Jede freie Minute fürs Filmen geopfert

Gymnasiasten aus Sachsen drehen Kino-Fantasy-Streifen

Schlettau/Torgau/Leipzig. Etappenziel war der 31. Oktober. Das Unmögliche sollte an dem Tag geschafft und alle Filmminuten gedreht sein. Ort der letzten Aktionen vor der Kamera wäre ein Wald bei Torgau gewesen. Spätherbstmelancholie mit Blätterregen und mystischem Frühnebel: ein idealer Ort fürs Drehfinale beim wahrscheinlich deutschlandweit größten Filmprojekt, das von Schülern je angepackt wurde.

Aus dem Dreh ist aber nichts geworden. "Das Geld war wieder mal alle", sagt Regisseurin Jennifer Döring, "aber das kann uns nicht mehr stoppen." Die 20-Jährige ist zusammen mit Johannes Plate - beide stammen aus Torgau - für die Regie zuständig. "Mangel macht erfinderisch", sagt die junge Frau, die von allen Jenni genannt wird. Und der Rest des Film-Kernteams, zu dem auch Bruno Hoffmann aus Leipzig und Anne Pampel aus Torgau gehören, stimmt zu. Benjamin Orgis ist der Fünfte im Bund. Er stammt aus Schlettau im Erzgebirge, ist Projektleiter, Cheforganisator, Sponsorensucher - und mit Johannes, den er im Ferienlager kennenlernte, Gründer des Filmvorhabens.

Als 16- und 17-Jährige haben die fünf mit ihrem Großprojekt angefangen. "Und wir wollen mit 22 Jahren fertig sein", sagt der 20-jährige Orgis. "Wir haben immer nur von heute auf morgen gedacht und Ideen entwickelt, wie wir an Technik, an die Finanzen und unsere Darsteller kommen", sagt er. "Unsere Geschichte ist einfach so genial", springt ihm Johannes Plate bei, "da muss ein Spielfilm draus werden."


Der Kampf Gut gegen Böse

Die Story über den Kampf Gut gegen Böse, um das sagenhaft-fiese Fabelwesen eines Basilisken mit seinem gefürchteten Blick, einen jungen Mann, ein Kind und viele Abenteuer füllt 65 Drehbuchseiten. Ein zweistündiger Kinofilm soll entstehen, gedreht und animiert von Laien, deren Zeit als Filmemacher selbst schon genügend Stoff für einen Film bietet. Schließlich handelt es sich um die unglaubliche Story über Jugendliche, die für ihren Traum vom Filmen seit Jahren jede freie Minute opfern, die hartnäckig ein Ziel verfolgen und sich durch nichts den Mut rauben lassen.

"Wir haben als Laien begonnen und uns in allem verkalkuliert", erinnert sich Jenni. Der Zeitaufwand für die ersten Drehs war zu groß, die Helfer knapp und die Kosten unübersichtlich. Orgis: "Wir haben versucht, von öffentlichen Stellen oder Stiftungen gefördert zu werden, erfolglos." Grund sei wohl gewesen, dass ein Filmvorhaben dieser Dimension noch nie von Schülern angepackt wurde. "Die konnten mit uns nichts anfangen."

Ab einem gewissen Punkt wollte und konnte die eingeschworene Truppe nicht mehr kapitulieren. "Wir haben aus Überzeugung weitergemacht", sagt Benjamin Orgis. Sparbücher wurden leergeräumt, Verwandte vom Sinn des Projektes überzeugt, gejobbt und mehr als 1000 Briefe an potenzielle Sponsoren geschrieben. Anfangs mit wenig Erfolg. Im Erzgebirge sei dann der Durchbruch gelungen, so Orgis. Das war vor knapp zwei Jahren. Die Stadtwerke Annaberg-Buchholz halfen mit 3500 Euro, ließen zudem Flyer drucken. Die Sparkasse Erzgebirge wurde zum großen Unterstützer. Sachleistungen wurden lockergemacht, dazu 6500 Euro. Auch die Stadtwerke Torgau wurden aktiv.


Briefe an Sponsoren

Als im April 2011 dennoch die Not groß und die nächsten Drehtage in Gefahr waren, wurden erneut Briefe an mögliche Sponsoren geschickt. Orgis: "Und wir hatten wieder im Erzgebirge Glück." Petra Hunger aus Sehmatal, die vor Jahren bei der SKL fünf Millionen Euro gewonnen hatte, bekam einen der Briefe in die Hand. "Ich durfte vorbeikommen, ihr unser Projekt erklären", berichtet Orgis. Irgendwie schien es zwischen der Frau, die mit dem gewonnenen Geld schon Vereine unterstützt sowie ihren Traum vom eigenen Mode-Label verwirklicht hatte, und den Jugendlichen gefunkt zu haben. Orgis: "Wir haben ein fünfstelliges Darlehen erhalten, das wir erst zurückzahlen müssen, wenn der Film Geld einspielt. Für uns war das der Hauptgewinn." Alles in allem wurden so peu á peu rund 55.000 Euro Spenden zusammengetragen und weitere 10.000 Euro aus dem eigenen Sparstrumpf investiert. Mehr als 100 Statisten und knapp 40 Berufsschauspieler, Helfer und Techniker haben mitgemacht. "Wir sind mit dem Projekt gewachsen", sagen die Initiatoren, "uns kann nichts mehr umhauen." Auch die letzten Szenen werden sie noch in den Kasten kriegen.

Johannes, Bruno, Jenni und Benjamin werden jetzt beginnen, die sogenannte Postproduktion anzukurbeln. Mehr als 120 Stunden Filmmaterial müssen gesichtet und Szene für Szene zusammengepuzzelt werden. Töne sind einzumixen, Animationen zu erdenken und einzufügen. Das Quartett sucht Räume, braucht Technik und grübelt unter anderem über die filmische Umsetzung von Traumsequenzen. Mit dem Einstieg in die Filmbranche liebäugeln alle. Ob via Studium ist noch unklar. Bislang jedenfalls wurde alles im Selbst-Lern-Modus durchexerziert.

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1Kommentare
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  • 0
    0
    film
    19.11.2011

    Mehr Infos und wie man das Projekt unterstützen kann:

    http://www.sedicio.org



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