RSC-Rollis stellt Insolvenzantrag

Die Situation bei den Rollstuhlbasketballern spitzt sich zu. Der Verein ist zahlungsunfähig. Eine Fan-Initiative sichert zunächst den Spielbetrieb.

Zwickau .

Der Zwickauer Rollstuhlbasketball steckt in seiner tiefsten Krise. Nach der Sitzung des Rumpfpräsidiums am Montagabend hat Mario Pecher, seit fünf Jahren Präsident des RSC-Rollis Zwickau, einen Insolvenzantrag gestellt. "Das musste ich machen", betont der 52-Jährige. Seinen Angaben zufolge hatte der Verein 200.000 Euro an Sponsorengeldern in Aussicht, was knapp zwei Drittel des Saisonetats abdecken würde. Nach Berichten über Untreue-Vorwürfe hätten sich jedoch mehrere große Geldgeber zurückgezogen. "Der Verein ist ruiniert", so der Präsident. "Mit den Vorwürfen im Raum kriegen wir von niemandem mehr ein Stück Brot. Alle Türen sind zugeschlagen." Das Insolvenzgericht muss nun entscheiden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann.

Derweil kümmern sich die Fans um das Heimspiel am kommenden Sonntag gegen die Roller Bulls St. Vith. Bereits am vergangenen Wochenende konnte die Reise der Rollis zum Auswärtsspiel nach Jena nur dank der Initiative der Fans abgesichert werden, nachdem Teammanagerin Lisa Kösling kurz zuvor überraschend ihren Rückzug verkündet hatte. Vom Präsidenten sei signalisiert worden, dass es derzeit kein Geld für die Absicherung des Spielbetriebes gebe, sagte ein Fan-Vertreter der "Freien Presse". Die Fans hoffen für Sonntag auf viele Zuschauer, und auf Spenden.

Am Montag war bekannt geworden, dass die Zwickauer Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden RSC-Präsidiumsmitglieder und Landtagsabgeordneten Kerstin Nicolaus (CDU) und Mario Pecher (SPD) prüft. Der mit einer Strafanzeige untermauerte Vorwurf lautet: Untreue im Zusammenhang mit dem Vereinsvermögen. Nicolaus (53) hatte vor drei Wochen ihren Rücktritt als Vizepräsidentin erklärt, weil sie sich intensiv um ihren kranken Sohn kümmern müsse. Ihr Lebensgefährte Pecher hatte zugleich seinen Rückzug als Präsident für November angekündigt, weil sein Landtagsmandat angeblich mehr Zeit beanspruche. Ganz überraschend kam der Rückzug der beiden indes nicht. Im Vorstand des RSC-Rollis rumort es seit geraumer Weile. Im Sommer hatten etwa 30 Vereinsmitglieder gegen den Willen des Präsidiums versucht, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Dann hatte sich ein Vereinsmitglied per Brief beim Sächsischen Landtag über die Abgeordneten Pecher und Nicolaus beschwert, weil die versucht hatten, ihn aus dem Verein zu werfen. Auf der Mitgliederversammlung Ende September kam es schließlich zur teils heftig geführten Aussprache. Mehr als 80 der zu diesem Zeitpunkt nach Präsidiumsangaben 139 Vereinsmitglieder waren anwesend. Resultate: ein Rücktritt und ein angekündigter, eine Strafanzeige.Und nun der Insolvenzantrag.

Die Fan-Initiative sucht Helfer und sammelt Spenden zur Absicherung des Spielbetriebes. Kontakt: Telefon 0179 9034709

 

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