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Wenn es Grund zum Feiern gibt, darf die Polizei auch mal ein Auge zudrücken - solange niemand in Gefahr ist.

Foto: Florian Schuh/dpa/Archivbild

Was ist während der WM erlaubt?

Ab dem heutigen Donnerstag rollt der Ball in Russland, und ganz Deutschland hofft wieder auf den Titel - wir erklären die wichtigsten Feierregeln.

erschienen am 13.06.2018

Fangesänge, Freudentänze und Fremde, die sich plötzlich weinend in den Armen liegen: Neben solchen Szenen auf den Fanmeilen und in den Stadien erwarten Experten für die Fußball-WM im Juni und Juli auch auf den deutschen Straßen wieder einen Ausnahmezustand. Doch nicht alles, was Spaß macht, ist erlaubt.

Was müssen Autofahrer beim Schmücken des Fahrzeugs beachten?

Klassiker beim Autoschmuck sind der sogenannte Car-Bikini, ein Überzieher in den Landesfarben für den Seitenspiegel, und Fähnchen für die Seitenfenster. "Beides ist erst einmal unproblematisch und erlaubt", erklärt Michael Siefener, Sprecher des Bayerischen Innenministeriums. "Allerdings darf der Fahrer nicht behindert werden." Die Fahne darf etwa den Blick aus dem Seitenfenster nicht versperren. Im Hinblick auf die Überzieher für die Seitenspiegel sollte man beachten, dass es mittlerweile zahlreiche Fahrzeuge gibt, an denen die Blinkleuchten im Spiegel integriert sind. Diese dürfen die Überzieher nicht verdecken. Rainer Camen vom Tüv Nord nennt einen weiteren Aspekt: "Die Fähnchen sind häufig billig gemacht und knicken oftmals ab." Der Autofahrer hafte, wenn durch Abbrechen oder falsche Befestigung Schäden an anderen Fahrzeugen entstehen. Daher rät Camen: "Spätestens vor einer Fahrt auf der Autobahn sollte der Fanschmuck demontiert werden. Die Fahnen sind nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt."

Wo liegen die Grenzen bei der Autodekoration?

Doch es gibt noch mehr kreativen Schmuck für Fans: halbtransparente Folien für die Heckscheibe oder Radkappen, Nummernschildhalter im Nationalitäten-Look oder selbst gebastelte Auf- und Anbauten. Manch einer lackiert gar sein Fahrzeug in den Landesfarben. Auch hier gilt: Es ist erlaubt, solange niemand gefährdet oder behindert wird. Rechtsanwalt Michael Burmann vom Deutschen Anwaltverein verweist in diesem Zusammenhang auf den Paragraf 30 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Darin heißt es: "Fahrzeuge müssen so gebaut und ausgerüstet sein, dass ihr verkehrsüblicher Betrieb niemanden schädigt oder mehr als unvermeidbar gefährdet, behindert oder belästigt."

Was sagt die Autoversicherung zum Schmuck?

Die Fanutensilien am Fahrzeug verursachen eine Sicherheitslücke. "Wer sich eine Fahne in die Scheibe klemmt, erleichtert Langfingern die Arbeit, denn der entstandene Spalt ist für sie eine Einladung", so Tüv-Experte Camen. Der Autoversicherer könne in einem solchen Fall die Regulierung des Schadens sogar verweigern.

Wie ist es mit den hupenden Autokarawanen, die sich nach einem erfolgreichen Spiel durch die Innenstädte ziehen?

Autokorsos müssen eigentlich angemeldet werden, erklärt Siefener. "In der Realität finden sie aber immer spontan statt." Die Polizei dürfe dann aus der Situation heraus entscheiden, ob sie den Korso zulässt oder unterbindet. "Einerseits soll alles sicher ablaufen, andererseits möchten auch die Beamten den Fans die Freude nicht nehmen", sagt Siefener. Dieses Opportunitätsprinzip gilt ebenso für das Hupen, das eigentlich nur in Gefahrensituationen erlaubt ist, aber während der WM zum Ausdruck der Freude wird. Hier muss die Polizei zwischen dem Ruhebedürfnis der Anwohner und der Fanfreude abwägen. "Die Polizei kann, muss aber nicht einschreiten. Sie kann auch mal fünfe gerade sein lassen", erklärt Burmann.

Wer haftet bei Verletzungen von übermütigen Beifahrern?

