Warum US-Panzer derzeit durch Sachsen rollen

Kriegsgerät der US-Armee wird seit einigen Tagen durch den Freistaat befördert. Besonders ein mit Panzern beladener Güterzug, der in Mittweida stillsteht, wirft Fragen auf. Während sich die deutschen Behörden einsilbig geben, ist die US-Botschaft um Antworten bemüht.

Berlin/Mittweida.

Der Anblick von unbekanntem Militärgerät auf sächsischen Gleisstrecken, Bahnhöfen und Autobahnabschnitten kann zweifellos beunruhigen. In den vergangenen Tagen wurden von Lesern der "Freien Presse" wiederholt mit Panzern beladene Güterzüge gesichtet und fotografiert, mal in der Nähe von Reichenbach im Vogtland, mal in Mittweida. Im dortigen Bahnhof steht ein solcher Zug bereits seit mehreren Tagen. Man fragt sich: Was geht hier eigentlich vor?

Eine Sprecherin der US-Militärverwaltung in Deutschland mit Sitz in Kaiserslautern nennt als vermuteten Grund für die verzögerte Weiterfahrt des Panzerzugs in Mittweida orkanbedingt Streckensperrungen in Norddeutschland. Die Deutsche Bahn will sich zu den Transporten aus Datenschutzgründen nicht äußern. Auch das Bundesverteidigungsministerium schweigt sich aus. Die US-Behörden sind hingegen offener.

Von der US-Botschaft in Berlin ist beispielsweise zu erfahren, dass Sachsen in gewisser Weise Transitland ist für die Beförderung von US-Militärgerät in Richtung Polen. Dort finden derzeit verschiedener Operationen statt, die allesamt der militärischen Abschreckung gegenüber Russland dienen. Die Panzer, die derzeit per Zug auch durch den Freistaat befördert werden, stammen unter anderem von der US-Militärbasis in Elblag östlich der polnischen Stadt Danzig. Von dort wird das Gerät über Sachsen in die nordbayerische US-Basis "Rose Barracks" in Grafenwöhr gebracht und später weiter in Richtung Bremerhaven zur Rückverschiffung in die USA.

Laut US-Botschaft handelt es sich um Panzer einer Infanteriedivision, die im Rahmen der bilateral mit Polen vereinbarten US-Operation "Atlantic Resolve" seit Anfang des Jahres zeitweise dort stationiert war. "Atlantic Resolve" wurde als Reaktion auf die Besetzung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland von Ex-US-Präsident Barack Obama mitinitiiert. Alle neun Monate wird die Brigade ausgetauscht. Zu Jahresbeginn war sie mit etwa 4000 Mann und 87 Panzern nach Polen und teils in weitere osteuropäische Nato-Staaten verlegt worden.

Über die genaue Anzahl der Züge, die durch Sachsen rollen, sowie über den detaillierten Streckenverlauf will das US-Militär aus Sicherheitsgründen keine Angaben machen. Die Tatsache, dass ein mit Panzern beladener Zug aus Polen seit mehreren Tagen in Mittweida steht, während ein weiterer weiter westlich im Vogtland gesichtet wurde, legt jedoch nahe, dass der Militärtransport wohl aus mehreren Zügen besteht. Zudem gibt es widersprüchliche Angaben über Fahrtrichtungen. So soll laut Augenzeugenberichten auch ein mit Panzern beladener Zug gesichtet worden sein, der aus Richtung Hof in Bayern nach Sachsen fuhr. Hundertprozentige Klarheit über den Streckenverlauf gibt es bislang nicht.

Daneben werden in diesen Tagen im Rahmen einer weiteren Operation rund 800 US-Soldaten über Frankenberg nach Polen verlegt. Sie sind Teil eines Einsatzverbandes der Nato-Mission "Enhanced Forward Presence" (auf deutsch: Verstärkte Vorwärtspräsenz). Dieses Kontingent ersetzen ebenfalls US-Truppen, die in den vergangenen Monaten für eine begrenzte Zeit im ostpolnischen Orzysz stationiert waren.

