Chemnitzer Busbahnhof soll an die Bahnhofstraße ziehen

CVAG schlägt Umverlegung an den Hauptbahnhof vor

Chemnitz. Bei seiner Einweihung 1968 galt der Busbahnhof als Vorzeigeobjekt, er bestach durch seine Architektur und Technik. Heute befindet sich die Anlage nur noch in innerstädtischer Randlage, das nahe Wohngebiet, der Brühl, hat viele Bewohner und damit Fahrgäste verloren. Jetzt wächst die Forderung, den Busbahnhof zu verlagern.

Um den künftigen Standort des Busbahnhofes ist eine Debatte entbrannt. Die alte Anlage könnte nach den Vorstellungen der Stadtplaner dem neuen Campus der Technischen Universität Chemnitz an der Straße der Nationen weichen. So findet sich in der Vision vom Umbau der Alten Aktienspinnerei zur Zentralbibliothek statt der Haltestellen der Vorschlag für ein neues Kommunikationszentrum und die Mensa der TU.

Doch der Standort wird nicht nur diskutiert, weil sich die Innenstadt ausdehnen soll. Auch jetzt schon ist seine Lage in Bezug auf den Hauptbahnhof "nicht optimal", springt der Sprecher des Verkehrsunternehmens CVAG, Stefan Tschök, auf den fahrenden Zug. Die CVAG schließe sich dem Standpunkt der Städteplaner an: So gebe es keine direkte Sicht zwischen den beiden Verkehrsanlagen. Außerdem empfänden Reisende den Weg - auch wenn er im Durchschnitt nur 400 oder weniger Meter betragen dürfte - beim Umsteigen als zu lang.

Ziel: Regionalen und städtischen Verkehr besser verknüpfen

Vor allem aber könnte der Busbahnhof, um den es in den vergangenen Jahren still geworden ist, weiter an Bedeutung verlieren, wenn das Chemnitzer Modell ausgebaut wird. Das System, bei dem Straßenbahnen auf Eisenbahn- und Straßenbahnschienen zwischen dem Umland und der Innenstadt von Chemnitz pendeln, soll bis 2020 um mehrere Strecken erweitert werden. Bereits 2013 sollen alle Bahnen des Chemnitzer Modells weiter bis zur Zentralhaltestelle fahren können. Derzeit enden die Strecken aus Burgstädt, Mittweida und Hainichen noch am Hauptbahnhof. Auch der TU-Standort Reichenhainer Straße soll einen eigenen Anschluss bekommen.

Um unwirtschaftlichen Parallelverkehr zu vermeiden, so Tschök, könnten nach der Erweiterung weitere regionale Omnibuslinien wegfallen oder ihr Angebot reduzieren. Der neue Standort für den Busbahnhof sollte, so sagt er, dann am Hauptbahnhof entstehen. "Bei der Entwicklung des Innenstadt-Campus' erscheint es uns notwendig, das Gebiet des jetzigen Hauptbahnhofes tatsächlich zu einer Verkehrsdrehscheibe zu entwickeln", so der Unternehmenssprecher. "Das geht nur, wenn man zwischen allen Verkehrsträgern kurze Umsteigewege und gute Anschlussgefüge herstellt." Eine Möglichkeit sei, Ankunfts- und Abfahrpunkte für den regionalen Busverkehr vom Busbahnhof weg an den Bahnhofs-Vorplatz oder an die Bahnhofstraße zu verlegen, beschreibt Tschök die Vorstellungen der CVAG.

Busse und Bahnen in unmittelbarer Nähe zum ausgebauten Campus an der Straße der Nationen, aber auch zum Bahnhof: Die Umverlegung würde nach Ansicht der CVAG helfen, die Universität an der Straße der Nationen gut mit dem Stadt- und Regionalverkehr zu verbinden. "In kaum einer anderen Stadt Deutschlands wird man eine solch enge Verknüpfung des regionalen und städtischen Schienennetzes mit einem Hauptstandort der Universität wiederfinden", sagt Tschök.

Betreiber will Anlage gern kleiner, aber weiter am Standort

Bei seiner Eröffnung 1968 galt der Omnibusbahnhof am Brühl als modernste Anlage Europas. Spätestens mit der Einführung des neuen Bus- und Straßenbahnnetzes für das Stadtgebiet im Jahr 2008 hat die Anlage an der Ecke Straße der Nationen/Georgstraße ihre Bedeutung als zentraler Ankunfts- und Abfahrort für Busse in Chemnitz eingebüßt. Mit der Umstellung hat die CVAG ihre vier letzten Abfahrstände aufgegeben. "Durch die Verknüpfung unserer Linien fahren wir durch bis in die Innenstadt, wir benötigen den Halt dort nicht mehr", erklärt Stefan Tschök. Mit gravierenden Folgen: Allein jene rund 230 Abfahrten täglich fehlen nun.

Autobus Sachsen ist Besitzer und Betreiber des Geländes. Die Anzahl der Abfahrten von Linienbussen laut Fahrplan beziffert Geschäftsführerin Sabine Litwinenko heute auf 51.000 pro Jahr, hinzu kommen Abfahrten und Ankünfte für Reisebusse. Zum Vergleich: 1978 waren es 500 Abfahrten je Werktag.

Über das Entwicklungskonzept des Innenstadt-Campus und den damit in Verbindung stehenden Rückbau des Omnibusbahnhofes sei das Unternehmen bereits im Jahre 2009 und somit frühzeitig informiert worden, sagt die Geschäftsführerin und versichert, man wolle sich dem Thema nicht verschließen. Generell bedauere ihr Unternehmen, dass die Anlage als solche infrage gestellt werde. Immerhin stehe das etwa 1200 Quadratmeter große Dach des Service- und Wartebereiches unter Denkmalschutz.

Dennoch, so räumt Litwinenko ein, sei "der Omnibusbahnhof angesichts seiner heutigen Nutzung überdimensioniert". Gemeinsam mit der Stadt Chemnitz solle geprüft werden, "ob der Omnibusbahnhof in kleineren und dem Verkehrsaufkommen angepassten Strukturen" am jetzigen Standort bleiben kann. Wenn dies nicht möglich sei, dann, so Litwinenko, wäre der Hauptbahnhof im Sinne fahrgastfreundlicher Umsteigebeziehungen und mit Bezug auf das Chemnitzer Modell sicher der richtige Ort für Ankunft und Abfahrt der Regionalbusse.

Allerdings macht die Chefin auf einen Haken aufmerksam: 1999 wurde der Neubau des gesamten Abfahrtsbereiches des Busbahnhofes abgeschlossen, die Fördermittelbindung für diese Baumaßnahme läuft erst 2014 aus. Das heißt, bei einer Veränderung vor dieser Zeit könnten Rückforderungen für die Zuschüsse drohen.

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