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Polizeibeamte suchen in einem Forst nach Überresten Anke Becks.

Foto: Polizei

Kripo rollt Fall von 1987 neu auf: Was geschah mit Anke Beck?

Auch nach 30 Jahren können Verbrechen noch aufgeklärt werden. Das zeigt der Fall der in Plauen getöteten Heike Wunderlich. In Thüringen sucht die Polizei nun erneut nach einer verschwundenen Frau.

Von Gabi Thieme
erschienen am 13.09.2017

Mühlhausen. Erst als die Finsternis schon über den Volkenrodaer Forst im Unstrut-Hainich-Kreis hereinbrach, stellten die mehr als zehn Beamten der Thüringer Polizei und des Bundeskriminalamtes (BKA) am Dienstagabend ihre Arbeit ein. Den ganzen Tag hatten sie mit Schaufel, Spaten und Messwerkzeugen, später dann mit einem Radlader ein 400 Quadratmeter großes Waldstück förmlich umgegraben, sogar kleine Bäume gefällt. Sie hatten gehofft, Überreste von Anke Beck zu finden.

Als 19-Jährige war sie in der Nacht auf den 1. Mai 1987 spurlos verschwunden. Bis heute gibt es keinerlei Hinweise, was ihr passiert ist. Man fand weder ihre Leiche noch ihre Kleidung oder Umhängetasche.

Anke Beck hatte am 30. April 1987, am Vorabend des 1. Mai, mit Kollegen im VEB Kraftfahrzeugwerk Gotha gefeiert. Danach fuhr die angehende Studentin 23.30 Uhr mit dem Personenzug von Gotha -Ost über Bad Langensalza nach Mühlhausen. Wie die Ermittler später herausfanden, schlief sie offenbar ein und fuhr so wieder zurück nach Bad Langensalza. Dort wurde der Zug 1.25 Uhr auf Bahngleis 1 abgestellt. Zeugen wollen sie danach noch in der Bahnhofshalle und vor dem Bahnhof gesehen haben. Dann verliert sich ihre Spur. Bis heute. Ihre Eltern meldeten sie als vermisst.

Anke Beck - Seit 1987 vermisst

Foto: Polizei

Am nächsten Morgen erhielt die Polizei in Bad Langensalza einen Hinweis zu einer hilflosen Person am Spielplatz Rathausstraße unweit des Bahnhofs. Zuvor hatte sich eine Frau mit einem anonymen Anruf im Spezialkinderheim erkundigt, ob ein Mädchen fehle. Sie habe am Spielplatz eines getroffen, das angeblich seine Freunde suchte. Doch im Kinderheim fehlte niemand. Die Polizei überprüfte den Spielplatz und die Umgebung des Bahnhofs, fand aber nichts. Der Hinweis habe auch später immer wieder eine Rolle gespielt. "Es konnte nie geklärt werden, ob die Zeugin vielleicht die kleine und zierliche Anke Beck gesehen hatte", sagte die Sprecherin der Landespolizeiinspektion Nordhausen, Fränze Töpfer, gestern. Im November 1988 wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. In Vergessenheit sei der Fall nie geraten, so Töpfer, zumal die Ermittler von einem Gewaltverbrechen ausgehen mussten.

Als sich zu Beginn dieses Jahres das Landeskriminalamt Thüringen noch einmal einen ungelösten Altfall aus dem Raum Sömmerda vornahm, fielen den Ermittlern Parallelen zum Fall Anke Beck auf. Sie setzten sich mit der Mordkommission in Nordhausen in Verbindung, die daraufhin eine Ermittlergruppe "Gleis 1" mit vier Beamten bildete. Seither ist die verschwundene Anke Beck wieder allgegenwärtig.

Im Mai startete die Polizei erneut einen Zeugenaufruf. Daraufhin meldete sich zwar nicht die anonyme Anruferin von 1987, dafür aber eine Rentnerin, die die Beamten zu einem Wald bei Mühlhausen führte. Dort waren ihr seinerzeit beim Pilzesuchen frische Spuren einer Grabung aufgefallen, gab sie an. Sie habe das nicht für wichtig erachtet und scheute wohl auch den Kontakt zur Polizei, wirkte aber glaubwürdig, sagt Töpfer. "Die Polizei untersuchte die Stelle mithilfe eines Spezialhundes, der auf das Auffinden menschlicher Überreste auch nach unzähligen Jahren trainiert sei. "Der signalisierte den Hundeführer zweimal, dass etwa zu finden sei." Die Polizei sprach daraufhin von einer heißen Spur und begann dann am Dienstag, nach Anke Beck zu graben. Es wurden aber bis in fast 40 Zentimeter Tiefe keine Spuren oder andere Hinweise entdeckt. Darunter beginne eine extrem verdichtete Lehmschicht, in der nichts liegen könne, meinten die BKA-Spezialisten. Weitere Grabungen wurden als "nicht zielführend" eingeschätzt.

Laut Fränze Töpfer arbeite die Soko aber weiter an dem Fall. Auch wenn die Eltern des Opfers - anders als im Fall Heike Wunderlich - daran zunächst nicht interessiert waren. "Sie hatten irgendwie damit abgeschlossen, dass ihr Kind verschwunden bleibt, werden aber nun von uns über alle Schritte auf dem Laufenden gehalten." Es gebe noch Ansätze für weitere Ermittlungen.

 
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