Dorthin werden in diesen Tagen auch gepanzerte US-Radschützenpanzer vom Typ "Stryker" gebracht. Sie werden laut US-Behörden auf dem Straßenweg von Grafenwöhr durch Sachsen hindurch nach Brandenburg an den deutsch-polnischen Grenzübergang Forst transportiert. Von dort setzen sie die Fahrt nach Orzysz fort. Auch im Fall des Nato-Einsatzes ist das Ziel die militärische Abschreckung gegenüber Russland.

Die temporäre Stationierung von Nato-Truppen in Polen und im Baltikum soll dem Schutzbedürfnis der östlichen Bündnispartner nachkommen. Da die Nato-Grundakte eine dauerhafte Stationierung von westlichem Militär an der Nato-Ostflanke untersagt, rotieren die Truppen. Faktisch führt dies an der Grenze zu Russland dennoch zu einer Nato-Dauerpräsenz, die in Moskau für Kritik sorgt.

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20Kommentare
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  • 0
    1
    aussaugerges
    24.05.2018

    Zahlemann;
    Geistige Nachhilfe.
    Die Strompreise sind um über 40 % gestiegen.
    Bei mir hat Envia die Grundgebühr verdoppelt.
    Werde voll auf Solar und Gas umstellen
    Die Gaspreise sind nur um 10%.gestiegen
    Aber nur von der Krake der Deutschen.

    DIE Gaszentrale ist im Osten der allergröste Konzern.

    Aber die Tausendenden Verteiler verdienen sich dumm und dämlich.
    An russischen Gas.

    Sie wissen wohl gar nicht was das verdient wird!

    (((Das wird ganz anders wenn das von der USA kommt,ganz sicher.
    Kommt dann aber aus Liebyen.)))



    Hoffentlich geht das durch alles belgbar und beweisbar.
    Mal sehen.

  • 0
    1
    aussaugerges
    28.03.2018

    Das ist alles gegen Rußland gerichtet und gegen die bestehenden 2 Plus
    4 Verhandlungen.
    Das ist alles eine Provokation.

  • 3
    0
    Zahlemann
    18.10.2017

    @Vandanser, Es ist vieleicht etwas weit ausgelegt. Was ich damit sagen wollte:

    Die Militärfahrzeuge sind in letzter Zeit sehr oft auf der Strasse zu sehen.(denen ich als Kind auch hinterher gewunken habe)

    Die Spiele zwischen Macht, Krieg und Geld wird auf unserem Rücken ausgetragen

    Wir dürfen den ganzen Mist bezahlen.

    Ist das nun etwas verständlicher?
    Viele von uns wollen das nicht, sind dem aber hilflos ausgeliefert.

  • 3
    0
    gelöschter Nutzer
    18.10.2017

    @Zahlemann: Ich frage mich, was Dein Beitrag mit dem in der Überschrift (siehe oben) genannten, zu tun hat? Da war von Zügen mit US-Panzern die Rede und nicht von Gaspreisen und änlichem. Ich habe mich nur auf DIESEN Artikel bezogen und an den Einmarsch der Russen etc. in der CSSR bezogen. Was ja wohl wahr war. Habe damals selbst als 13jähriger am Rochlitzer Schul-Eck gestanden und den "Spaß" beobachtet. Du hast in Deinem Beitrag Sachen mit drinstehen von denen ich im Artikel keine Zeile gelesen habe.

  • 2
    3
    Zahlemann
    17.10.2017

    Nicht ganz Vandanser, viele rollen auch von selbst. Die haben ja nicht alle Ketten.
    Wie selbst die FP schreibt kommen die meisten vom Standort Grafenwöhr und fahren Richtung Polen, da dieses Land und fast ganz Europa von Russland massiv bedroht wird. Ganz schlimm ist es in Belgien und Frankreich/Straßburg, denn dort werden von der EU die Gegenmaßnahmen getroffen. Der USA sei Dank, haben diese doch in letzter Zeit in Deutschland intensiv aufgerüstet um uns zu beschützen. Da können wir nur froh sein, das sie wenigstens unser Geld nehmen um das ganze Sandkastenspiel - mit ungewissem Ausgang - zu bezahlen.

    Es freut einen auch zu hören, das die Gaspreise nun auch wieder steigen, da sie ja an den Ölpreis gekoppelt sind und nicht nach unten gingen als dieser in den letzten Jahren masiv unter Druck geraten ist. Natürlich kennt da unsere Solitarität keine Grenzen und wir pumpen das russische Zeug zurück in die Ukraine, die das Geld auch lieber für Panzer als für die Bevölkerung ausgibt.

