Chemnitz: Längste Brücke bekommt Ersatz aus Stahl

Bau am Dresdner Platz startet am Freitag - Ab August rollt Verkehr über Behelfskonstruktion

Chemnitz. Das größte Brückenbauvorhaben der nächsten Jahre in der Stadt beginnt am Freitag. Für rund 25 Millionen Euro wird bis Ende 2013 die Brücke am Dresdner Platz abgerissen und neu gebaut, 90 Prozent der reinen Baukosten fließen als Fördergeld.

Autofahrer bekommen die Bauarbeiten zunächst nicht zu spüren, beruhigt Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk. "Verkehrseinschränkungen gibt es vorerst nicht." Bis August soll zunächst die Behelfsbrücke aufgestellt werden. "Dafür fällen wir 32 Bäume an der Waisen-/Dresdner Straße, dort, wo die Behelfsbrücke später in die Dresdner Straße mündet. Nach Bauende sind dafür Neupflanzungen geplant."

Die Bauaufträge seien vergeben. Die Vorbereitungen für das Mammutprojekt laufen freilich bereits seit längerem, sagt Gregorzyk: Die Brücke führt über die Bahnstrecke. "Drei alte Abwasserleitungen unter den Gleisen sind bereits seit Sommer neu verlegt worden, damit die Bahn anschließend ihre Gleise tiefer legen kann", erklärt der Amtsleiter. "Das ist notwendig, weil sowohl die Behelfsbrücke als auch der Brückenneubau wegen Din-Vorschriften nicht mehr die Höhe des jetzigen Bauwerks haben werden. Gegenwärtig fahren Züge mit Ausnahmegenehmigung, abgesenktem Bügel und langsam unter dem Viadukt durch."

Die 1906 errichtete Brücke am Dresdner Platz, mit 112 Metern die längste in Chemnitz, soll seit Jahren ersetzt werden. Das Bauwerk, mit 25.000 Autos pro Tag eine der meistbefahrenen Brücken der Stadt, genügt nicht mehr den Anforderungen und ist für LKW ab 16 Tonnen Gewicht gesperrt. Stadt und Bahn haben das Projekt mit dem laufenden Ausbau des Hauptbahnhofes abgestimmt. "Wir stehen vor einem der interessantesten und kompliziertesten Bauvorhaben", so Gregorzyk. So kommt es, dass das Vorhaben beinahe vier Jahre dauert. Zum Vergleich: Der Bau des Burj Chalifa in Dubai, des höchsten Gebäudes der Welt, aber wurde in nur fünf Jahren auf 828 Meter hoch gebaut. Die Herausforderung am Dresdner Platz: Der Aufbau der Ersatzbrücke, die Verlegung der Abwassersammler, der Ausbau des Bahnnetzes und der Neubau der Brücke müssen aufeinander abgestimmt werden. Das Viadukt ist ein Nadelöhr, die Engstelle bei der Zufahrt der Züge zum Hauptbahnhof. Dabei soll es nur wenige festgelegte Sperrzeiten auf der Sachsenmagistrale der Bahn geben, stellt der Amtsleiter klar: "Gebaut wird nahezu unter vollem Zug-Betrieb."

Die Stadt ihrerseits baut in zwei Etappen: Nach den Vorbereitungsarbeiten soll zunächst die Behelfsbrücke ab August stehen und der erste Teil der alten Bahnbrücke abgebrochen werden. Allein dafür sind drei Millionen Euro eingeplant. "Anschließend baut die Bahn unter der Brücke die Gleise neu, und wir reißen Ende 2011 den Rest der alten Brücke ab", erklärt der Amtschef. "Für den reinen Brückenbau planen wir ab Anfang 2012 zwei Jahre ein: Im Idealfall rollt der Verkehr Ende 2013 über die neue Brücke."

Autofahrer sollen unter dem Großbauprojekt möglichst wenig leiden, beteuert Gregorzyk. Im Gegenteil: "Mit Inbetriebnahme der Behelfsbrücke ab August schaffen wir die uneingeschränkte Verbindung zur City, Tonnagebeschränkungen wird es nicht mehr geben." Das Ersatzbauwerk aus Stahl mit 9,50 Meter Querschnitt soll unmittelbar neben der alten Brücke Richtung Hauptbahnhof die Gleise überspannen. Über drei Jahre wird das Provisorium eine der wichtigsten Verkehrsadern für die City und die Verbindung ins Umland Richtung Freiberg ersetzen. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Auf der Ersatzbrücke rollt der Verkehr jeweils nur auf einer Fahrbahnspur in jede Richtung, am Rand verläuft ein Fußweg. Dafür wird die Ampel oberhalb des Dresdner Platzes abgebaut. Davon erhoffen sich die Verkehrsplaner laut Gregorzyk, die durch die Einspurigkeit entstehende Staugefahr einzuschränken: "Nur die Ampel an der Bahnhofstraße bleibt."


Weitere Verkehrshinweise

Der Verkehr auf der Waisen-/Dresdner Straße bleibt zweispurig, die Verbindung für Fußgänger auf der Sonnen-/Dresdner Straße wird erhalten. Zu den Häusern Dresdner Straße 6-18 wird für Versorgungsfahrzeuge, Feuerwehr und Anlieger eine Zufahrt über die Freiberger Straße gebaut.

Von Grit Baldauf

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