Neue 3D-Bilder aus China unterwegs nach Augustusburg

Eine künstlerisch nicht ganz ernst zu nehmende Schau hat dem Schloss und der Stadt Augustusburg Besucherrekorde beschert. Auch die Leihgeber sind begeistert.

Augustusburg. Schloss Augustusburg hat in den vergangenen acht Monaten die erfolgreichste Sonderausstellung aller Zeiten erlebt. 176.500 Besucher strömten in die zweimal verlängerte und gestern zu Ende gegangene Mitmach-Illusionsschau aus China "Du bist die Kunst", die seit Ende Juni 2013 zugleich erstmals in Europa zu sehen war. Allein im Februar waren noch einmal 30.000 Schaulustige ins Schloss gekommen, darunter etliche Besucher bereits zum wiederholten Mal, freut sich Schlossgeschäftsführerin Patrizia Meyn. Auch die anderen Museen im Schloss hätten dadurch allein 2013 einen Besucherzuwachs von 13 Prozent verzeichnen können.

Ihr Konzept, mit der künstlerisch durchaus streitbaren, aber äußerst publikumswirksamen Schau vor allem junge Besucher und Familien zum Museumsbesuch anzuregen, sei voll aufgegangen, sagte sie. Im Gegensatz zu anderen Ausstellungen war nicht "Berühren verboten", sondern ausdrücklich erwünscht. "Der Spaßfaktor stand für Jung und Alt im Mittelpunkt", sagte Meyn.

23 neue Bilder sind unterwegs

Aus diesem Grund werden die 24 großformatigen Bilder ab heute nicht nur abgebaut: Vor allem die sichtbaren Spuren, die Besucher hinterlassen haben, wenn sie sich vor oder sogar auf den Bildern für ein Foto in Szene setzten, müssen in China wieder beseitigt werden. Parallel dazu wird eine zweite Staffel mit 23 neuen Bilder in ähnlicher Art auf Augustusburg vorbereitet. Sie soll bereits am 22. März - wiederum in den acht Sonderausstellungsräumen des Schlosses - eröffnet werden und bis Ende Juni zu sehen sein. Die bis zu fünf Meter breiten Bilder sind bereits auf dem Weg ins Erzgebirge.
Dann kann man zum Beispiel mit einer Robbe Ballspielen, in das Maul eines Drachens steigen, einen riesigen rollenden Stein stemmen oder ein wildes Pferd bändigen. Ein 3D-Bild von einem Einhorn werde so mitten im Raum platziert, dass der Betrachter das Tier besteigen und reiten kann, verspricht Meyn. Sie selbst war es, die 2012 bei einem China-Besuch die Wirkung der in einer speziellen 3D-Technik gemalten und damit verzerrten Optik gestalteten Bilder testete und dann unter 120 Arbeiten die Auswahl für Augustusburg vornahm. Die Lobeshymnen in mittlerweile einem Dutzend Gästebüchern geben ihr Recht.

Auch wenn mancher Künstler und Galerist die Nase rümpfen dürfte, in Sachsen wird die Schau wohl ihren Siegeszug fortsetzen. Die sächsische Schlösserverwaltung will einen Teil der Bilder aus der zweiten Staffel anschließend, und zwar vom 12. Juli bis 4. Januar 2015, in Meißen präsentieren. "Wir brauchen auf der sanierten Albrechtsburg eine Zugnummer, um mehr Besucher zu locken", gesteht der Sprecher des Staatsbetriebes Schlösserland Sachsen, Uli Kretzschmar.

Tiger kommt nach Lichtenwalde

Parallel dazu gehen zwölf China-Bilder Ende Juni auf Schloss Lichtenwalde. Sie sollen sozusagen die Ouvertüre für die dortige Schatzkammerausstellung bilden, die zwar Hochkultur vom Feinsten vereint, aber nach wie vor nicht die erhofften Besucherzahlen bringt. Ein Bild für Lichtenwalde trägt den passenden Titel "1000 Schätze". Der "Tiger" aus der ersten Staffel bleibt als Geschenk dauerhaft in Lichtenwalde. Patricia Meyn hofft dort auf einen ähnlichen Effekt wie in Augustusburg, wo letztlich der ganze Ort von der Schau profitiert habe: von der Drahtseilbahn bis zu den Gastronomen. "In Lichtenwalde bietet sich eine Kombination mit dem Schlosspark an, der im Sommerhalbjahr durch den Verleih diverser Parkspiele ohnehin zum Familienausflugsziel weiter profiliert werden soll."

Auch die chinesischen Leihgeber sind begeistert. Für sie ist die Präsentation der Arbeiten auf einem Renaissanceschloss ein qualitativer Sprung. Bisher wurden die teils überdimensionalen Bilder vor allem als Publikumsmagneten in großen Einkaufszentren gezeigt.

 

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