Plauen: Klinik-Betreiber will geheime Tests aufklären

Schweizer Medikamente an DDR-Patienten ausprobiert

Plauen. Der Krankenhaus-Konzern Helios will geheimen Medikamentenversuchen im ehemaligen Plauener Bezirkskrankenhaus auf den Grund gehen. Der Betreiber des heutigen Vogtlandklinikums reagiert damit auf einen Bericht des MDR, wonach dort 1989 ein nicht zugelassenes Medikament eines Schweizer Pharmaunternehmens an einer Patientin getestet worden sein soll. "Wir starten eine interne Recherche in den Archiven. Es liegt in unserem Interesse, dieses Kapitel aufzuarbeiten", sagte Helios-Sprecher Johann Peter Prinz. "Für uns ist das ein neues Thema."

Licht ins Dunkel könnte dabei Klaus-Dieter Waldmann bringen. Der ehemalige ärztliche Direktor des Klinikums, seit vier Jahren im Ruhestand, war zur Zeit des aufgedeckten Vorgangs Chefarzt der Nervenklinik - also in direkter Verantwortung. Doch er könne sich zum konkreten Fall nicht äußern und müsse erst die Akten einsehen, sagte er am Mittwoch der "Freien Presse". Die Antwort auf die Frage nach weiteren Tests im Plauener Krankenhaus ließ der Mediziner mit Verweis auf den großen zeitlichen Abstand unbeantwortet. Die Aufarbeitung dieses Kapitels der DDR-Medizin bezeichnete Waldmann als richtig. Er signalisierte, daran mitwirken zu wollen. Für seine Verdienste um die Klinik wurde Waldmann vor vier Jahren die Ehrenbürgerschaft der Stadt Plauen verliehen.

Der Plauener Fall - laut MDR steht er exemplarisch für das System "Testklinik DDR". Im April 1989 wurde im Krankenhaus der Vogtlandstadt eine ältere Frau mit Depressionen nur deshalb kurzfristig aufgenommen, weil ihre Tochter für die Teilnahme an einer "Studie" ihre Einwilligung erteilte - ohne in ihrer Notlage allerdings die Details zu hinterfragen. Als sich der Zustand der Mutter drastisch verschlechterte, gab ein Assistenzarzt der Angehörigen einen Wink. Die Frau erkannte die Situation und erwirkte die Absetzung des ihrer Mutter verabreichten Antidepressivums. Das damals getestete Medikament kam nie auf den Markt. Das betroffene Schweizer Unternehmen ist mittlerweile Teil des Novartis-Konzerns.

Plauen war offenbar kein Einzelfall. Auch in anderen Krankenhäusern habe es Versuche gegeben, so der MDR. In Akten des ehemaligen DDR-Gesundheitsministeriums seien die Fälle dokumentiert. Auch Todesfälle sind verzeichnet. Die DDR kassierte für die Versuche harte D-Mark. Abgewickelt wurden die Geschäfte über Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.

Das Plauener Krankenhaus war bis 2003 in kommunaler Hand. "Uns ist nie etwas zu dieser Thematik bekannt geworden", so Plauens Sozialbürgermeister Uwe Täschner (parteilos). "Der Fall zeigt, wie menschenverachtend das System war." Er sei dankbar, dass diese Fälle jetzt ans Licht kämen.

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