Robin Szolkowy kehrt auf das Eis zurück

Der erfolgreichste Chemnitzer Paarläufer, der seine leistungssportliche Karriere beendet hat, plant mit einer neuen Partnerin Show-Auftritte und sammelt zudem erste Erfahrungen als Trainer.

Chemnitz.

Robin Szolkowy hatte nach der Eislaufgala Mitte April in Chemnitz, bei der er und Aljona Savchenko nach elf Erfolgsjahren letztmalig zusammen auftraten, euphorisch gefeiert und geehrt wurden, seine Zukunftspläne offen gelassen. Für seine Partnerin, mit der er zweimal Olympiabronze sowie fünf Welt- und vier EM-Titel gewann, stand schon damals fest, dass sie mit dem Franzosen Bruno Massot ihre Karriere fortsetzt. Nun überraschte Robin Szolkowy mit der Neuigkeit, dass auch er weiterhin auf den Kufen zu sehen ist. "Ich werde gemeinsam mit Myriam Leuenberger, einer Schweizerin, bei Shows auftreten", verriet der 35-Jährige am Wochenende im Gespräch mit "Freie Presse".

In den vergangenen Monaten hat er dabei schon mehrfach mit der früheren Einzelläuferin trainiert, auch der erste Auftritts-Termin steht bereits fest. Am 20. und 21. September gehört das Duo in Verona zu den Mitwirkenden der traditionellen Freiluft-Veranstaltung "Opera on Ice", für die stets internationale Stars - dieses Mal unter anderen die Welt- und Europameister Carolina Kostner (Italien) oder Stephan Lambiel (Schweiz) - verpflichtet werden. "Es spielt ein Orchester live die Musik dazu, das ist schon cool, für uns gleich eine Hausnummer", weiß der Chemnitzer, die Wertigkeit aus eigenem Erleben einzuschätzen. Die Veranstalter verpflichteten das neue Paar sogar zusätzlich, denn eigentlich stand die Besetzung fest. "Als ich die Zusage erhielt, war das natürlich ein Supergefühl. Auch sonst erhielt ich auf meine Anfragen, die ich verschickte, nur positive Reaktionen", freut sich Robin Szolkowy über das Feedback, das ihn zusätzlich für sein Vorhaben bestärkte.

Neue Partnerin sofort begeistert

Bei seinen Überlegungen zur Zukunft lag natürlich nahe, die Schlittschuhe, die drei Jahrzehnte seinen Alltag bestimmten, nicht für immer am symbolischen Nagel hängen zu lassen. "Was könnte in irgendeiner Konstellation da funktionieren und vor allem Spaß machen", beschrieb der Ausnahmeläufer seine Herangehensweise, die er vor allem im Bekannten- und Freundeskreis diskutierte. Letztlich entschied er, es mit Myriam Leuenberger zu versuchen. Er kannte die junge Dame vor allem von der gemeinsamen "Art-on-Ice"-Tournee, an der er regelmäßig mit Aljona Savchenko teilgenommen hatte. "Ich wusste zumindest, dass sie toll auf dem Eis wirkt und dass sie gut mit der Situation klar kommt, vor bis zu 10.000 Zuschauern zu laufen", erzählt der gebürtige Greifswalder. Als er die Schweizerin, die auch EM-Starterin war und als Nachwuchstrainerin arbeitet, daraufhin ansprach, zeigte sich die 27-Jährige erstaunt, brauchte für ihre Zusage aber nicht lange zu überlegen. "Wir sind dann Anfang Mai in Zürich einfach mal eine Stunde aufs Eis gegangen und haben Verschiedenes probiert. Es hat unerwartet gut geklappt, wir waren uns schnell einig, es gemeinsam zu probieren", erzählt der Chemnitzer.

Seit der Premierenauftritt bereits für September steht, verstärkte das Duo die Zahl seiner gemeinsamen Übungseinheiten, was aber auf Grund anderer Verpflichtungen nicht immer einfach zu händeln ist. Denn Robin Szolkowy versucht sich in diesem Sommer zudem als Trainer. Zwei Wochen arbeitete er bereits im Oberstdorfer Camp "Ice Dome", ein weiterer Einsatz folgt im August. Für diese weltweit anerkannten Lehrgänge bewerben sich alljährlich Eisläufer verschiedener Länder und aller Altersklassen. Die Verantwortlichen des Projekts, Claudia und Michael Huth, sind dabei auch immer interessiert, Prominente als Betreuer zu gewinnen. Da sich das Trio seit langem sehr gut kennt - mit der Organisationschefin trainierte Robin als Kind schon gemeinsam in Erfurt, der sportliche Leiter arbeitet seit Jahren erfolgreich als Trainer - kam eine Zusammenarbeit problemlos zustande.

Wertvoller Trainereinstand

"Für mich gab es ganz neue Erfahrungen und Situationen, alles verlief komplett anders als bisher. Es war etwa so, als wenn du nach 20 Jahren auf dem Beifahrersitz nun selbst fährst", verglich Robin Szolkowy und fügte hinzu: "Ich habe unwahrscheinlich viel gelernt, konnte in entspannter Atmosphäre von erfahrenen Kollegen profitieren. Es war für mich ein gelungener Testlauf, der mir sehr viel gegeben hat." Er betreute in bis zu fünf Einheiten pro Tag Läufer verschiedener Alters- und Leistungskategorien, musste sich deshalb stetig neu orientieren. Für eine mögliche Tätigkeit in diesem Metier hat er sich inzwischen beim Verband für die nächste Trainerausbildung angemeldet.

In dieser Woche weilt Robin Szolkowy wieder einmal mehrere Tage in Chemnitz, um vor allem organisatorisch einiges zu klären. Einerseits geht es dabei um weitere Vorhaben, die er angehen möchte, die aber noch nicht spruchreif sind. Andererseits gibt es viele Dinge in Vorbereitung der Hochzeit mit seiner Romy im August zu erledigen. Manche Tage sind dabei vollgestopft mit Terminen, andere dann mal weniger. Wie allgegenwärtig ist dabei seine Karriere noch? "Ich fange jetzt an, das Ganze zu verarbeiten und zu genießen, versuche die einzelnen Events einzuordnen. Wenn ich meine Kiste von Medaillen so anschaue, dann ist das im positiven Sinne schon der Wahnsinn", sinniert Robin Szolkowy und wertet rückblickend: "Sicher wäre Olympiagold der i-Punkt gewesen, aber mir fehlt dieser Erfolg nicht."

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