Keine Zeit für alle Kinderhände

Sachsens Politiker rühmen sich der exzellenten Kinderbetreuung im Freistaat. Doch wer sich umschaut und mit Kita-Leiterinnen und Erzieherinnen spricht, erkennt in dem schönen Bild gewaltige Risse.

Chemnitz.

Morgens gegen 8.30 Uhr auf dem "Sonnenhügel" im erzgebirgischen Ehrenfriedersdorf: Beim gemeinsamen Frühstück der "Schmetterlinge" flippt Paul* plötzlich aus. Er schüttelt wild den Kopf, weint, zerstört Bauklotzhäuser, wirft mit Dingen um sich. Wieder fließen Tränen. Trotz Schallschutzdecke schwillt der Lärm ohrenbetäubend an. Denn auch Linus* will jetzt unbedingt beachtet werden. Lautstark buhlt er um Aufmerksamkeit. Bekommt er die nicht, provoziert er die anderen.

"Solche Situationen haben wir ständig", sagt die amtierende Kita-Leiterin Rita Loose. "Und nicht genug Personal, um allen Kindern gerecht zu werden und vielleicht noch viel mehr aus ihnen herauszukitzeln. Aber ich muss mich tagtäglich fragen: Konzentriere ich mich jetzt nur auf dieses eine Kind und lasse die anderen 17 für sich?"

Insgesamt 280 Kinder besuchen diese kommunale Kita, die Krippe und den Hort. Zwei Erzieherinnen sollen sich normalerweise um die 18 "Schmetterlinge" kümmern. Doch eine Pädagogin ist heute krank, die zweite im Urlaub. Eine andere Erzieherin ist deshalb eingesprungen. Ihr helfen kann Rita Loose aber nur begrenzt. Mal ist nebenbei eine Praktikantin einzuweisen, mal Papierkram abzustimmen. Zwischendurch klingelt das Telefon. Tagespläne müssen abgesprochen, Statistiken erfasst und der Entwicklungsstand der Kinder dokumentiert werden. Eltern wollen beim Abholen wissen, ob alles gut war. Die Tische müssen nach dem Essen gereinigt, die Betten abgezogen, die Laken gewaschen, die Bäder in Ordnung gebracht und die Hasen selbst am arbeitsfreien Wochenende gefüttert werden. Im Hinterkopf schwirrt Rita Loose zudem schon die nächste Dienstberatung mit dem Bürgermeister herum. All das frisst Zeit, die die Erzieherinnen nicht direkt mit den Kindern verbringen können.

Laut Landes-Kita-Gesetz hat sich eine Erzieherin um 13 Kindergartenkinder zu kümmern; in der Krippe liegt der Betreuungsschlüssel bei eins zu sechs. Zum Vergleich: In Bremen beträgt er bei den unter Dreijährigen eins zu 3,1 und bei den Kita-Kindern eins zu sieben. Im nationalen Ranking belegt Sachsen nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem März 2012 bei den Krippenkindern den drittletzten Platz. Bei den Drei- bis Sechsjährigen ist es sogar der vorletzte Rang. In der Praxis ist die Quote im Freistaat aber noch schlechter. Etwa 18 Kinder spielen, toben und lärmen in einer Kindergartengruppe. Krippenerzieherinnen müssen auch mal mit neun unter Dreijährigen gleichzeitig spielen, sie füttern, trösten, fördern und für saubere Windeln sorgen. Das sagen Kita-Leiterinnen aber nur hinter vorgehaltener Hand, weil sie um den Ruf ihrer Einrichtung fürchten. Dass der Personalschlüssel nicht passt, ist indes landauf, landab zu hören.

Das sächsische Kita-Gesetz koppelt die Personalstärke nämlich an "ganze" Kinder. Das sind solche, die täglich neun Stunden in der Einrichtung sind. In der Praxis bedeutet das: Die Anzahl der Arbeitsstunden, die

einer Kita bezahlt werden, sinkt mit jedem Kind, das nur fünf, sechs oder acht Stunden da ist. Dabei ist völlig egal, dass sowohl Kinder mit Neun-Stunden-Vertrag als auch Knirpse, die nur fünf oder acht Stunden betreut werden, in aller Regel vormittags gleichzeitig für Trubel in den Gruppen sorgen. Zudem werden für neun Stunden Kita-Betreuung nur acht Erzieherstunden bezuschusst.

