Frank Haubitz - ein Praktiker

Bislang führte Frank Haubitz den Philologenverband und ein Gymnasium in Dresden. Dass er nun Chef aller Lehrer in Sachsen wird, verdankt er Ministerpräsident Stanislaw Tillich, dessen Abgang in der CDU heftig diskutiert wird.

Dresden.

Als Erstes entschuldigte sich Frank Haubitz am Donnerstag für sein Outfit. Mit einem hellblauen, aus der Hose hängenden Hemd und Turnschuhen war der 59-Jährige am Donnerstagmittag im Landtag bei der CDU-Fraktion erschienen. Nicht ganz standesgemäß für einen, den Sachsens scheidender Ministerpräsident Stanislaw Tillich gerade zum Kultusminister machen will.

Aber Haubitz hatte eine gute Begründung, als er dann für eine Viertelstunde auch noch kurz der Presse Rede und Antwort stand: Wäre er am Gymnasium Dresden-Klotzsche frühmorgens im Anzug erschienen, hätte das seine Schüler womöglich durcheinandergebracht. Weil dann auch noch das Kind eines Lehrers krank geworden sei, habe er auch noch schnell drei Stunden Sport vertreten, bevor er in den Landtag kam.

Dort war sein Gesicht vor allem den Bildungspolitikern schon länger bekannt: Der ausgebildete Diplomlehrer für Mathematik und Geografie leitete seit 1998 den Philologenverband Sachsen, einen Berufsverband für Gymnasiallehrer. Nach seinem Pädagogikstudium in Dresden unterrichtete er von 1983 bis 1990 an der 105. Polytechnischen Oberschule, deren Leitung er dann nach Wahl durch Eltern, Lehrer und Schüler übernahm. Seit 1993 ist er Schulleiter am Gymnasium in Dresden-Klotzsche.

Auch Amtsvorgängerin Brunhild Kurth war im Vorleben erst Lehrerin und danach Schulleiterin. Kurth, die im Frühjahr 2012 Roland Wöller gefolgt war, der sich im Kampf um mehr Lehrerstellen auch mit Tillich überworfen hatte, war unmittelbar vor den Herbstferien aus privaten Gründen zurückgetreten. Ein Zeitpunkt, der Tillich überrascht und hinter den Kulissen wohl auch erzürnt hatte. Nun ist auch klar, warum: Haubitz jedenfalls erzählt, dass er "einen Tag vor dem Rücktritt von Frau Kurth angefragt" worden sei, Tillich aber "so großzügig" gewesen sei, ihn dennoch seinen Urlaub antreten zu lassen. "Die Verzögerung möchte ich entschuldigen."

Nach den Ferien habe er dann "ein paar Eckpunkte" abgeklopft, seine Wünsche äußern dürfen und jetzt "die volle Rückendeckung des Ministerpräsidenten". Dass Tillich auf ihn gekommen sei, habe ihn sehr überrascht, begegnet seien sich beide nur bei Sommerfesten des Philologenverbandes. Für seine Zusage aber habe er nur zwei Sekunden gebraucht.

Davon, dass es nur ein kurzes Intermezzo in der Politik wird, geht Haubitz nicht aus. Er freue sich auf die neue Aufgabe, "in den nächsten Jahren" Bildung zu gestalten, sagte er am Donnerstag. Dazu müsste ihn der nächste Ministerpräsident auch wieder ernennen, weil Tillich ja inzwischen seinen Abschied für Dezember angekündigt hat - ein Schritt, der Haubitz Respekt nötigt. "Da hat jemand Charakter gezeigt", fand er.

Aber Haubitz hat an seinem Verbleib als Kultusminister, zu dem ihn Tillich am Montag ernennen will, auch deshalb keine Zweifel, weil seine Personalie mit Tillichs Wunschkandidaten als Nachfolger, Michael Kretschmer, abgestimmt sei.

"27 Jahre Schulleiter, 19 Jahre Verbandschef - ich glaube, ich bringe genügend Erfahrungen mit ins Haus. Und ich weiß, was draußen läuft und was nicht", sagte er am Donnerstag selbstbewusst. Ihm gehe es nun darum, die Lehrer "wieder einzufangen und sie zu motivieren".

