Knapp bei Kasse: Pfandhäuser helfen immer öfter mit Kredit aus

Kunden kommen aus allen Schichten der Bevölkerung - Verpfändet wir alles: vom Schmuck bis zum Bagger

Chemnitz. Das Pfandgeschäft boomt. "Tendenz steigend", sagt Rico Weber vom Pfandleihhaus Sachsen in Döbeln. "Viele kommen, weil sie ihre wirtschaftliche Lage dazu zwingt. Selten Hartz-IV-Empfänger, die haben ja eh nichts. In steigendem Maße sind es Mittelständler, Selbstständige. Aber auch Wohlhabende, die einen finanziellen Engpass schnell überwinden müssen."

Das Döbelner Haus, das auch von Kunden aus den Regionen um Chemnitz, Leipzig und Dresden genutzt wird, hat sich auf große Dinge spezialisiert. "Wir nehmen als Pfand Kraftfahrzeuge aller Art: Lastwagen, Autos, Motorräder. Die Kredite reichen von 1000 bis 100.000 Euro." Eine Marke der seltenen teuren Sportflitzer, die bei Weber in der Halle stehen, will er nicht nennen. "Kann ja sein, dass dann jemand sagt: ,Gucke an, das ist bestimmt der von meinem Nachbarn - der hat ihn schon eine Weile nicht mehr. Wer weiß, wer weiß?‘ Da blüht die Fantasie." Bei Baumaschinen sieht das anders aus. "Es ist ja bekannt, dass Firmen oft in Finanznot geraten, weil ihre Auftraggebern die Rechnungen nicht bezahlt haben", sagt Weber. Oft gebe die Bank schon keinen Kredit mehr. Dann helfe das Pfandhaus. "Hier bekommt man in ein paar Minuten Bares auf die Hand - jeder ist kreditwürdig, selbst der, der Schulden hat." Nur sieben Prozent der Pfandstücke werden versteigert.

Noch Hemmschwellen

So stehen auch Bagger und andere Baumaschinen in Döbeln sicher verwahrt. Pro Woche hat das Haus zwischen fünf bis sieben Kunden. 2011, als es eröffnet wurde, waren es ein bis zwei. "Anfragen gibt es aber viel mehr - mancher traut sich aber nicht zu uns", so Weber. "Die Hemmschwelle, zur Pfandleihe zu gehen, ist wohl im Osten höher als in den alten Bundesländern." Das mag Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverbandes des deutschen Pfandkreditgewerbes, nicht so stehen lassen. "Auch im Westen gibt es noch Hemmschwellen. Kein Wunder, denn noch immer wird oft ein falsches, anrüchiges Bild von den Pfandleihhäusern gezeichnet", sagt Schedl. "So, als sei es unanständig, Wertsachen zu verpfänden." Viele Menschen, die in die Pfandleihe gingen, hätten Angst, von Bekannten gesehen zu werden. "Klar, wer dorthin geht, der braucht Geld. Geht einer in die Bank, kann er auch Geld holen oder einzahlen." So erscheine die Bank stets als etwas Seriöses, sagt Schedl.

Aber zum Glück verblasse das Schmuddelimage des Pfandverleihs immer mehr. Denn viele hätten begriffen, dass es auch in einem Pfandleihhaus seriös zugehe. "Wir betreiben eine etwas andere, eine risikolose Bank", sagt Schedl. Schließlich würde bei der Pfandleihe nicht nach Einträgen bei der Schufa - der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung - gefragt. Niemanden interessiere, ob der Kunde Arbeit habe. Niemand brauche einen Bürgen. Der Personalausweis reiche. "Bei uns macht keiner Schulden. Der Hilfe Suchende sichert die Sache mit dem Pfandgegenstand - bei der Bank haftet er oft mit seinem gesamten Vermögen", sagt Schedl.

Viele kommen wieder

Steigende Kundenzahlen verzeichnet auch der Chemnitzer Pfandleiher Andreas Schober. "Wir haben uns auf kleine Sachen spezialisiert: Schmuck, Markenuhren, Kleinantiquitäten." In Schobers Computer sind rund 4200 Kunden registriert. 500 bis 700 seien sozusagen ständig im Geschäft, sagt Schober. "Wer einmal kommt, kommt oft wieder." Unter den Kunden seien auch viele Ausländer. "Ihr Anteil beträgt etwa zehn Prozent", so Schober. "Russen kommen vor allem mit Goldschmuck. Und es ist ja kein Geheimnis, dass das Gold in der ehemaligen Sowjetunion mehr wert war, als das, was in der DDR verkauft wurde."

Der deutsche Zentralverband des Pfandkreditgewerbes zählt rund 200 Mitglieder. Darunter Mannheim mit seinem städtischen Pfandleihhaus. Das haben übrigens auch Stuttgart und Augsburg.

 


Ein uraltes Gewerbe

Pfandkredite werden über drei Monate abgeschlossen. Sie können verlängert, mit Einverständnis des Pfandleihers auch zeitiger ausgelöst werden. Bei Fahrzeugen beträgt die Beleihungsrate etwa 80 Prozent des Wertes, bei anderen Dingen 25 bis 50 Prozent.

Bei Wiederabholung des Pfandes zahlt der Kunde pro Monat Kreditlaufzeit ein Prozent Zins plus Gebühren von 2,5 Prozent monatlich.
Wird Pfand nicht eingelöst muss es binnen sieben Monaten nach Ablauf des Einlösedatums öffentlich versteigert werden. Wird weniger Erlös erzielt, als der Pfandleiher gegeben hat, ist das sein Verlust. Mehrerlös muss zwei Jahre vorgehalten werden. Holt der Kunde ihn nicht ab, geht er an den Staat.

Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. soll es in Babylon geheißen haben: Kredit gegen Faustpfand. (rf)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...