"Allein da fehlt uns schon eine Stunde", klagt Jana Härtel, Leiterin der Kita "Neuer Bahnhof" in Ehrenfriedersdorf. "Doch darüber hinaus berücksichtigt dieser Personalschlüssel weder Fehl-, Urlaubs- noch Weiterbildungszeiten. Dabei ist doch klar, dass bei uns häufiger jemand krank wird, weil wir uns ständig bei irgendeinem Kind anstecken." Selbst der Aufwand, den sie für die Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche oder den Austausch untereinander betreiben, spiele bei der Personalzuweisung keine Rolle, ergänzt ihre Kollegin Gabi Schneider vom Kinderland Muldental in Wolkenburg im Landkreis Zwickau. Erzieher Benjamin Beer ärgert das. "Jeder andere Betrieb kalkuliert diese Arbeitsstunden mit ein", sagt er. "Wenn nicht genug Mitarbeiter da sind, wird eben eine Maschine abgestellt. Bei uns geht das aber nicht."

"Neuer Bahnhof"-Erzieherin Birgit Reichel sieht daher die Gefahr auszubrennen. Ihre Chefin Jana Härtel kennt dieses Gefühl. Inzwischen hat sie aber ihren "Traumkindergarten" gefunden. Der Vorstand des Vereins, der die Kita trägt, sorgt für viele Praktikanten und Helfer. Trotzdem fällt es auch Härtels Team mitunter schwer, sich komplett den Bedürfnissen der Kinder anzupassen. Im Neuen Bahnhof müssen zum Beispiel nicht alle Kinder Mittagsschlaf halten - im Gegensatz zu den meisten anderen Einrichtungen. "Ich hätte gar nicht das Personal, das diejenigen, die nicht schlafen wollen, betreuen könnte", sagt Rita Loose. "Unsere Erzieherinnen müssen ja auch Pausen machen. Außerdem hätte ich wahrscheinlich 280 Kinder, die aufbleiben wollen."

Seit dem Jahr 2006 sollen alle Kitas im Freistaat nach dem sächsischen Bildungsplan arbeiten. Nichts täten Birgit Reichel, Jana Härtel, Rita Loose, Gabi Schneider und Benjamin Beer lieber. Auch ein Team der Bremer Universität, das diesen Plan evaluiert hat, lobt dessen pädagogischen Anspruch. Zugleich mahnt es aber dringend deutlich mehr Personal an. Selbst die EU empfiehlt, dass sich eine Erzieherin um nicht mehr als höchstens fünf unter Dreijährige kümmern soll. Für den Kindergarten rät sie zu einem Schlüssel von maximal eins zu acht.

Das sächsische Kultusministerium schwärmt indes weiter von den kreativen frühkindlichen Bildungsangeboten und der Vielfalt individueller Lernwege der Kinder, wie es im Bildungsbericht 2013 heißt. Die Bertelsmann-Stiftung konstatiert hingegen, dass das in Sachsen beschäftigte pädagogische Personal zwar vergleichsweise gut qualifiziert sei. Gleichzeitig sei aber die Hypothese plausibel, dass in den Kitas zu wenig Personal beschäftigt werde, um strukturell angemessene Rahmenbedingungen für eine gute Qualität zu ermöglichen.

