Sachsen bangt um US-Export

Der Freistaat und die USA sind eng verflochten, deshalb sind die Sorgen groß, dass sich die Wahl Trumps negativ auswirken könnte. Auch hinter TTIP steht jetzt ein Fragezeichen.

Chemnitz.

Die Wahl des Immobilienmilliardärs Donald Trump zum US-Präsidenten könnte für die sächsische Wirtschaft einschneidende Konsequenzen haben. Im Wahlkampf hatte der Republikaner mit einem protektionistischen Wirtschaftskurs für sich geworben. Nach Einschätzung des Dresdner Ifo-Instituts könnte ein solcher Kurs, würde er tatsächlich durchgesetzt, vor allem Sachsen negativ treffen. Die USA seien für den Freistaat nach China der zweitwichtigste Handelspartner, sagte der Vizechef des Instituts Joachim Ragnitz.

Im vergangenen Jahr wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von 4,63 Milliarden Euro über den Atlantik geliefert. Die Ausfuhren stiegen gegenüber 2014 um 37 Prozent. Geliefert wurden vor allem Autos, Maschinen und Elektronik-Bauteile. Zudem sind die USA der größte ausländische Investor in Sachsen. Rund 10 Milliarden Euro sind bisher in Investitionen und Beteiligungen geflossen. Dadurch sind rund 15.000 Arbeitsplätze entstanden. "Auf jeden Fall ist die Verunsicherung bei unseren Unternehmen sehr groß", sagte am Mittwoch Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz. Keiner wisse derzeit, was in der kommenden Zeit von seinen mehr oder weniger präzisen Aussagen im Wahlkampf tatsächlich umgesetzt wird und wie sein Wirtschaftsprogramm dann letztendlich aussieht, meinte der IHK-Chef. Wunderlich warnte deshalb vor übereilten Reaktionen und unnötiger Aufgeregtheit. Auch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft will die Entwicklung erst einmal beobachten. "Jetzt bleibt abzuwarten, welchen wirtschaftspolitischen Kurs Trump einschlagen wird. Für die stark exportorientierte sächsische Wirtschaft sind offene Märkte und Freihandel von existenzieller Bedeutung", teilte der Wirtschaftsverband auf Anfrage mit.

Besorgt über eine mögliche Abschottung der US-Volkswirtschaft zeigten sich die ostdeutschen Maschinenbauer nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Auch die Branche im Osten würde ein protektionistischer Kurs hart treffen, sagte der Geschäftsführer des VDMA-Ost, Reinhard Pätz, am Mittwoch in Leipzig. Bei den ostdeutschen Firmen sei der Anteil der Exporte in die USA zwar geringer als bei denen im Westen. Doch besonders die Betriebe in den neuen Ländern hätten in den vergangenen Monaten bereits herbe Rückschläge wegen des Russland-Embargos hinnehmen müssen. Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, Zölle und andere Handelsabkommen wieder aufzubauen. Dem VDMA gehören 350 Unternehmen in Ostdeutschland an. 2015 hatte der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau einen Umsatz von etwa 16,8 Milliarden Euro erzielt.

Die deutsche Autoindustrie schaut ebenfalls skeptisch auf das Wahlergebnis in den USA. Die Vorstandschefs von Volkswagen, Daimler und BMW haben mit leiser Sorge auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten reagiert. VW-Chef Matthias Müller sagte am Mittwoch beim "Handelsblatt"-Autogipfel in München, er hoffe, dass sich das Wahlergebnis nicht negativ auf die Verhandlungen mit den US-Behörden über die Dieselaffäre auswirke. Er würde sich wünschen, dass eine Einigung noch vor dem Amtsantritt der neuen Regierung gelinge.

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, er versuche sich offen zu halten und zu hören, was Trump nach seinem Amtsantritt tue. "Was sich in Wahlkämpfen abspielt, beschreibt nur bedingt, was nach der Wahl zu erwarten ist", sagte Zetsche, aber: "Dass nach dem Wahlkampf eine gehörige Portion an Skepsis da ist, ist klar." BMW-Chef Harald Krüger sagte, noch sei es zu früh zu beurteilen, wie die Außen- und Wirtschaftspolitik der USA aussehen werde. Aber "wir alle drei brauchen offenen Welthandel", mahnte Krüger mit Blick auf BMW, VW und Daimler. Mit dem SUV-Werk in Spartanburg sei BMW einer der größten Autoexporteure der USA, und spannend sei auch, wie es mit der nordamerikanischen Freihandelszone mit Mexiko weitergehe.

An den Finanzmärkten verdauten die Investoren den ersten Schock überraschend schnell. Viele hoffen auf einen Konjunkturschub und einen pragmatischeren Politikstil des Milliardärs. Der deutsche Aktienindex Dax verlor zum Handelsstart knapp drei Prozent, erholte sich aber im Laufe des Tages und ging am Ende mit einem Plus von 1,56 Prozent auf 10.646,01 Punkte aus dem Markt. (mit dpa)

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