- und Gesellschaftskritik zu tun, es sei "einfach kriminell" und erfordere "harte Bestrafung". Zur Gefährdung von Menschen sei es nicht gekommen, sagte OAZ-Sprecherin Doetsch. Eine Schadensbilanz nahm die Bahn am Montag noch nicht vor.

 
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