Inseln sichern Überleben für den Kiebitz

Bodenbrüter sind in Sachsen stark gefährdet - Pilotprojekt hat untersucht, wie die Tiere geschützt werden können

Radeburg.

Kiebitz, Rebhuhn und Feldlerche sind in Sachsen rar geworden. Die beiden ersten sogenannten Bodenbrüter stehen inzwischen sogar als "stark gefährdet" auf der Roten Liste der Brutvögel. Vom Kiebitz gibt es schätzungsweise noch 400 bis 800 Brutpaare, sagt Jan-Uwe Schmidt, Mitarbeiter des Fördervereins Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz. Beim Rebhuhn wird der Bestand auf lediglich noch 200 bis 400 Paare geschätzt.

"Es steht zu befürchten, dass das Rebhuhn ausstirbt", schätzt Schmidt ein. Und das, obwohl die Tiere eine hohe Reproduktionsrate von bis zu 15 Eiern pro Gelege haben. Aber man finde oft nur noch Einzeltiere. Wenn dann ein harter Winter komme, seien sie weg. Vor 100 Jahren sah das noch anders aus. Heute gebe es weitaus mehr Raubtiere wie Greifvögel oder Füchse, die dem Rebhuhn zu schaffen machen, sagt Schmidt. Hauptgrund für den Schwund sei jedoch die Industrialisierung der Landwirtschaft. Es seien große Feldflächen entstanden, die sich gut mit Technik bewirtschaften lassen. Hecken und Randstreifen seien verloren gegangen. Hinzu kämen die Folgen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln.

Auch der Kiebitz kommt mit den Veränderungen in der Landwirtschaft nicht klar. Inzwischen werde sehr viel weniger Sommergetreide angebaut als noch vor 30 Jahren, berichtet der Vogelwart. Heute bauen die Bauern viel lieber das ertragreichere Wintergetreide an. Doch gerade solche Flächen kommen für die Vögel als Brutstätte nicht infrage.

"Der Kiebitz achtet auf Flächen, auf denen die Vegetationsentwicklung gehemmt erscheint. Das können Felder sein, die gerade frisch bestellt sind oder feuchte Wiesen", erklärt Schmidt. Hauptsache, es wächst noch nicht viel in der Brutzeit, die Ende März beginnt. Dazu gehörten auch Felder, die für Mais vorgesehen sind. Auch dort ist in der Zeit noch nichts zu sehen. "Der Kiebitz tappt dann in die ökologische Falle", schildert der Experte. Denn wenn der Landwirt Mitte April mit der Bodenbearbeitung beginne, habe die Brutzeit schon begonnen. Und die Falle ist in den letzten Jahren größer geworden - die Anbauflächen für Silomais sind wegen der Nachfrage nach Biogas und Biokraftstoffen deutlich gestiegen.

Noch aber ist nicht alles verloren: Im Kleinen versuchen Vogelschützer gemeinsam mit Landwirten und mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat Flächen zu schaffen, auf denen die Tiere ihre Nester bauen können. Vor drei Jahren hatte die Landesregierung nach einem entsprechenden Landtagsbeschluss das Bodenbrüterprojekt gestartet. In mehreren Erprobungsgebieten wurden Kiebitzinseln, Rebhuhnstreifen oder Feldlerchenfenster angelegt. Für den damit verbundenen Ertragsausfall erhielten die Bauern eine Vergütung. Sachsens Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU) zog dieser Tage eine positive Bilanz. Es sei gelungen, in den Projektgebieten den Bestand der Tiere stabil zu halten, erklärt er. Das bestätigt auch Vogelschutzwarte-Mitarbeiter Schmidt. Das geschehe jedoch auf niedrigem Niveau.

Laut Ministerium haben sich 56 Landwirtschaftsbetriebe mit insgesamt 1296 Hektar Fläche beteiligt. Das Pilotprojekt läuft Ende des Jahres aus. Man wolle jedoch 2014 mithilfe von EU-Fördergeldern ein ähnliches Programm wieder anbieten, kündigt Kupfer an. Mit dem Pilotvorhaben wollte das Land überprüfen, mit welchen Maßnahmen ein Schutz gewährleistet werden kann. So muss eine Kiebitzinsel mindestens einen halben, besser aber ein bis zwei Hektar groß sein. Die Feldlerche benötigt je Hektar zwei 20 Quadratmeter große Fenster.

Dass es funktioniert, zeigen Bauern wie Christian Damme in Bärwalde (Landkreis Meißen), der seit fünf Jahren auf acht seiner 130 He-tar Fläche Kiebitzinseln anlegt. Zwischen fünf und zehn Brutpaare sind dort zu finden. Es gebe aber auch Regionen, in denen der Kiebitz kaum noch gesichtet wird, etwa von der Lommatzscher Pflege bis nach Pirna. Auch Südwestsachsen gehört dazu. Im ganzen Direktionsbezirk Chemnitz finde man vielleicht noch 25 Brutpaare, schätzt Schmidt.

Er ist überzeugt, dass sich die Landwirtschaft künftig mehr mit diesen Problemen beschäftigen wird. "Wir sind an einen Punkt gekommen, an dem eine ökologische Agrarwende notwendig wird", sagt der Experte. Bislang hätten nur wirtschaftliche Belange im Vordergrund gestanden. "Nachhaltigkeit bedeutet allerdings auch eine ausgewogene Berücksichtigung von ökologischen Dingen. Es muss deshalb aber nicht jeder Landwirt ein Öko-Bauer werden", findet der Vogelwart.

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1Kommentare
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  • 3
    0
    finnas
    06.05.2013

    Wenn es um ein paar Rebhühner geht, da lachen die Lokalpolitiker nur, die irgendwo wieder einmal ein Gewerbegebiet erweitern wollen, auf dem man dann die Zahl der neuen Arbeitsplätze an der Hand abzählen kann, wenn überhaupt. Man konnte das sehr schön zwischen Schneeberg und Zschorlau sehen. Die letzten Rebhühner dürften dort verschwunden sein und es hat wirklich Bemühungen von Naturschützern gegeben. Der Naturschutz bleibt immer auf der Strecke. Es gibt doch schöne Naturfilme und für die Pfanne kann man die Tiere im Kaufland erwerben.



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