Der Forderung nach einem längeren gemeinsamen Lernen der Schüler über die Klasse 4 hinaus erteilte Haubitz - wie zuvor schon als Philologenverbandschef - auch am Donnerstag eine Absage. Dabei handele es sich aus seiner Sicht nur um ein "Schulhausbauprogramm". Sachsens gegliedertes Schulsystem habe sich bewährt, an Details könne man "noch sehr, sehr viel verändern". Damit fiel er bei der Linken-Opposition glatt durch. Seine "bildungspolitische Ansichten sind ausgesprochen konservativ", monierte ihre Bildungspolitikerin Cornelia Falken.

Wie die Linken hegt auch Koalitionspartner SPD große Sympathien für das längere gemeinsame Lernen. Die Vorbehalte von Haubitz dagegen könnten dazu beigetragen haben, dass die Bildungspolitikerin der SPD-Fraktion, Sabine Friedel, eher zurückhaltend auf den Neuling im Ministeramt reagierte: "Die Verantwortung für diese Personalentscheidung trägt die CDU. Mehr ist dazu nicht zu sagen."

In der Vergangenheit fiel Haubitz etwa als Experte in diversen Landtagsanhörungen auch schon mal mit klaren Positionierungen gegen die bessere Ausstattung freier Schulen auf: Sie hätten bei einer gleichen Finanzierung einen Wettbewerbsvorteil, da sie mehr Freiheiten als öffentliche Schulen haben.

Am Donnerstag ließ seine Position zu den Seiteneinsteigern aufhorchen - also jenen Lehrern ohne pädagogische Ausbildung, auf die Sachsen so stark angewiesen ist wie kein anderes Bundesland. Er habe zwar selbst sehr gute Erfahrungen gemacht, sagte Haubitz. Aber: "Die Befähigung der Seiteneinsteiger nimmt langsam ab. Die ersten waren wirklich toll. Der zweite Jahrgang war dann schon ein bisschen durchwachsen." Nun komme der dritte Jahrgang an die Schulen. "Wir werden sehen." Aus seiner Sicht war die Annahme "Lehrer kann jeder" ein Fehler.

Ob ein Lehrer auch Minister kann - das wird nun eine der entscheidenden Fragen sein. Grünen-Bildungspolitikerin Petra Zais verwies auf eine andere -ob Haubitz "die Beinfreiheit gegenüber dem Finanzminister bekommt, um dringende Entscheidungen umsetzen zu können".

Bevor er am Montag in sein neues Amt eingeführt wird, steht Haubitz noch ein schwerer Abschied von seiner alten Schule bevor. "Wenn Herr Tillich gesagt hätte: ,Herr Haubitz, das wird doch nichts!", dann hätte ich mir manche Träne erspart." (mit kok/dpa)

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2Kommentare
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  • 4
    0
    schneesi
    20.10.2017

    Man kann Frank Haubitz für sein neues Amt nur alles Gute und viel Erfolg wünschen. Die Schulpolitik der letzten Jahre haben eine Situation geschaffen, wie sie nach dem zweiten Weltkrieg schon einmal existierte. Auch damals mussten "Neuleherer" auf Grund des kriegsbedingten Lehrermangels eingestellt werden. Aber diese hatten wenigsten eine entsprechende Vorbereitungszeit, bevor sie in den Schulen eingesetzt wurden. Wenn in Zukunft nicht genügend finanzielle Mittel für die Ausbildung und die Bezahlung unserer Lehrer in Sachsen zur Verfügung gestellt wird, Kann Herr Haubitz an der extrem verfahrenen Situation leider nicht viel ändern.

  • 6
    1
    Hankman
    20.10.2017

    Herrn Haubitz ist für seine schwierige Aufgabe viel Erfolg zu wünschen. Es ist immer gut, wenn ein Praktiker so einen Job bekommt. Aber weil das im Beitrag anklang, noch mal zur Erinnerung: Über Grundsatzfragen, zum Beispiel über eine mögliche Schulreform für längeres gemeinsames Lernen, entscheidet der Landtag, also der Gesetzgeber - und nicht der zuständige Ressortchef. Der Kultusminister als Angehöriger der Exekutive hat das dann umzusetzen, ob es ihm nun gefällt oder nicht. Also: Wer im Schulsystem Reformen durchsetzen will, muss dafür im Landtag die nötigen Mehrheiten gewinnen und sollte sich nicht damit herausreden, dass der Ressortchef nicht mag.



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