Weniger Spaß versteht die Polizei aber, wenn Gefahr im Verzug ist. Das ist der Fall, wenn jemand glaubt, es gehöre zum Feiern eines Sieges dazu, auf dem Dach oder der Motorhaube des Autos mitfahren zu wollen. Auch kann es sehr gefährlich werden, wenn man sich übermütig aus dem Fenster lehnt. Michael Siefener sind schlimme Unfälle bekannt, bei denen Personen durch das Herauslehnen Bekanntschaft mit dem Gegenverkehr machen mussten oder auf den Bordstein gefallen sind. "Der Fahrer ist hier in der Verantwortung, aber auch die Beifahrer haben eine Eigenverantwortung. Wenn etwas passiert, kann sich keiner hinter dem anderen verstecken", warnt Siefener. Rechtlich stellt sich die Situation so dar: Wenn jemand verletzt wird, haftet der Fahrer beziehungsweise dessen Versicherung. "Wenn sich der Verunfallte aber bewusst in Gefahr gebracht hat, trifft ihn ein Mitverschulden", sagt Burmann. Möglicherweise werde ihm daher nicht sein ganzer Schaden ersetzt. "Der Anspruch kann prozentual gekürzt werden."

Darf ich als Mieter eine Fahne ins Fenster hängen?

Während der Fußball-WM in Russland dürfen Mieter ihre Sympathie für ihr Lieblingsteam offen zeigen. Wer Poster einer Nationalmannschaft oder eine Nationalflagge in die Fenster seiner Wohnung hängt, stört niemanden - und auch, wenn im Mietvertrag ein Plakat- oder Fahnenverbot ausgesprochen wird, so gilt dies allenfalls für Plakate mit politischem Inhalt, für stark polarisierende oder verhetzende Meinungsäußerungen, erläutert der Deutsche Mieterbund.

Was ist auf dem Balkon erlaubt?

Auch auf dem Balkon darf Flagge gezeigt werden. Wer allerdings eine Halterung montieren oder aus anderen Gründen in die Bausubstanz eingreifen will, muss vorab seinen Vermieter um Erlaubnis fragen. Liegt diese vor, muss der Fan dennoch dafür sorgen, dass Fahnen oder Plakate fest montiert sind - also nicht herunterfallen und so Passanten verletzen oder Autos beschädigen können. Sofern dies garantiert ist, darf die Nationalflagge auch aus dem Fenster herauswehen - allerdings nur in einer Größe, in der sie nicht automatisch die Fenster der Nachbarwohnung mit abdeckt.

Wie lange darf eigentlich laut gefeiert werden?

Auch sonst müssen alle, die zu Hause die WM-Spiele verfolgen und ihre Fankultur ausleben wollen, einige Spielregeln beachten. So müssen Fans auf Nachbarn Rücksicht nehmen - und ab 22 Uhr gilt Nachtruhe auf dem Balkon, auf der Terrasse oder im Garten. Soll die Party dann weitergehen, sollten Fans in der Wohnung, in Gaststätten oder bei einer Public-Viewing-Veranstaltung weiterfeiern.

Darf ich am Arbeitsplatz Fußball schauen?

Gegen Südkorea spielt Deutschland bei der Fußball-WM um 16 Uhr, an einem Mittwoch. Für viele Berufstätige ist das Arbeitszeit. Darf ich das Spiel im Büro anschauen? Auch wenn es dem Fanherz wehtut: nein. Erlaubt ist das nur, wenn der Arbeitgeber es ausdrücklich gestattet, sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied im Deutschen Anwaltverein. "Ich habe ja einen Arbeitsvertrag unterschrieben - und der verpflichtet mich, auch zu arbeiten." Fußball zu schauen, würde davon zu sehr ablenken - auch wenn es nur ein Livestream in einem kleinen Fenster auf dem Display ist.

Und wenigstens im Radio?

Gleiches gilt für Radio-Übertragungen. Und zwar selbst dann, wenn Arbeitnehmer im Job sonst Radio hören dürfen. "Solche Duldungen beziehen sich ja meistens auf Musik, manche können dabei ja wirklich besser arbeiten", sagt Markowski. "Eine Liveübertragung ist aber was anderes, dabei kann sich eigentlich niemand mehr auf die Arbeit konzentrieren."

Wie kann ich dann sonst das Spiel verfolgen?

Ein möglicher Ausweg ist der Liveticker in Textform: Ist das private Surfen auf der Arbeit sonst erlaubt, spricht vermutlich nichts gegen den gelegentlichen Klick auf "Aktualisieren" - wenn es die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt. Und natürlich kann das WM-Gucken auch erlaubt sein, per Rundmail vom Chef etwa. Manche Arbeitgeber stellen für die großen Spiele vielleicht sogar einen Fernseher oder einen Beamer auf. Dann können sie allerdings auch verlangen, dass Mitarbeiter die 90 Minuten nacharbeiten oder dafür zum Beispiel Guthaben vom Arbeitszeitkonto verbrauchen. "Das ist dann auch ein Fall für den Betriebsrat", sagt Markowski. "Im Idealfall kann der sogar auf den Arbeitgeber zugehen und so eine Regelung vorschlagen." (dpa)

 
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