Sachsen rüstet sich mit Fallen und Eingreiftruppe gegen Afrikanische Schweinepest

Dass die Tierseuche vor dem Freistaat haltmacht, glauben die Experten nicht. Daher laufen umfangreiche Vorbereitungen. Doch sind es die richtigen?

Dresden.

Noch hat es die Afrikanische Schweinepest (ASP) nicht bis nach Deutschland geschafft. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit. In Tschechien und Polen gab es in der Vorwoche wieder neue Fälle, hauptsächlich bei Wildschweinen. Im Baltikum, in der Ukraine und in Rumänien auch. Insgesamt wurden in der Woche 1215 Ausbruchsfälle mit mindestens einem Tier registriert. "Die Entwicklung zeigt, dass sich die Afrikanische Schweinepest ausbreitet. Auch wir werden sie bekommen", sagt Stephan Koch, Abteilungsleiter im Verbraucherschutzministerium. 2007 war das Virus per Schiff von Afrika nach Georgien eingeschleppt worden und hatte sich von dort aus weiterverbreitet.

Seit 2014 beschäftigt sich die Landesregierung mit der Seuche, die für den Menschen ungefährlich ist und lediglich Wild- und Hausschweine befällt. Längst gibt es einen Krisenstab und eine mit Tierärzten besetzte Eingreiftruppe. Alle acht bis zehn Wochen kommt eine Arbeitsgruppe zusammen. Das habe es noch nie gegeben, dass eine Tierkrankheit so viel Arbeit macht, obwohl sie noch gar nicht da ist, meint Koch. Es sind vor allem die wirtschaftlichen Folgen, die die ASP zu einem Problem machen. Denn ein Ausbruch - auch wenn es nur das Wild trifft - hätte durch Einfuhrbeschränkungen wichtiger Exportländer "immense Marktverwerfungen" zur Folge, schätzt Daniel Gellner, Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium, ein. Man müsse auch davon ausgehen, dass sich dies auch auf das Verbraucherverhalten und die Einkaufspolitik des Handels auswirke.

Das Ministerium geht von einem Preisrückgang von 40 Cent je Kilogramm Schlachtgewicht aus. Das würde zu einem Erlösverlust von 32 Millionen Euro für Sachsens Schweinemäster führen - etwa ein Viertel von dem, was die Betriebe insgesamt im Schnitt pro Jahr einnehmen. Es sei damit zu rechnen, dass Betriebe aufgeben. Derzeit gibt es im Freistaat 2364 Schweinehalter mit 672.800 Tieren, das Gros steht in weniger als 50 größeren Betrieben. 89 fleischverarbeitende Betriebe mit 3600 Beschäftigten lebten unter anderem von der Schweinehaltung.

Doch was tun? Als eine Ursache für die Verbreitung gilt die unsachgemäße Entsorgung von Speiseresten, etwa an Rastplätzen von Fernstraßen. Dort könnten sie von Wildschweinen aufgenommen werden. Das Virus hält sich monatelang in ungekochten Produkten wie Salami oder Schinken. Bis auf einen Platz bei Nossen sind alle Park- und Rastplätze an den Autobahnen in Sachsen wildschweinsicher eingezäunt. Auf Bundesstraßen hingegen sind bislang nur zwei Parkplätze entsprechend gesichert. Auf den Staatsstraßen, für die das Land zuständig ist, gar keiner. Koch sagt zwar, dass auch dort Transitverkehr stattfinde. Doch es sei ob des Aufwandes und der Kosten nicht vertretbar, auch dort alle Parkplätze wildsicher einzuzäunen.

Das Land setzt auf die Jagd, um das Schwarzwild zu reduzieren. Obwohl klar ist: Das wird nur begrenzt gelingen. In Sachsen gebe es ähnlich hohe Bestände wie in der ASP-Region in Tschechien - etwa sieben Tiere pro Quadratkilometer. Um das Risiko einer Übertragung deutlich zu verringern, müsste der Wert auf eins sinken, sagt Koch. Das werde nicht möglich sein. Im letzten Jagdjahr hatten die gut 10.000 Jäger 33.260 Schwarzkittel erlegt. "Wir gehen davon aus, dass es viermal so viele Tiere gibt", sagt Gellner. Die Jäger arbeiteten "am Anschlag", heißt es.

Dennoch verspricht sich das Ministerium eine höhere Jagdstrecke durch das kürzlich geänderte Jagdgesetz. Der wichtigste Punkt: Es wird die Fallenjagd aufs Schwarzwild erlaubt. "Das ist das einzige Mittel, mit dem man schnell in die Bestände eingreifen kann", sagt Gellner. Die Methode ist jedoch umstritten, weil die Tiere in Panik geraten, sobald der erste Schuss in den Käfig fällt. Das ist auch Gellner klar: Es werde unschöne Bilder geben. Dennoch wolle man Erfahrungen sammeln. Entlang der Transitstrecken werde Sachsenforst die Methode zuerst einsetzen. Ab wann, blieb offen.

Von Abschussprämien, die andere Bundesländer eingeführt haben, hält man nichts. Da die Jägerschaft "bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit" engagiert sei, sei der Effekt nicht groß. Zudem zeige sich, dass der Handel den Kaufpreis drücke, sodass das Geld an falscher Stelle ankomme, so Gellner. Man sei auch der Auffassung, dass sich der Staat einmal mit Geld "raushalten sollte".

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