Weniger Linien, aber vollere Fernbusse

Das stürmische Wachstum ist vorbei, das Liniennetz etabliert. Die Fernbusbranche ist nicht mehr wegzudenken. Die Städte reagieren inzwischen darauf - wie Leipzig zeigt.

Leipzig.

Wer in Leipzig in einen Fernbus steigen will, muss umdenken. Statt wie bisher am Straßenrand halten die Busse ab Samstag in einem neuen Fernbus-Terminal an der Ostseite des Hauptbahnhofes. Neun überdachte Bussteige und ein Reservesteig im Außenbereich erlauben einen wettergeschützten Ein- und Ausstieg. Über dem Busbahnhof sind zudem 550 Parkplätze entstanden. "Eine bessere Anbindung ist nicht denkbar, zentraler kann ein Fernbus-Terminal nicht liegen. Gleichzeitig beenden wir die unschöne Situation in der Goethestraße, wo bisher die Fernbusse abfuhren", sagte Leipzigs OB Burkhard Jung (SPD) am Donnerstag bei der Eröffnung des privat betriebenen Objekts.

Der 15 Millionen Euro teure Bau, der binnen eines Jahres entstanden ist, zeigt, dass sich die Fernbusbranche etabliert hat. "Anfangs wussten viele Kommunen nicht, wie sie damit umgehen sollten", schätzt Christoph Gipp, Geschäftsführer des Berliner IGES-Instituts, ein. Inzwischen sei es aber eine Selbstverständlichkeit, dass man hier etwas tun müsse. Bei Investitionen in den ÖPNV werde der Fernbus nun oft mitgedacht.

Der ADAC hatte vor über einem Jahr nach einem Test von bundesweit zehn hochfrequentierten Fernbusbahnhöfen deutliche Kritik geäußert. Die Stationen könnten mit dem boomenden Linienverkehr nicht Schritt halten. Nur wenige seien kundenfreundlich. Oft müssten Reisende noch immer mit Haltestellen am Fahrbahnrand oder ohne geeignete Infrastruktur vorliebnehmen, urteilte der ADAC. Nach Einschätzung des IGES-Chefs hat sich aber einiges getan. Wie in Leipzig entstünden auch anderswo neue Anlagen. Es gebe aber hier und da immer noch Handlungsbedarf, sagt Gipp, dessen Institut die Entwicklung am Fernbusmarkt beobachtet.

Der Markt hat sich laut Gipp seit gut eineinhalb Jahren eingepegelt. Überkapazitäten - eine Folge des anfangs starken Wettbewerbs - wurden abgebaut. 242 Linien hat das Institut zu Jahresbeginn gezählt. 2015 waren es 328. Dennoch seien die Fahrgastzahlen nicht zurückgegangen. Heißt: Die Auslastung der Busse ist gestiegen. Für Gipp steht fest: Es lasse sich Geld damit verdienen. Eine negative Folge für die Kunden: Der Normalpreis ist zuletzt leicht gestiegen - von 9,9 auf 10,1 Cent je Kilometer. Schwer zu erfassen sei allerdings, wie viele Tickets zu Angebotspreisen verkauft werden. Die gestiegene Auslastung der Busse könnte zu einer Verknappung der billigeren Tickets geführt haben, glaubt Gipp. Laut IGES liegt der Angebotspreis derzeit im Schnitt bei 3,8 Cent pro Kilometer.

Dass die Branche mit ihrem Marktführer Flixbus - das Unternehmen dominiert mit 94 Prozent Anteil den Markt - künftig kräftig an der Preisschraube drehen könnte, damit rechnet Gipp nicht. Schließlich gebe es Alternativen - Mitfahrgelegenheiten per Auto und die Bahn. Gipp sieht zudem die These als widerlegt an, dass die Fernbusbranche der Bahn die Kunden wegnehme. Denn die Fahrgastzahlen im Schienenfernverkehr sind laut Institut stärker gestiegen als im Fernbusbereich. Der erhöhte Wettbewerb durch die Fernbusse hätte die Bahn vielmehr näher an die Kunden herangebracht, es gebe dort inzwischen mehr Spar- und Angebotstickets. Und dass Flixbus nun der DB auf der Schiene Konkurrenz macht, belebe das Geschäft weiter, so Gipp. An eine schnelle Ausweitung der Flixtrain-Linien glaubt er aber nicht. Am Samstag geht Flixtrain an den Start und pendelt regelmäßig zwischen Hamburg und Köln. Ab Mitte April kommt als zweite Verbindung die Strecke Berlin-Stuttgart hinzu.

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3Kommentare
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    0
    Zeitungss
    23.03.2018

    Erlebnisreisen für wenig Geld auf der Autobahn brauchen auch einen vernünftigen Start- undLandeplatz.

  • 0
    1
    Interessierte
    23.03.2018

    - das stammt bestimmt von einem Stararchitekten aus dem Westen ?

    Es kann natürlich auch so sein , das die Westler ganz anderen Geschmack haben als wir und etwas als ´schön` empfinden , was wir nicht so sehen , so , wie die auch anders denken und somit ganz anders ticken , aber da die nun das Sagen haben , müssen wir das alles nun so hinnehmen ...

    Ein sehr einladender Bus-Bahnhof
    https://www.sachsen-fernsehen.de/fernbusbahnhof-am-hauptbahnhof-eroeffnet-459652/

    Und wenn natürlich alle Geschäftsführer und Politiker bei der Bundeswehr waren und sogar Offiziere waren , braucht man sich nicht zu wundern , dass die alle so gut reden können und uns damit immer überreden wollen ?
    https://de.linkedin.com/in/stephan-pieper-80833b90

  • 0
    4
    Interessierte
    22.03.2018

    Ein richtig tolles Gebäude , toller Weststandart , von innen vor allem , was man im Fernsehen gesehen hat , das stammt bestimmt ein Stararchitekt ...

    ^Statt wie bisher am Straßenrand halten die Busse ab Samstag in einem neuen Fernbus-Terminal ...
    ( das ist in C gerade umgedreht , die stellen bald die Busse an den Straßenrand - ohne Toiletten und Imbiss



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