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Heimspiel vor AfD-Anhängern in Limbach-Oberfrohna: der gebürtige Chemnitzer Alexander Gauland.

Foto: Toni Söll

Sie wollen ein "deutscheres" Deutschland

Der AfD-Spitzenkandidat hat Anhänger in Limbach-Oberfrohna auf einen "harten Wahlkampf" eingestimmt. Die Zukunftsvisionen des 76-jährigen Alexander Gauland sind vor allem vom Gestern geprägt.

Von Ronny Schilder
erschienen am 11.08.2017

Limbach-Oberfrohna. Schon Jahrzehnte bemüht sich Alexander Gauland, altkonservative Positionen wiederzubeleben. Solange er das bei der CDU, als Herausgeber einer Potsdamer Regionalzeitung und Autor geistreicher Essays tat, war er wohlgelitten. Nun, da er als Spitzenkandidat der AfD neben der wirtschaftliberalen Alice Weidel, auch sie ein lupenreines Elitenprodukt, zur politischen Aktion schreitet, gilt er vielen als Gottseibeiuns.

In der Parkschänke in Limbach-Oberfrohna traf Gauland am Donnerstagabend auf ein großes, dankbares Publikum, das sich in den Ausführungen dieses väterlich auftretenden Bildungsbürgers wohl im Großen und Ganzen wiederfand. Etwa 500 waren gekommen und zollten reichlich Beifall. Es gab "Höcke"-, "Lügenpresse"- und einen vereinzelten "Volksverräter"-Ruf, aber die Stimmung im Saal wirkte keineswegs aufgeheizt. Eher missionarisch. Hier waren die, die von sich glauben, die Gesellschaft retten zu müssen, und das auch zu können.

Es gehe gar nicht um rechts oder links, behauptete Volker Dringenberg, AfD-Kreischef in Chemnitz. Es gehe um richtig oder falsch. Gauland wurde deutlicher: "Der Feind steht heute links!" Warum denn die AfD nicht offensiver auf Pegida zugehe, wurde er gefragt. Gauland sagte: "Wer ähnliche Ziele hat wie wir, muss zu uns kommen." Zwar halte er von "Distanzeritis" nichts, werde sich mit der AfD aber niemandem anschließen, dessen Ziele er nicht kontrollieren könne.

Die AfD sei eine "bürgerliche Reformpartei rechts von der CDU", so Gauland. Deren bürgerliche Anhänger dürften nicht durch Radikalismus verprellt, der Verfassungsschutz nicht aufgeschreckt werden. Allerdings, mit Hitlerdeutschland habe das Land heute nichts mehr zu tun. Frenetischer Beifall.

Gaulands Wahlkampfrede folgte dem klassischen Dreiklang: schlimme Lage, unfähige und verlogene Machthaber, die AfD als Retter. Immer wieder holte er in die Geschichte aus, zu sächsischen Königen und russischen Zaren, Hugenotten und dem Kaisermanöver, an dem sein Vater 1913 beteiligt war. Es lief dann meist darauf hinaus, dass etwas werden müsse, wie es einmal gewesen sein soll. Ordentlich und auch irgendwie "deutscher" als heute.

Der Staat, wie Gauland und seine Anhänger ihn sehen, hat in weiten Teilen abgedankt, die Kontrolle verloren und ist unter die Räuber gefallen. Ausschreitungen beim G-20-Gipfel in Hamburg? "Eine deutsche Großstadt in der Hand von Terroristen!" Die Flüchtlinge? "Völkerscharen" auf der Suche nach einem besseren Leben, die hier den Sozialstaat überfordern und zerstören.

Wenn diese Flüchtlinge aus muslimischen Ländern kommen, wird daraus eine "Landnahme" im Namen des Islams, womöglich auf Geheiß des Ajatollahs Chomeini oder Erdogans, die Gauland zitiert. Auch gelten ihm die Flüchtlinge als Quell der Kriminalität. Er sei kein Freund der Statistik, sagte Gauland. Was brauche er Zahlen: "Sie spüren ja selbst jeden Tag, dass das stimmt!" Nico Köhler, der Chemnitzer Direktkandidat, behauptete dann kurzerhand: "Die Täter sind nicht unsere einheimischen Leute, das sind die Hinzugekommenen!"

Vor allem gegen Grüne, Linke und Sozialdemokraten teilte Gauland aus - erprobte Feindbilder, um die eigenen Reihen zu schließen. In Richtung CDU wirkt bei Teilen der AfD ein rätselhafter Magnetismus, der zugleich abstößt und anzieht. Hier schwingt persönliche Enttäuschung mit. Dass Merkel die Partei neu ausgerichtet, ihr andere Wähler erschlossen und die Konservativen dabei an den Rand gedrängt hat, habe ihn zum Mitbegründer der AfD werden lassen, sagte Gauland. Auch die Chemnitzer AfDler Dringenberg und Köhler "dankten" der CDU, die sie zu AfDlern habe werden lassen.

Der Wahlkampf vor der Bundestagswahl, prophezeite Gauland, werde "knallhart". Gerührt sei er, dass sich in Sachsen für die AfD noch ein Saal wie die Parkschänke habe finden lassen. In Düsseldorf habe die AfD keinen Raum bekommen, und in Schleswig-Holstein sei der letzte Gastwirt, der an die AfD vermietet habe, dadurch ruiniert worden. "Es gehört Mut dazu, zur AfD zu stehen", rief Gauland. Aber, "um ein falsches Wort zu heiligen: Wir schaffen das!"

Die AfD kündigte für August in Chemnitz und Umgebung noch Auftritte der Parteivorsitzenden Frauke Petry, des SPD-Dissidenten Guido Reil, der Spitzenkandidatin Alice Weidel und des emeritierten Staatsrechtsprofesors Karl Albrecht Schachtschneider an. Alexander Gauland hatte am Nachmittag vor seinem Auftritt in Limbach-Oberfrohna sein Geburtshaus auf dem Chemnitzer Kaßberg besucht.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 12.08.2017
    22:39 Uhr

    Einspruch: Die FP bleibt sich bei ihrer Berichterstattung treu. Natürlich ist alles unverändert Bestens und es gibt keine neu entstandenen Probleme,die irgendeinen Zusammenhang mit irgendwas haben.

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  • 12.08.2017
    10:03 Uhr

    Dorpat: Die AfD will kein deutscheres Deutschland! Die AfD wünscht sich ein freies und friedliches Deutschland zurück, wie wir es noch vor ein paar Jahren hatten!

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