Nach Nürnberg nur noch mit Umsteigen

Ab Sonntag gibt es keine durchgehende Zugverbindung mehr in die Franken-Metropole. Zudem verschwinden zwei Halte vom Fahrplan.

Chemnitz.

An diesem Sonntag ist endgültig Schluss, es endet eine Ära: Eine durchgehende Eisenbahnverbindung nach Nürnberg wird es mit dem Fahrplanwechsel nicht mehr geben. Von da an müssen Reisende, die in Bayerns zweitgrößte Stadt wollen, oder aus der Gegenrichtung nach Sachsen unterwegs sind, immer in Hof umsteigen. Bislang gibt es noch in jeder zweiten Stunde einen durchlaufenden Zug auf der Sachsen-Franken-Magistrale von Dresden nach Nürnberg und retour.

Es war ein Abschied auf Raten, der im Grunde 2006 begann, als sich die Deutsche Bahn entschloss, ihre aus täglich vier Zugpaaren bestehende Intercity-Verbindung einzustellen. Als Ersatz schickte sie jene für den Nahverkehr konzipierten Diesel-Neigetechnikzüge auf die 430 Kilometer lange Strecke, die bis heute hier unterwegs sind. Wie im Fernverkehr betrieb die Bahn die Linie IRE 1 auf eigene Rechnung, während Nahverkehrszüge sonst über die Verkehrsverbünde mit Landesmitteln bestellt und bezahlt werden. Die IRE-Züge, an denen früher der Name "Sachsen-Franken-Express" prangte, konnten aber zu Nahverkehrspreisen genutzt werden. Die Bahn hatte den Betrieb der Linie bis Ende 2013 zugesichert; der Konzern einigte sich mit den Verbünden aber dann noch auf ein weiteres Jahr. Zuletzt verkehrten die Züge jedoch als normale Regionalexpresse (RE).

Nun mussten die Zweckverbände die Züge selbst bestellen. Doch beim Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS), der hier federführend verantwortlich zeichnet, wollte man nicht länger die teureren Dieseltriebfahrzeuge rollen lassen, wenn doch bis Hof Fahrdraht vorhanden ist. Nur auf der bayerischen Seite bis Nürnberg fehlt er noch. "Für uns war es wichtig, das Elektrozüge fahren", sagte VMS-Sprecherin Silke Dinge.

Schon seit Dezember 2013 verkehren die von E-Loks gezogenen Doppelstockzüge im stündlichen Wechsel mit den Dieselzügen - erstere aber eben nur bis Hof. Schon dieser Wechsel auf die komfortableren Züge, die mehr Beinfreiheit, Laufruhe und Platz für Fahrräder und Kinderwagen bieten, sei gut angenommen worden, berichtete Bahn-Sprecher Jörg Bönisch. Die Anzahl der Reisenden sei gestiegen, sagte er, nannte aber keinen Zahlen. Ab Sonntag rollen im Stundentakt nur noch Doppelstockzüge bis Hof, wo vier Minuten Zeit zum Umsteigen sind.

Doch nicht überall stößt der komplette Wechsel auf das bessere Wagenmaterial - die ruppige Neigetechnik vertragen viele Reisende nicht - auf Zustimmung. In Mittelsachsen regt sich gar Protest. Grund: Oederan und Niederwiesa, wo bislang in jeder zweiten Stunde ein RE hielt, werden nun abgeschnitten von der RE-Verbindung Dresden-Hof. Dinger begründete das mit den längeren Fahrzeiten wegen der fehlenden Neigetechnik. Deshalb habe man streichen müssen. Viel Ersparnis dürfte das aber nicht bringen: Bislang betragen laut Fahrplan die Haltezeiten an beiden Stationen jeweils weniger als eine Minute. Die Grünen in Mittelsachsen zeigten sich empört darüber. Die Staatsregierung müsse zusammen mit dem VMS eine schnelle Lösung finden, so Kreisrat Sebastian Walter.

Bis zu zehn Züge fehlen

Ein Jahr nach der Eröffnung des Leipziger City-Tunnels nutzen täglich 55.000 Passagiere das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz. Der Start mit sechs S-Bahn-Linien sei erfolgreich gewesen, resümierte die Deutsche Bahn gestern. Die S 5 von Zwickau über Altenburg nach Leipzig/Halle Flughafen werde dabei täglich im Schnitt von 3000 Reisenden genutzt, bei der schnelleren und weniger oft haltenden S 5x, die bis nach Halle fährt, sind es laut Bahn 11.500. Öffentliche Kritik gab es indes immer wieder wegen überfüllter Züge. Ab Sonntag will die Bahn zunächst bis 11. Januar zwischen Halle und Leipzig zusätzliche Bahnen einsetzen, um für Entlastung zu sorgen - die Züge der Linie 5 fahren dann bis nach Halle an der Saale.