  • 2
    1
    gelöschter Nutzer
    17.10.2017

    Die rollen nicht, die werden gerollt. Sonst würden unsere Straßen wie 1968 aussehen, als die Sowjets einen Ausflug in die CSSR machten.

  • 3
    0
    1953866
    14.10.2017

    @Dorpat, es sind, wie auch Hankman schrieb, Spekulationen: " ...Sollte tatsächlich so etwas vorliegen...".
    Nichts genaues weiß man nicht. In Ihrem Link werden übrigens zwei Ereignisse benannt: Die 800 US-Soldaten mit ihren rund 200 Fahrzeugen haben Frankenberg (!) am Dienstag verlassen. Der Zug mit US-Panzern, (wenn man keinerlei Auskunft bekommt, woher weiß man dann, dass die Panzer ohne Hoheitszeichen zur US-Armee gehören), diese Panzer stehen lt. dem Artikel immer noch in Mittweida (!). Von Geleitschutz durch US-Soldaten ist da keine Rede.
    Irgendwann werden wir die Wahrheit erfahren. Hatten Sie den richtigen "Riecher" bin ich der Erste, der Ihnen gratuliert. Versprochen!

  • 5
    2
    Dorpat
    13.10.2017

    @1953866:Und die Soldaten sind praktisch nur der Geleitschutz für die aufgearbeiteten und verkauften Panzer? Da muß man schon sehr viel Phantasie haben. Oder man will die Leser für dumm verkaufen. In der Freien Presse findet man genug Infos wenn man das will: https://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/MITTWEIDA/Militaertransport-US-Panzer-stehen-noch-in-Mittweida-artikel10024014.php?cvdkurzlink=y

  • 3
    3
    1953866
    13.10.2017

    @Dorpat, dazu gibt es mehrere Artikel mit mehreren Kommentaren. Ich schließe mich hier Hankman am 10.10.2017 14:05 Uhr an:
    https://www.freiepresse.de/LOKALES/VOGTLAND/REICHENBACH/Panzer-Transport-jetzt-Thema-in-Berlin-artikel10021936.php#kommentare
    "Spekulation 2: Das Gerät wurde im US-Auftrag in einer Firma in Europa aufgearbeitet und wird nun für den Verkauf an ein anderes Land verschifft... Sollte tatsächlich so etwas vorliegen, bezweifle ich, dass Regeln verletzt wurden. Denn in diesem Falle waren die Panzer nicht "im Dienst" und nicht ausgerüstet".
    @hkremss, Zustimmung und kleine Anmerkung: Im Gegensatz zu anderen osteuropäischen Staaten verfügten die drei baltischen Staaten nach der Unabhängigkeit und den Abzug der Sowjetarmee faktisch über keine bewaffneten Streitkräfte. Die Mannschaftsstärken betragen jetzt etwa 15000 Mann mit nur geringer Bewaffnung für das gesamte Baltikum! Da sucht man sich Partner, und dass aus den Erfahrungen mit der Sowjetunion, dieser Partner nicht Russland ist, ist verständlich. Und ja, die Angst vor "grüne Männlein" ist nachvollziehbar.

  • 4
    4
    Dorpat
    13.10.2017

    @Pixelghost: Kein Abkommen der Welt erlaubt den Amis Panzer ohne Hoheitszeichen durch Ostdeutschland und Osteuropa zu transportieren. Das ist das Brisante an der Sache. Die Linke hat schon eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung gestellt.

  • 3
    2
    BlackSheep
    12.10.2017

    @Interessierte, wehmütige Glorifizierung der Vergangenheit reicht nicht.
    @hkremss, sehr gut, grüner Daumen.

