Savchenko/Massot starten künftig für Deutschland

Der Franzose Bruno Massot nimmt die deutsche Staatsbürgerschaft an. Nur minimal abgesichert bleibt jedoch nach wie vor die Finanzierung des Eiskunstlauf-Paares.

Chemnitz. Aljona Savchenko und ihr Eislauf-Partner Bruno Massot gehen künftig für Deutschland an den Start. Massot unternimmt dafür einen großen Schritt. Der gebürtige und in der normannischen Stadt Caen lebende Franzose wird Deutscher. Einen entsprechenden Vertrag hat der 25-Jährige gestern in München unterschrieben. "Wir sind uns einige, dass es in Chemnitz die besten Bedingungen für unsere Ziele gibt", sagte Aljona Savchenko. Beide wollen 2018 bei den Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang um Medaillen kämpfen. Mit ihrem langjährigen Partner Robin Szolkowy wurde die 30-Jährige fünf Mal Weltmeister, vier Mal Europameister und gewann zwei olympische Bronzemedaillen.

Der Wechsel der Nationalität ist nicht unüblich im Sport. Doch entsprechend internationalen Regeln werden die Sportler dann für internationale Wettkämpfe gesperrt. Relativ unkompliziert mit nur einem Jahr Sperre wäre der Wechsel, wenn Massot vom französischen Verband frei gegeben wird. Doch dieser hat sich bislang noch nicht erklärt. Auch entsprechende Anfragen von "Freie Presse" blieben unbeantwortet. Falls der französische Verband nicht einlenkt, darf das Paar zwei Jahre lang nicht bei internationalen Top-Wettbewerben starten. "Wir hoffen aber, dass die Internationale Eislauf-Union uns unterstützt", meinte die Chemnitzerin.

In den vergangenen Monaten stand für das Eislaufpaar zwar das Training im Vordergrund. Beide haben sich aber auch über künftige Bedingungen Gedanken gemacht. So konnten sie bei einem mehrwöchigen Trainingslager in Coral Springs (US-Staat Florida) mit internationalen Top-Läufern trainieren. Erst vergangene Woche waren sie in der Schweiz bei Jean François Ballester, dem langjährigen Trainer von Bruno Massot. "Die beiden haben einen echt guten Job gemacht", sagte Ballester. Savchenko und Massot wollen künftig nicht nur in Chemnitz bei Ingo Steuer trainieren. "Ingo Steuer ist zweifelsohne der beste Trainer in Deutschland. Wir möchten aber gern in einem großen Team mit mehreren Trainern arbeiten und würden uns freuen, wenn Ingo Steuer dabei ist", meinte Savchenko. Das ist nicht unüblich im internationalen Eiskunstlaufsport. Auch russische Top-Läufer wie die Olympiasieger Tatjana Wolossoschar und Maxim Trankow trainieren nach diesem Prinzip. Im Team von deren Trainerin Nina Mozer arbeiten weitere Trainer. Von deren Erfahrungen können die Läufer gleich mehrfach profitieren.

Ab der kommenden Saison gehört auch Savchenkos langjähriger Partner Robin Szolkowy zum MozerTeam. Der 35-Jährige Chemnitzer wird dabei vorrangig zwei russische Nachwuchspaare betreuen. "Ich experimentiere gern", begründete die Erfolgstrainerin seine Verpflichtung.

Ein internationales Team wäre zudem ein kluger Schachzug von Aljona Savchenko und Bruno Massot, um die Finanzierung abzusichern. Denn diese wackelt nach wie vor. Aufgrund seiner Stasi-Tätigkeit durfte Trainer Steuer bislang nicht von öffentlichen Geldern bezahlt werden. Seine Sportler haben ihn privat und über Sponsoring finanziert. Die Unabhängige Stasi-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes hob zwar kürzlich das vor acht Jahren getroffene Berufsverbot auf. Doch nach wie vor sieht das Bundesinnenministerium, von dem die Gelder bereitgestellt werden, den deutschen Erfolgstrainer sehr kritisch. Die Deutsche Eislauf-Union möchte ihn deshalb nur auf Honorbasis beschäftigen. Zudem ist auch noch offen, wie Massot bis zu seiner Einbürgerung finanziert wird. "Es wird nicht leicht, aber als Sportler sind wir kämpfen schließlich gewöhnt", meinte Savchenko zuversichtlich.

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