Von den 51 Talent-Zügen, die für das Netz angeschafft wurden, stehen bislang bis zu zehn für den täglichen Betrieb nicht zur Verfügung. So sind laut Bahn drei wegen größerer Gewährleistungsmängel beim Hersteller Bombardier, ein Zug sei bis heute nicht ausgeliefert. Drei weitere haben Unfallschäden. Die Bahn versprach Besserung bis zum Sommer. Für vier Millionen Euro baue man eine zusätzliche Wartungshalle in Halle.

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7Kommentare
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    Freigeist14
    12.12.2014

    Nicht zu vergessen:Die Bahn gehört dem Staat.Und es ist eine Schande ,daß das von der sächsischen Autolobby..... ääh Regierung so hingenommen wird.In einem vergleichbarem Ballungsraum im Westen wäre das undenkbar.Und warum sollte sich mit Vollendung der neuen Trasse Berlin-Erfurt-Nürnberg was ändern?

  • 0
    1
    ines2705
    12.12.2014

    Ich fahre diese Strecke einige Male im Jahr, hatte auch immer die durchgehende Verbindung gebucht und mußte trotzdem jedes Mal in Hof in einen neuen Zug umsteigen. Mir kamen da schon so langsam die Zweifel ob diese durchgehende Verbindung überhaupt noch existiert. Auf meinen Fahrten jedenfalls nicht!

  • 4
    0
    Zwon81
    12.12.2014

    Zur Stärkung der Tangenten geht's eben nur noch über L oder auf Umwegen nach& von Thüringen in die Welt. Jede größere Stadt im Nachbarland hat einen Fernbahnhof und ICE- Anschluss, selbst in MeckPom gibt´s mehr Fernbahnhöfe. Hauptsache L und DD leuchten- die DB Bahn gehört sich großflächig gemieden.

  • 3
    0
    aussaugerges
    12.12.2014

    Früher ist man von Dresden nach Reichenbach in etwas mehr als 2 Stunden gefahren.
    Da ging es von Tharant nach Freiberg mit 2 Dampfloks los.
    Heute mit umsteigen 3,5 Stunden ! ! !

  • 2
    1
    Deluxe
    12.12.2014

    Was waren das für Zeiten, als die innerdeutsche Grenze noch Bestand hatte.
    Da gab es trotz aller Grenzbefestigungen und Schießbefehl einen Zug, der von Breslau bis ins bayrische Oberstdorf durchgehend fuhr.

    Das geht im neuen, grenzenlosen Europa aber offensichtlich nicht mehr.

  • 4
    0
    RebelYell
    12.12.2014

    Nunja,

    Segen und Fluch zugleich.

    nachdem es seit vielen Jahren keinen Fernverkehr mehr gibt, wird nun auch die durchgehende Verbindung abgeschafft.

    Für die Reisenden einerseits eine Erlösung, denn wer schon einmal von Nürnberg bis Dresden (5 Stunden) in diesen Nahverkehrs-Schüsseln gesessen hat, weiß welche Tortur dies gerade zu den Stoßzeiten ist, von der Überfüllung ganz zu schweigen.

    Andererseits natürlich bedauerlich, denn gerade für Ältere Reisende ist ein Umstieg immer beschwerlich.

    Ich gebe dem Vorschreiber recht, die Fernbuslinien wird es freuen.

    Weiterhin finde ich erstaunlich, dass gerade auf bayerischer Seite wenig Interesse an einer zügigen Elektrifizierung bis Nürnberg besteht - dann nämlich stünde Fernzügen weiter bis München wenig im Wege - doch das will dann die DB wieder nicht, offensichtlich.

    Es bleibt also wie schon lange prognostiziert dabei, dass Chemnitz/Südwestsachsen als Viertelmillionen-Stadt/dicht besiedelte Region auf Jahrzehnte vom Fernverkehr (Bahn!) abgeschnitten ist und sein wird.

    Gute Nacht!

  • 5
    1
    872889
    12.12.2014

    Unternehmen Zukunft...!? Zum Glück gibt es in der Zwischenzeit Fernbusse. Die verkehren nicht nur auf dieser Strecke regelmäßig und zuverlässig. Im Normalfall ist man auch wesentlich schneller am Ziel.



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