Chemnitz hat europaweit das meiste Crystal im Abwasser

Eigentlich wollten Forscher den Einfluss flüssiger Haushaltsabfälle auf die Umwelt untersuchen. Doch die Methode liefert nun Echtzeitdaten zum illegalen Drogenkonsum.

Chemnitz.

Eine europaweite Studie zum illegalen Drogenkonsum hat Südwestsachsen einmal mehr als Brennpunkt des Crystal-Meth-Konsums ausgewiesen. Für die Studie des Europäischen Überwachungszentrums für Drogen und Drogenmissbrauch (EMCDDA) in Lissabon wurden Abwasserproben aus 59 europäischen Städten untersucht. Bei Methamphetamin weist Chemnitz einen Höchstwert in Europa auf: 240 Milligramm pro 1000 Personen und Tag. Auch Erfurt (211 mg) und Dresden (180 mg) liegen weit über dem Durchschnitt. Die Daten wurden vom IFT Institut für Therapieforschung München erhoben.

Das Chemnitzer Abwasser enthielt sogar mehr Crystal-Meth-Anteile als die Stichproben aus Brünn und Budweis, die in der Tschechischen Republik untersucht wurden; Prag wurde allerdings nicht erfasst. In Tschechien und der Slowakei ist der Crystal-Meth-Missbrauch seit Jahrzehnten am höchsten, während sich grenznahe Gebiete in Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem weiteren Brennpunkt entwickelt haben. In den meisten anderen europäischen Ländern spielt die Droge dagegen eine untergeordnete Rolle. Laut EMCDDA nimmt der Missbrauch derzeit vor allem in Skandinavien und auf Zypern zu. Unterschiede zwischen den Städten eines Landes lassen sich laut Studie vor allem mit der unterschiedlichen Sozialstruktur erklären. Anders als bei Kokain und Ecstasy sei ein Stadt-Land-Gefälle bei Crystal Meth nicht nachweisbar.

In Chemnitz wurden nach Angaben der Stadtverwaltung im Juni, August/September und November 2017 an insgesamt 21 Tagen jeweils über 24 Stunden hinweg Proben aus dem Zulauf der Kläranlage entnommen. Sie wurden auf Urin-Biomarker untersucht, die Rückschlüsse auf die Einleitung von Amphetamin, Methamphetamin und Ecstasy zulassen. Zusätzlich erfolgten Analysen auf körpereigene Zerfallsprodukte von Kokain und Cannabis.

"Chemnitz hat zum ersten Mal freiwillig an der seit 2011 stattfindenden Abwasseranalyse teilgenommen. Die hohe Belastung mit Methamphetamin ist ein Signal, die präventive Arbeit gegen Drogenmissbrauch weiter zu verstärken", sagte ein Sprecher der Stadt. Man werde auch im nächsten Jahr wieder an der Studie teilnehmen.

Die Analyse von Abwasser ist eine wissenschaftliche Disziplin von zunehmender Bedeutung. Forscher sehen darin eine Möglichkeit, Echtzeitdaten zum illegalen Drogengebrauch zu gewinnen. Ursprünglich wurde die Methode entwickelt, um den Einfluss flüssiger Haushaltsabfälle auf die Umwelt zu untersuchen. Heute wird sie auch zur Kontrolle des Drogenmissbrauchs eingesetzt. Der Nachweis erfolgt über den ins Abwasser eingeleiteten Urin.

Die Methode ist nicht geeignet, um die Anzahl der Konsumenten in einer Stadt festzustellen. Ein Problem besteht etwa darin, den genauen Umfang der am Stichtag erfassten Bevölkerung zu ermitteln. Zur Schätzung lassen sich beispielsweise Mobilfunkdaten nutzen.

Eine Interaktive Karte zu Drogen im Abwasser finden Sie hier.

 

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5Kommentare
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  • 1
    2
    Interessierte
    11.03.2018

    Aber das Chemnitzer Abwasser fließt doch in die Mulde und dann in die schöne und saubere Elbe und durch den Westen und durch das schöne Hamburg , Wasser ist Wasser ?.

    Und wieso denn eigentlich Chemnitz und Sachsen ???
    Warum gehen denn die Tschechen nicht nach Bayern ???
    Die haben doch nicht etwa einen Auftrag für den Osten ???

    >
    Stimmt , aussauger , aber das mit den 60 Punkten kenne ich nicht ...

  • 2
    2
    aussaugerges
    11.03.2018

    Es müsen hier im Forum Menschen geben die sich an der Armut bereichen.
    Siehe 2 rote Daumen.

  • 2
    2
    aussaugerges
    10.03.2018

    Hallo Interessierte!
    Es ist so schlimm geworden, man kann es gar nicht mehr ertragen.
    Da müssen Menschen 60 Punkte sammeln bis sie Anspruch auf eine Wohnung haben.
    Ich habe noch nie soviel Elend gesehen.
    Nur um die Gier des Menschen zu befriedigen.
    (7,30Uhr Tagesschau 24)
    Unfaßbar aber Wahr

  • 3
    3
    Zeitungss
    09.03.2018

    Ist zu befürchten, dass der Zoll und die Bundespolizei die Abwasserkanäle überwachen muß, um eine "Nachnutzung" dieser Droge zu unterbinden.
    Ich hatte es schon einmal angesprochen, wer kein Schloß an der Tür hat, muß mit den Folgen leben, dafür gab es reichlich ROT, was am Ergebnis allerdings NICHTS ändert.

  • 2
    5
    Interessierte
    09.03.2018

    Es ist schon traurig ...
    Erst kommen Menschen die nehmen und holen sich alles und verkaufen dir alles ...
    Dann kommen Menschen , die verbrennen dir alles ...
    Dann kommen Menschen , die überfallen dich und rauben dich aus und ermorden dich ...
    Und dann kommen Menschen nach Sachsen die vergiften dich ...



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