Vor fünf Jahren hatte die FDP in ihrem Wahlprogramm noch versprochen, sie wolle "die Umsetzung des Bildungsplanes durch bessere Personalressourcen in den Kitas unterstützen". Der jugendpolitische Sprecher der CDU, Patrick Schreiber, ließ damals verlauten, die Verbesserung des Schlüssels sei "eine meiner zentralen Forderungen", für die er "auf jeden Fall" kämpfen werde. Schließlich kündigte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) im Jahr 2009 an, die Betreuungsquote in den Kindergärten zumindest auf eins zu zwölf senken zu wollen. Doch weil die Finanzierung nicht geklärt war, kam es zum Streit mit den Kommunen. Als Kompromiss gab es das kostenfreie Vorschuljahr. 2009 wurde es eingeführt, aber nach nur zwei Jahren wieder gestrichen - aus Kostengründen.

Seither sind alle Anträge der Opposition und sämtliche Vorstöße von Wohlfahrtsverbänden, den Betreuungsschlüssel zu verbessern, gescheitert. Es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag, der in die Verbesserung der Betreuungsqualität investiert werden müsste. "Als DDR-Bürger sind wir zur Perfektion erzogen worden", sagt Rita Loose. "Das haben wir uns aber abgewöhnen müssen, weil der Anspruch, den wir selbst an unsere Arbeit stellen, ja auch realisierbar sein muss."

 

*Namen von der Redaktion geändert.


72.000 Sachsen kämpfen für bessere Kitas

Rund 72.000 Männer und Frauen fordern mit ihrer Unterschrift, dass Erzieherinnen in den Krippen, Kitas und Horten mehr Zeit für jedes einzelne Kind bekommen. In der Petition werden nicht nur mehr Stellen gefordert. Auch Urlaubs-, Krankheits- und Weiterbildungstage sowie fünf Stunden für die Vor- und Nachbereitung pro Woche und Fachkraft sollten künftig bei der Personalausstattung mit berücksichtigt werden, heißt es.

Derzeit hat sich nach dem sächsischen Kita-Gesetz eine Erzieherin um 13 Kindergartenkinder zu kümmern; in der Krippe liegt die Quote bei eins zu sechs. Deutschlandweit belegt der Freistaat damit nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hinterste Plätze. In der Praxis ist die Relation im Freistaat noch schlechter. Tatsächlich müsse eine Erzieherin 18 Kindergartenkinder betreuen, sagen Kita-Leiterinnen aus der Region. "Unabhängige Experten haben das bestätigt", erklärt auch die SPD-Landtagsabgeordnete Eva-Maria Stange. Alle Initiativen, den Personalschlüssel zu verbessern, seien aber am Widerstand der Regierungskoalition gescheitert.

CDU will Quote nicht ändern

FDP und CDU hatten zwar eigentlich schon 2009 die Erzieher-Kind-Relation senken wollen. "Das war wegen der schwierigen Haushaltslage aber in den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzbar", sagt die FDP-Landtagsabgeordnete Kristin Schütz. Immerhin sei es aber gelungen, Förderprogramme für flexiblere Öffnungszeiten und für zusätzliche Assistenzkräfte, die die Erzieherinnen entlasten, auf den Weg zu bringen. In zwei Jahren werde überprüft, ob das eine Möglichkeit sei, die Betreuungsqualität zu erhöhen. "Über kurz oder lang werden wir aber nicht an einer Verbesserung des Personalschlüssels vorbeikommen."

Das sieht die CDU anders. Es sei zwar richtig, dass in den vergangenen Jahren zu wenig in die Betreuungsqualität investiert worden sei, sagt der Landtagsabgeordnete Lothar Bienst. "Eine Personalschlüsseländerung wird es aber wahrscheinlich trotzdem nicht geben." Eine Absenkung der Quote auf eins zu zwölf in der Kita und eins zu fünf in der Krippe falle zum einen qualitativ kaum ins Gewicht. Zum anderen seien die Kommunen nicht bereit, sich an den rund 50 Millionen Euro Zusatzkosten zu beteiligen. "Wenn wir aber eine nachhaltige Verbesserung allein finanzieren müssten, reden wir über 300 bis 350 Millionen Euro. Damit wäre unser Haushalt überfordert." Deshalb denke die CDU über andere Ansätze nach.

