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Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im syrischen Tabqa.

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Russland nach Flugzeugabschuss: US-Jets potenzielle Ziele

Das US-Militär schießt einen syrischen Kampfjet ab. Russland reagiert erbost und droht Washington. Das Weiße Haus ist um Entspannung bemüht.

erschienen am 19.06.2017

Moskau (dpa) - Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfjets durch das US-Militär hat Russland den Ton gegenüber den USA verschärft und auch Angriffe nicht ausgeschlossen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau kündigte am Montag an, den Kommunikationskanal zwischen russischem und amerikanischem Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen über Syrien zu kappen. Stattdessen werde das russische Militär Flugzeuge und Drohnen der US-geführten Koalition als potenzielle Ziele ins Visier nehmen, wenn sie westlich des Flusses Euphrat fliegen. Das Weiße Haus war um eine Deeskalation der Lage bemüht.

Russland ist die wichtigste Schutzmacht des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die USA führen ein internationales Bündnis zur Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

Die Militärkoalition hatte am Sonntag einen syrischen Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-22 bei Gefechten um die IS-Hochburg Al-Rakka in Nordsyrien abgeschossen. Das Pentagon erklärte, der Jet habe zuvor Bomben in der Nähe von verbündeten kurdischen Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) abgeworfen. Das SDF-Bündnis, dem neben Kurden auch arabische Verbände angehören, führt die Offensive auf Al-Rakka mit Luftunterstützung der internationalen Koalition an.

Nach syrischen Angaben hatte die Su-22 nur IS-Stellungen angegriffen. Der Pilot sei nach dem Abschuss gerettet worden, hieß es aus syrischen Militärkreisen.

Der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow verurteilte den Abschuss als «Akt der Aggression».

Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, war um eine Entspannung der Situation bemüht. Man arbeite daran, die Kommunikation mit Russland aufrecht zu erhalten. Eine Eskalation der Situation helfe niemandem. Spicer fügte aber auch hinzu, dass sich die USA das Recht zur Selbstverteidigung vorbehielten.

Ein Sprecher der US-geführten Koalition sagte, das Bündnis werde seine Einsätze gegen den IS in Syrien fortsetzen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Sicherheit der Flugbesatzungen nicht gefährdet sei. Man habe «vorsichtige Maßnahmen» getroffen, um die Flugzeuge im syrischen Luftraum neu zu positionieren.

Unklar blieb, ob Russland seine Drohung am Montag wahr machte, und den Kommunikationskanal zum US-Militär kappte.

US-Generalstabschef Joseph Dunford erklärte in Washington, der Kanal sei am Montagvormittag noch aktiv gewesen. «Wir werden daran arbeiten, die Kommunikation neu aufzubauen», sagte Dunford. Sie habe in den vergangenen acht Monaten sehr gut funktioniert.

Die Syrischen Demokratischen Kräfte drohten unterdessen der Regierung in Damaskus. «Wir betonen, dass die andauernden Attacken des Regimes auf unsere Stellungen in der Provinz Al-Rakka uns zur Vergeltung und zu unserem Recht zur Selbstverteidigung zwingen werden», sagte Sprecher Talal Silo in einer Stellungnahme. Die Angriffe zielten darauf, den Sturm auf die IS-Hochburg Al-Rakka zu stoppen.

Die steigenden Spannungen könnten auch Einfluss die für den 10. Juli angesetzten Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana haben. Zu diesen werde auch der UN-Sondergesandte Staffan De Mistura erwartet, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow der Agentur Tass zufolge am Montag in Peking.

Manche Beobachter in Washington fürchten, dass die USA schleichend tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen werden und es zu einem direkten militärischen Konflikt mit den Truppen von Assad kommen könnte.

In den vergangenen Wochen hatte das US-Militär im Südosten Syriens mehrmals regierungsnahe Milizen angegriffen. Das Pentagon begründete das damit, dass diese eine Gefahr für US-Soldaten und verbündete Kämpfer dargestellt hätten. Alle drei Vorfälle ereigneten sich nahe At Tanf, wo rund 150 US-Soldaten oppositionelle Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausbilden.

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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Kommentare
4
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 20.06.2017
    10:50 Uhr

    Freigeist14: Vor Tagen berichtete die FP noch von Frau Merkels Kampf für den Frieden,der von Papst Franziskus unterstützt wird.
    Wo ist Frau Merkel (und die UNO)wenn man sie mal brauch und die
    Amerikaner vor einer weiteren Eskalation (ohne UN-Mandat) warnt?

    4 6
     
  • 19.06.2017
    23:18 Uhr

    Freigeist14: Blacksheep,auch Ihnen ist geläufig,daß der amtierende syrische Präsident die Russen um Beistand gebeten hatte.Ob Ihnen oder mir das passt : Das ist vom Völkerrecht gedeckt.
    Die Amerikaner scheren sich -wie gewohnt-nicht um die Souveränität eines Landes.Ohne Mandat,aber mit selbst erklärtem Recht einzugreifen,ist Syrien nur ein weiterer Kriegsschauplatz neben Libyen,dem Irak und Afghanistan.
    Der Krieg in Syrien hat so viele Kriegsparteien und Interessengruppen,so das ich mir keine Idee anmaße sondern nur auf den Frieden mit Versöhnung,Souveränität und Rückkehr der Flüchtlinge hoffen kann.

    3 7
     
  • 19.06.2017
    20:14 Uhr

    BlackSheep: Ich glaube weder die Russen noch die Amerikaner haben ein Mandat in Syrien, aber seis drum. Aber was mich interessieren würde, was müsste Ihrer Meinung nach in Syrien passieren damit dort Frieden wird?

    7 5
     
  • 19.06.2017
    09:54 Uhr

    Freigeist14: Ohne Mandat in Syrien ist dieser Abschuss ein klarer Völkerrechtsbruch.Ob jetzt Sanktionen folgen? Ach ich vergaß :Wir sind ja die Guten.

    4 8
     

 
 
 
 
 
 
 
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