  • 8
    5
    hkremss
    12.10.2017

    @Freigeist14: Sehen Sie es mal so: Mit welchem Recht sollte Russland oder die USA oder irgendein Dritter darüber befinden dürfen, in welchem Militärbündnis Polen oder die baltischen Staaten Mitglied sein wollen? Das sind souveräne Länder mit demokratischen Strukturen und wenn die sich so entschieden haben, dann muss man das auch endlich mal akzeptieren und nicht so tun, als dürften die nur das tun, was Dritte für richtig halten! Wie richtig diese Entscheidung war, kann man sich am Beispiel der Ukraine sehr schön ansehen. Vermutlich stünden bereits unmarkierte russische Soldaten irgendwo in Estland oder Lettland und würden Unabhängigkeits-Referenden organisieren, um den Minderheiten eine Abspaltung zu ermöglichen. Nur die NATO-Mitgliedschaft kann das verhindern. Und kommen Sie nicht mit dem Argument, die russische Minderheit würde unterdrückt und müsse deshalb von russischem Militär beschützt werden. Wenn das als Argument zum Einmarsch in ein fremdes Land gut genug ist, dann waren die Erfahrungen der letzten 100 Jahre wirklich für die Katz.

  • 11
    6
    Interessierte
    12.10.2017

    Wenn man das so sieht , wird einem Angst und Bange und man fragt sich , was das soll , man könnte Schlimmstes vermuten und man fragt sich , wohin die Politiker steuern und was sie wollen und man fragt sich , nachdem man so viel unqualifiziertes aus diesen Köpfen hört , ob da oben alle kompetent genug für ihren Job sind oder das alles ist beabsichtigt und die haben etwas ganz anderes im Sinn

    Da gab es mal ein Land , das wollte sich nie wieder an einem Krieg beteiligen und hatte für den Frieden gekämpft und hatte gemeint :
    Alle Menschen sind gleich , ob weiß , schwarz , braun oder gelb und hatte Entwicklungshilfe geleistet
    Und dieses Land wurde tot gemacht und ausgeraubt und wird bis heute diffamiert und deren Menschen , die eine andere Meinung als andere Menschen haben , werden in die rechte Ecke gestellt ...

  • 5
    0
    Pixelghost
    12.10.2017

    @kartracer, der Zwei-plus-Vier-Vertrag.

  • 2
    6
    Blackadder
    12.10.2017

    @ freigeist: Könnte auch daran liegen, dass Polen z.B. nicht an den 2+4 Gesprächen beteiligt war.

  • 9
    5
    kartracer
    12.10.2017

    @Pixelghost, wie gut, daß wir Sie haben, von der
    anderen Sorte, die Alles wissen.
    Im Übrigen, welches Abkommen hat @Leserteam denn
    bezeichnet, Sie wissen das doch bestimmt?

  • 10
    8
    Freigeist14
    12.10.2017

    Richtig,pixelghost@. Aber was nicht vereinbart war und leider durch blindes Vertrauen nicht schriftlich fixiert wurde,das die US-Truppen östlich von Oder/Neiße weiter durch NATO-Territorium fahren.

  • 9
    13
    Pixelghost
    12.10.2017

    @Leserteam, offensichtlichen gehören Sie zu der Sorte von Deutschen, die meinen voll informiert zu sein und alles zu wissen, aber das tun Sie nicht.

    Das Abkommen betraf Ostdeutschland, den Rückzug der Russen und die Nichtstationierung von amerikanischen Truppen in eben diesem Ostdeutschland. Die Amis sind hier nicht stationiert, sondern fahren durch Ostdeutschland, was ihnen genau durch dieses von Ihnen bezeichnete Abkommen erlaubt ist.

  • 21
    9
    Zahlemann
    12.10.2017

    Hier fährt man quer durch Europa, koste es was es wolle und uns will man das Autofahren mit dem bösen Diesel und das herbstliche Gartenfeuer am besten ganz verbieten.
    Von den Grünen bekommen wir das Umweltbewußtsein ins Hirn gebrannt und selbst wird auf Bundesebene jeder Militäreinsatz gegen Rußland mitgetragen.
    Welch eine Heuchelei um die Macht.

  • 22
    12
    Leserteam
    12.10.2017

    Ich habe am 11.10. eine Militärkolonne auf der A72 Richtung Osten überholt. Mich überkam ein beängstigendes Gefühl, wie die "Besatzer" vermummt und mit Sonnenbrille auf ihren Fahrzeugen thronten.
    Es ist mir ein Bedürfnis ihnen zuzurufen: Geht nach Hause, wir brauchen euch hier nicht! Erfüllt euren Teil des Abkommens, so wie die Russen es getan haben. Zieht euch zurück! Leider können sie mich nicht hören...



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