Landeszuschuss muss steigen

Die Grünen unterstützen indes die Petition. "Eine Absenkung auf eins zu zwölf in der Kita und auf eins zu fünf in der Krippe halten wir für finanzierbar", sagt Annekathrin Giegengack. Die Linke verspricht im Wahlprogramm eine Anhebung des Landeszuschusses für die Betriebskosten von derzeit 1875 auf 2400 Euro pro Kind und Jahr und eine Absenkung des Kita-Schlüssels auf eins zu zehn.

Auch die SPD will diese Pauschale erhöhen und zugleich die Betreuungsquote herabsetzen. Sie schlage vor, damit in den Krippen zu beginnen und dort auf eins zu vier umzustellen, sagt Eva-Maria Stange.

Seit 2005 ist der Landeszuschuss pro Jahr und Kind nicht mehr erhöht worden. Wegen der gestiegenen Lohn- und Betriebskosten hat sich dadurch der Finanzierungsanteil der Kommunen und Eltern stetig erhöht. Für die Kommunen stehe daher im Vordergrund, dass der Freistaat die Pauschale so anhebe, dass der Landesanteil wieder das Niveau von 2005 erreiche, sagt Ralf Leimkühler vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag.


Sächsische Erzieherinnen und Eltern fordern in einer Petition einen besseren Betreuungsschlüssel

Zur Verbesserung der Betreuung in den Krippen, Kitas und Horten haben Eltern und Erzieher eine weitere Petition eingebracht. 72.646 Unterschriften übergab der Wurzener Initiator und Kita-Elternbeirat Thomas Schumann an die Landtagsabgeordneten Hannelore Dietzschold (CDU) und Miro Jennerjahn (Grüne). Eltern aus neun Kindertagesstätten in Wurzen hatten den Stein ins Rollen gebracht. Unterstützer aus ganz Sachsen trieben die Unterschriftensammlung dann voran, damit die Petition mit dem Titel "Weil Kinder Zeit brauchen" noch vor Beginn der Verhandlungen für den nächsten Doppelhaushalt im Landtag debattiert werden kann.

Die Eltern und Pädagogen fordern deutlich mehr Erzieher für Sachsens Kitas. "Die benötigte Vor- und Nachbereitungszeit von fünf Stunden pro Woche und Fachkraft muss schrittweise anerkannt und vom Freistaat Sachsen finanziert werden", heißt es in dem Papier. Der Personalschlüssel für Kinder im Alter bis drei Jahren soll demnach von derzeit eins zu sechs auf eins zu vier, für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren von momentan eins zu 13 auf eins zu zehn für eine achtstündige Betreuungszeit und für Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren auf eins zu 16 für eine sechsstündige Betreuungszeit verändert werden. Ebenfalls verbessert werden sollen die Betreuungsbedingungen für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf und für die stetig steigende Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund. Außerdem verlangen die Petenten einen Personalschlüssel, der Urlaubs- und Weiterbildungszeiten berücksichtigt.

18.000 Sachsen hatten 2010 schon einmal mit einer Petition einen besseren Betreuungsschlüssel gefordert.

Etwa 37 Millionen Euro zusätzlich würde nach Angaben des Kultusministeriums eine Schlüsselverbesserung im Kindergarten von 1 : 13 auf 1 : 12 kosten.

In etwa verdoppelt hat sich die Anzahl der Kinder, die in sächsischen Kindertagesstätten betreut werden. Waren es 2002 noch 177.737 Kinder gewesen, besuchten laut Ministerium 2013 bereits 271.384 Kinder eine Einrichtung.

Erheblich mehr Geld hat der Freistaat aufgrund der steigenden Betreuungszahlen in den vergangenen Jahren in die quantitative Erweiterung des Angebotes investieren müssen. Die Landeszuschüsse zu den Betriebskosten der Kindertagesbetreuung sind laut Kultusministerium von etwa 223 Millionen Euro im Jahr 2002 auf rund 410 Millionen Euro im Jahr 2013 gestiegen. "Im Jahr 2014 werden es bereits etwa 422 Millionen Euro sein."

