Mitbewohner soll Khaled Idris B. im Streit erstochen haben

Der Asylsuchende wurde offenbar von einem Landsmann umgebracht. Die vorschnelle Polizeidiagnose eines Suizids oder Unfalls ist weiter unter Kritik.

Dresden.

Der in der Vorwoche in Dresden getötete Asylbewerber Khaled Idris B. ist offenkundig nicht Opfer eines rassistischen Mordanschlags geworden. Vielmehr soll einer seiner Mitbewohner den aus Eritrea stammenden Mann erstochen haben. Das gab die Dresdner Staatsanwaltschaft bekannt. Die DNA-Analyse an sichergestellten mutmaßlichen Tatwaffen habe im Laufe des Tages zur Festnahme eines 26-jährigen Landsmannes des Toten geführt, der mit dem 20-jährigen Opfer und sechs weiteren jungen Leuten aus Eritrea gemeinsam eine Wohnung im Dresdener Plattenbaugebiet Leubnitz-Neuostra bewohnt hatte. Die Asylsuchenden waren von der Stadt dort dezentral untergebracht. "Nach ersten geständigen Einlassungen des Beschuldigten ist ein Streit über die Haushaltsführung eskaliert", teilte Staatsanwalt Jan Hille am Abend zum Motiv mit. Der Verdächtige befindet sich bereits in Untersuchungshaft.

Der Afrikaner Khaled Idris B. war am Dienstagmorgen voriger Woche tot im Hof eines Plattenblocks aufgefunden worden. Obwohl der Leichnam nach Aussagen von Zeugen blutüberströmt war, schloss die Polizei am Tag des Auffindens aus, dass sogenannte "Fremdeinwirkung", (Polizeijargon für Mord oder Totschlag - d. Red.) vorliege. Stattdessen ging man zunächst von einem Unfall oder Selbstmord aus. Als am Mittwoch das Obduktionsergebnis vorlag, musste man die Einschätzung revidieren. Khaled Idris B. war in der Nacht durch mehrere Stiche in den Hals getötet worden.

Während unmittelbar nach der Tat angesichts der in Dresden stattfindenden Demonstrationen der islam- und asylkritischen Bewegung Pegida schnell gemahnt wurde, bei Khaled B. könne es sich um das erste Opfer einer entflammten neuen Rassismuswelle handeln, hatte die Dresdner Oberbürgermeisterin Helga Orosz (CDU) sogleich vor voreiligen Schlüssen gewarnt.

Nachdem die Staatsanwaltschaft den Fall als aufgeklärt bezeichnet hatte, entbrannte ein Streit, ob die Kritik an der Ermittlungsarbeit der Polizei gerechtfertigt gewesen sei. So hatte etwa der Bundestagsabgeordnete Volker Beck, innenpolitischer Sprecher der Grünen, ungeachtet der Tatmotive Strafanzeige gestellt. Auch wenn diese sich gegen unbekannt richtete, war die Stoßrichtung klar. Sein Verdacht der "Strafvereitelung im Amt" traf die Polizei. Ihm fehle jedes Verständnis für das "nachlässige Vorgehen der Ermittlungsbehörden", hatte Beck angesichts der ursprünglichen Fehldiagnose eines Unfalls oder Selbstmordes geäußert. Diese "Ermittlungspannen" müssten "rückhaltlos aufgeklärt" werden, forderte er.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ersuchte im Gegenzug am Montag die Berliner Staatsanwaltschaft, Ermittlungen gegen den Politiker aufzunehmen - wegen falscher Verdächtigung, übler Nachrede und Beleidigung. Der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz nannte die Äußerungen des Abgeordneten "unverschämt". Sie unterstellten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft wissentlich gehandelt hätten. Becks Anzeige offenbare "gefährliches Halbwissen" über polizeiliche Ermittlungsarbeit im Allgemeinen und über den Fall im Besonderen.

Am Donnerstag nun sagte Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer, bewahrheite sich der neue Sachstand, müsse sich Beck für seine "ehrenrührige Strafanzeige" entschuldigen. Beck hielt dagegen, die Staatsanwaltschaft habe die Fehler doch sogar eingeräumt. "Die Frage, warum die Spurensicherung erst über 24 Stunden nach der Tat begann, bleibt", sagte er. Die Versäumnisse sieht man bei der Dresdner Opferberatung, die Angehörige von Khaled B. betreute, ebenso. Zur neuen Lage äußert sich der Verein zwar bis zum Vorliegen weiterer Fakten nicht, doch beurteilt Beraterin Andrea Hübler das erste Vorgehen der Polizei als "nach wie vor problematisch".

Auch bei der Polizei diskutiert man über Ermittlungsfehler

Von Fehlverhalten von Beamten am Fundort des Toten geht auch ein aus dienstrechtlichen Gründen ungenannt bleiben wollender Polizeibeamter aus Sachsen aus. Er unterstelle zwar weder seinen Kollegen noch deren Vorgesetzten böse Absicht. "Aber hier muss geschlampt worden sein." Beim Auffinden eines Toten, "bei dem eine unnatürliche Todesursache festgestellt wird, muss schon vor Ort eine Leichenschau stattfinden", beschreibt der Beamte. Unfälle und Verletzungen zählen zu solchen unnatürlichen Ursachen, völlig unabhängig davon, ob eine "Fremdeinwirkung" vorliegt.

"Als Polizist verlässt man sich natürlich auf die Einschätzung des Arztes. Wenn der Notarzt das nicht einschätzen will oder kann, ruft man einen Experten. In einer Großstadt wie Dresden muss das aber noch am Fundort zu gewährleisten sein", sagt der Polizist. Warum eine solche äußere Leichenschau im Fall Khaled offenbar nachlässig vorgenommen oder ganz vernachlässigt wurde, darüber werde auch im Kollegenkreis derzeit durchaus diskutiert.

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2Kommentare
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  • 3
    0
    23.01.2015

    Man muss sich mal die Dreistigkeit und Skrupellosigkeit dieses Typen vorstellen. Laut Mopo24:

    "Er sprach mit Journalisten

    Besonders schlimm ist es, dass der Täter noch mit Redakteuren, u.a. der "Tagesschau", gesprochen hatte. Er sagte: "Wir haben solche Angst.“ Vor allem wegen der PEGIDA-Bewegung trauten sie sich nun nicht mehr auf die Straße. Das Zitat wurde von vielen Medien aufgenommen."

    "OB Orosz besuchte den Täter

    Dramatisch: Als die Dresdner OB Helma Orosz (61, CDU) am Donnerstag, 15. Januar, drei Tage nach der Tat, die Wohnung des Opfers besuchte, war auch der Mörder anwesend!

    Auch bei der Demonstration für Khaled, die am Samstag, 17. Januar, durch die Dresdner Innenstadt zog, war der Täter dabei. Hielt ein übergroßes Foto des Opfers in die Luft."

    Quelle:https://mopo24.de/#!nachrichten/khaled-idris-mord-taeter-drogen-4023

  • 6
    0
    Soundnichtanders
    23.01.2015

    Oh je. Das ist doch nicht der Täter im Sinne der letztwöchigen Spontandemonstranten oder eines Volker Beck. Kann man nicht lieber einen stumpfsinnigen Rechtsradikalen präsentieren, damit die Idylle der harmlosen Gäste aufrecht erhalten wird? Die Mordquote unter den "Flüchtlingen" ist ja hoch! Gehen die o.g. Demonstranten nun wieder auf die Straße? Nun gegen kriminelle Zugereiste? Criminal refugees go home? Fragen über Fragen.



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