Mit künstlicher Intelligenz ins Finale

Abiturient Andreas Lang startet in Essen - Danach will er in Genf oder Lausanne Informatik studieren

Chemnitz. Andreas Lang, 19, Abiturient am Kepler-Gymnasium Chemnitz, steht im Finale von "Jugend forscht". Sein Projekt trägt den Titel "Gesichtsdetektion mittels Schwarmintelligenz". Was sich dahinter verbirgt, fragte Eva Prase.

Freie Presse: Was muss sich der Laie unter dem Projekt vorstellen?

Andreas Lang: Ich habe ein Computerprogramm geschrieben, das man benutzen kann, um Gesichter in Videos zu finden. Dabei habe ich biologische Eigenschaften von Vogel- oder Fischschwärmen genutzt.

Freie Presse: Was haben Tierschwärme mit Gesichtern von Menschen zu tun?

Lang: Es ist möglich Gesichtsfarbe, mathematisch als "Nahrung" zu definieren. Meine "Tierchen" habe ich auf mathematischem Wege mit soviel künstlicher Intelligenz ausgestattet, das sie erkennen, wo Nahrung ist. Beim Verfahren der Partikelschwarmoptimierung werden alle Individuen des Schwarms zufällig über einem Bild, das ein Gesicht enthält, verteilt. Findet ein Partikel eine hautfarbenähnliche Region, meldet es den "Nahrungs"-Fund seinen Nachbarn. Ein Schwarm bildet sich genau dort, wo ein Gesicht ist. Der Ton der Hautfarbe ist so definiert, dass Menschen verschiedener Hautfarbe gefunden werden.

Freie Presse: Wird so etwas zur Überwachung gebraucht? Arbeiten Sie schon für Geheimdienste?

Lang: Oh nein. Das Verfahren entstand mithilfe meines Betreuers Marc Ritter von der TU Chemnitz, Professur Medieninformatik. Dort erarbeiten Forscher eine Technologie zur automatischen Erkennung von Objekten in Videoarchiven lokaler Fernsehsender. Bei kleinen Sendern wachsen die Archive - keiner weiß etwas damit anzufangen, weil es aufwändig ist, bestimmte Sequenzen zu finden. Das Team entwickelt ein komplexes System, mit dem Personen, Objekte, Szenen, Schriften und Sprache gefunden werden. Mein Part war nur, ein Verfahren zu finden, mit dem Gesichter erkannt werden. In naher Zukunft kann das Gesamtprogramm auch für den Hausgebrauch verwendet werden, etwa, wenn man auf dem Urlaubsvideo eine bestimme Sequenz sucht.

Freie Presse: Klingt kompliziert. Was macht Ihnen an der Arbeit Spaß?

Lang: Mich fasziniert zu sehen, wie der Computer lernt, Menschen zu "erkennen". Künstliche Intelligenz zu programmieren, zu erleben, wie sie funktioniert und wie ich sie entwickeln kann, ist spannend. Zudem ist es interessant, dem Computer beizubringen, für mich zu arbeiten.

Freie Presse: Ihre Chancen für den Wettbewerb?

Lang: Unberechenbar! Ich kenne die Projekte der Mitbewerber nicht.

Freie Presse: Was wollen Sie werden?

Lang: Zunächst mal Informatik studieren, in Genf oder Lausanne.

Freie Presse: Genf? Lausanne?

Lang: Es sollte ein französischsprachiges Land sein mit guten Studienbedingungen. Außerdem will ich eine andere Kultur kennenlernen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...