Um soziale Brennpunkt-Kitas personell zu unterstützen, hat der Landtag für die Haushaltsjahre 2013 und 2014 jeweils fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dadurch können etwa 100 Kitas zusätzliches Personal einstellen. (juerg)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
8Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    13.05.2014

    Was wurde denn aus unserer Petition und 150.000 Unterschriften 2010. Gab es je eine Antwort, v. a. von den jugendpolit. Sprechern der FDP und CDU.

    Wie viele Steuergelder werden denn im Kultusministerium für Schulen und wie viele für Kitas ausgegeben? Was ist mit den eingesparten Millionen vom gestrichenen kostenfreien Vorschuljahr passiert. 2009 zum Wahlkampfstimmenfang initiiert zur Beruhigung der Eltern.

    Schön, dass sich der Betriebskostenzuschuss des Kultus verdoppelt hat - bei mehr als verdoppelter Kinderanzahl in Kitas. Wer hat denn gepredigt, dass staatlich verordnet mehr Kinder geboren werden sollen? Und wieviel Steuern kann der Staat pro neuem Bürger gleich kassieren?

    Aber schlimm, dass MP Tillich und die CDU den Schlüssel nicht senken will und nur bereit sei, den seit 2005 nicht gestiegenen Betriebskostenanteil des Landes zu erhöhen. Frechheit- immerhin haben wir Eltern und die Kommunen bisher die Teuerungsrate allein getragen.

    Jeder Politiker sollte eine Woche allein eine Gruppe mit 18 Kindern mit täglich wechselndem anspruchsvollem Bildungsangebot führen. Helene, Emma, Paul, Mia, Julius und Tim sind nur 6 und 7, 5 Stunden da (zählen nicht im Schlüssel), werden aber 8.30 Uhr gebracht und erst ab 16 Uhr geholt. Natürlich wäre eine seiner Kollegin krank im Urlaub oder zur Witerbildung..... denn das ist die Realität an über 200 Tagen im Jahr. Vielleicht zeigt man uns Erziehern dann den gebührenden Respekt.

  • 2
    1
    gelöschter Nutzer
    06.05.2014

    @Berater: Das ist mir alles viel zu einfach, was sie da schreiben. Die Krippe ist nicht die Ursache aller Probleme. Ich war auch in der Krippe, sogar in einer DDR-Krippe, genau wie viele meiner Freunde. Keiner von denen hat Depressionen oder andere psychische Störungen und auch sein Kind nicht verstoßen. Wenn so etwas passiert muss noch deutlich mehr schief gelaufen sein, als die Betreuung in einer Kinderkrippe. Sonst müsste der Osten voll von komplett gestörten Menschen sein - das ist nicht der Fall.

    Depressionen und Mutter-Kind-Probleme gibt es im Westen genauso häufig. Ihrer Behauptung nach dürften sie aber dort kaum auftreten, da Krippenbetreuung dort eher Seltenheitswert hatte (und oftmals auch noch hat). Die Zahl der Psychiater sagt etwas anderes.
    Eltern, die ihre Kinder in eine Krippe geben und sich in den vielen Stunden, in denen das Kind dann auch bei ihnen ist, kümmern, werden weder "gestörten" Nachwuchs aufziehen noch Depressionen verursachen. Bei besonders sensiblen Kindern kann die Krippe natürlich problematisch sein, aber da müsste sich die Krippe mit den Eltern an einen Tisch setzen und Lösungen finden. Die Pauschalisierung: Krippe führt zu gestörten Erwachsenen, halte ich für nicht belegt. Sie klingt eher wie das Totschlagargument gegen die "Rabenmütter", wie das im Westen lange hieß. Da gibt es andere Fehlentwicklungen in der Gesellschaft - oder glauben sie, ein Kleinkind entwickelt sich gesund, wenn Mama neben dem Kinderwagen sitzt, raucht und mit dem Smartphone spielt.
    Es kann auch nicht sein, dass sich eine junge Familie verschulden muss, um die seelische Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden. Autobesitz (heute weit weg von Luxus sonder oftmals sehr notwendig) vs. Kinderliebe auszuspielen ist ganz üble Polemik.

    Problematisch wird es allerdings tatsächlich, wenn Kinder in eine Krippe abgegeben werden (müssen), die hoffnungslos unterbesetzt ist und in der das Kind den halben Tag sich selbst überlassen ist und verwahrlost. Das führt dann mit Sicherheit zu seelischen und sozialen Problemen. Da nützen auch hochgestochene pädagogische Programme nichts. Papier ist geduldig, scheint aber den Politikern in Dresden als Beruhigungsmittel ausreichend zu sein.

  • 2
    2
    06.05.2014

    Der Krippenausbau war eine der größten gesellschaftlichen Fehlplanungen! Es wurden keine psychologischen Studien herangezogen, die weltweit zeigen, dass für die gesunde Entwicklung kleiner Kinder eine eng vertraute Person notwendig ist. Der kleine Mensch lernt am besten von einem anderen Menschen, mit dem er vertraut ist, und v.a. von dem, den er liebt! Am meisten also von Mutter, Vater und den eigenen größeren Geschwistern, evtl. auch noch von Oma du Opa oder anderen Verwandten, mit denen er guten Kontakt hat! Kleinstkinder haben Angst in fremder Umgebung, erleben großen Stress, besonders im sich entwickelnden Gehirn, wenn sie ohne ihre Bindungsperson sind.
    Wer seine Kinder in DDR-Krippen geben musste, muss heute mit ansehen, wie sich Depressionen und Ängste bei den heutigen Erwachsenen in erster und zweiter Generation entwickeln. Wie junge Mütter reihenweise ihr Neugeborenes nicht annehmen und lieben können, was man Wochenbettdepression nennt und von der auch 10 % der jungen Väter befallen sind.
    Nun haben die Baubetriebe landesweit mit dem Bau neuer Krippen ihren Gewinn gemacht, die Wirtschaft boomt, und nun schicken junge Eltern ihre Kinder in HEIME. Denn 9 Kinder in der Krippe pro Erzieherin ist nichts anderes!
    Eltern, wacht auf, das Geld ist niemals da für mehr Betreuer, es ist auch nicht ratsam, vielleicht habt Ihr jetzt eine Chance aufzuwachen, Euer kleines Baby oder Kleinstkind so schnell wie möglich dort aus den Massenunterkünften herauszunehmen und zu einer Tagesmutter (ca. 4 Kinder sind dort nur, wie in einer Familie!) zu bringen, Oder noch besser: einfach ein paar Jahre zu Hause bleiben. Allen materiellen Wohlstand einzuschränken, alles Materielle anzuschaffen und damit den größten Gewinn zu machen: kein psychisch angeschlagenes Kind ins Leben zu schicken!
    Nur Mut zur Einfachheit und zur Liebe und Verbundenheit! Nehmt keinen Kredit für ein Auto, sondern einen für Euren Lebensunterhalt die nächsten 1-2 Jahre!

  • 4
    0
    Fnord23
    05.05.2014

    Na endlich mal ein inhaltlich korrekter und umfassender Artikel! Und das in der FP - Chapeau! Die Elternvertretungen von C, L, DD - und nicht nur die - haben seit Jahren (mind. seit 2008) in dieser Angelegenheit einiges versucht und nichts erreicht. ( http://www.fre-ch.org/web/index.php/unsere-projekte/9-betreuungsschluessel ) Geht es eigentlich um die Verbesserung des BS? Oder sind wir nicht schon in der Situation, dass die gesetzl. Mindestanforderungen nicht mehr eingehalten werden können? Die genannten Elternvertretungen behaupten seit 2012 Letzteres. Laut einer Anfrage einiger Stadträte aus dem Jahr 2013 an die Stadtverwaltung Chemnitz ( http://session-bi.stadt-chemnitz.de/ag0050.php?__kagnr=2094&search=1 ) sieht es so aus, dass bei vielen Trägern die gesetzl. Mindestanforderungen nur dann eingehalten werden können, wenn die Teams vollzählig sind. Nach Schätzungen ist dies ungefähr an 20! Tagen im Jahr der Fall. Und? Wen interessiert es? Die Eltern wissen meist von nichts. Und wenn, hat das Konsequenzen? Die Erzieherinnen haben Sprechverbot - bis auf Ausnahmen. Da es am Geld liegt, hier ein paar Infos: Die Herren und Damen der Landesbank – Sachsen LB – die ja bekanntlich als eine der ersten Landesbanken 2008 ins Gras beißen musste, haben uns Sachsen bis dato mehr als 1 Mrd. Euro gekostet. Die Sachsen LB wurde zwar an die BaWü Landesbank übergeben (Not“verkauf“), aber wir stehen für Bürgschaften in Höhe von 2,75 Mrd. gerade. Man kann davon ausgehen, dass der Rest auch noch kommt. Dafür werden wohl Rücklagen gebildet. Das darf man aber in DD nicht so laut sagen. Da gibt’s den bösen Blick für. Dann mal schön Arbeiten, lieber Sachse, Steuern zahlen und ab mit der Kohle… an wen eigentlich? Weiterhin haben wir eine „Schuldenbremse“ in der Verfassung – Thema Neuverschuldung. Also bleibt nur die vorhandenen Mittel umschichten. Eine Partei, die sich auf die Fahne schreibt den BS zu verbessern, die muss Deckungsquellen nennen. Also etwas anderes sein lassen, um mehr Erzieher in die Kitas zu bekommen. Hören wir da was? Man Leute - ihr lasst Euch verar......
    Es besteht durchaus die Möglichkeit, das Problem auf der jeweiligen kommunalen Ebene oder beim Träger zu lösen. Man kann sich natürlich auch von seinen Kommunalpolitikern an deren Parteifreunde in die Fraktionen im SLT nach DD verweisen lassen..... usw. dieses simple Spiel läuft seit Jahren. Wer es mit spielt....bitteschön. Nur wird sich leider in den Kitas für die Kinder gar nichts ändern. In guter Hoffnung.....

  • 4
    0
    gelöschter Nutzer
    05.05.2014

    Kinderbtreuung nach Kassenlage am Bedarf vorbei. So beginnt die soziale Zweiteilung Deutschlands schon im Kindesalter. Das wird den heranwachsenden prägen. Er wird, so er kann, in 20 Jahren den vergreisten Osten hinter sich lassen damit dies seinen Kindern einmal erspart bleibt. Sachsens Politiker reden sich ihre Leistung von heute schön. Bezahlen werden wir dafür noch, wenn diese Politiker längst von ihrer Abgeordnetenpesinonen, ein zwar unverdientes, aber sehr gutes Auskommen haben werden.

  • 1
    1
    BertaH
    05.05.2014

    kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Aber nicht nur das Bildungssystem wird Ihnen um die Ohren fliegen. Ich kann nur sagen, alle die bissl was auf der Kirsche haben .... macht euch davon. Der große Paukenschlag kommt nach 2020. Rette sich wer kann.

  • 5
    0
    gelöschter Nutzer
    05.05.2014

    In nicht all zu ferner Zukunft wird Sachsen sein ganzes Bildungssystem um die Ohren fliegen. Das was man mit den Erziehern im Kindergarten macht, läuft genauso auch bei den Lehrern. Dazu kommt noch, dass ein Großteil der Lehrer bald in Rente gehen wird - mit Dumpinglöhnen wird man kaum neue bekommen. Gute kann man damit erst recht nicht anlocken.

    Fragt sich, wann das mal in Dresden ankommt. Dort scheint man aber mittlerweile genauso abgeschottet von der Wirklichkeit zu sein, wie Honecker in seinen letzten Amtsjahren.

  • 3
    0
    Pixelghost
    05.05.2014

    Erzieherinnen und Erzieher die in Teilzeit beschäftigt sind damit der Staat oder der Freie Träger Geld spart, aber ein Bildungsplan der 212 Seiten lang ist.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...