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Foto: Ronny Rozum

An Dresden führt kein Weg vorbei

Bosch baut für mehr als eine Milliarde Euro eine Chipfabrik in Sachsen

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 19.06.2017

Großinvestitionen sind selten geworden. Das war in den 1990er-Jahren, als vor allem in Ostdeutschland in Größenordnung viel Neues entstand, noch anders. Der damals zwingend nötige Umbau der Industrie ist längst abgeschlossen, die Strukturen sind geformt, es wird nur nachjustiert. Auch das große Ganze hat sich verändert. Zum einen sorgt der technische Fortschritt dafür, dass rund um den Globus weniger Fabriken gebraucht werden. Zum anderen haben die großen Konzerne ihre Investitionspolitik noch stärker den globalen Handelsstrukturen angepasst. Ein weltweites Produktionsnetzwerk zu haben, ist das Gebot der Stunde. Heimat ist für die Unternehmen heutzutage kein Kriterium. Was zählt, sind Kosteneffizienz, Steuervorteile, Zuschüsse, Fachkräftepotenzial und der Marktzugang.

Die Entscheidung von Bosch, in Dresden eine Milliarde Euro in ein Hightech-Werk zu stecken, muss man auch vor diesem Hintergrund sehen. Bosch hat Standorte weltweit verglichen. Dass sich die Manager für die sächsische Landeshauptstadt entschieden, dürfte vor allem mit der hervorragenden Infrastruktur zu tun haben: Dresden hat es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, sich als der europaweit führende Standort für die Mikroelektronik zu etablieren - mit jeder Menge Forschung und Wissenschaftsexpertise, großen Herstellern wie Infineon und Globalfoundries, vielen kleineren Firmen und einem Netzwerk von Zulieferern. Das alles gibt es heute, weil Land, Bund und EU den Aufbau von "Silicon Saxony" über Jahre hinweg kräftig subventioniert haben. Dabei gab es auch etliche Rückschläge. Qimonda etwa existiert heute nicht mehr, die Überreste der Halbleiterfabrik übernahm Infineon. Und Globalfoundries musste Federn lassen und Hunderte Stellen streichen - nur, um zwei Beispiele zu nennen.

Aber all das hat dem Standort nicht geschadet. Im Gegenteil: Mit der Großinvestition von Bosch wird er künftig noch stärker dastehen. Über die 700 Jobs in der Chipfabrik hinaus werden Hunderte weiterer bei Zulieferern und Dienstleistern entstehen. Die 280 Millionen Euro, die Bund und Land aus dem Steuersäckel dazugeben, sind in diesem Sinne gut angelegtes Geld. Zudem geht es hier um einen zukunftsträchtigen Industriebereich. Es wäre fatal, die Produktion von Halbleitern allein den asiatischen Ländern zu überlassen. Denn es würde bedeuten, auf lange Sicht den Anschluss zu verlieren. Und das würde am Ende wohl noch teurer.

Freilich kann man darüber streiten, ob große Konzerne wie Bosch ihr neues Werk nicht auch komplett aus eigener Tasche finanzieren können. Klar, das könnten sie. Doch warum sollten sie es tun, wenn sie rund um den Globus mit millionenschweren Zuschüssen geködert werden? Den Ländern und Regionen bleibt letztlich keine Wahl, wenn sie im Investitionspoker um große Ansiedlungen mitspielen wollen. Dass es keine Garantie dafür gibt, dass die mit Steuergeld aus dem Boden gestampfte Fabrik am Ende ein ewiges Leben hat, muss man dabei in Kauf nehmen. Wohl oder übel.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 20.06.2017
    16:55 Uhr

    Zeitungss: Der letzte Absatz im Beitrag von J.D.Franke (FP), lässt eigentlich keine Frage offen.

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  • 20.06.2017
    10:34 Uhr

    Freigeist14: Also den Großinvestitionen in den 1990er Jahren ging erst einmal ein gewaltiger industrieller Kahlschlag voraus. Ein Euphemismus,das als "Umbau"zu verharmlosen.Gerade Dresden hatte mit Pentacon ein Werk,dessen rabiate Abwicklung mit heute gezahlten 200 Millionen Euro Fördergeldern hätte verhindert werden können.
    Aber die Ausschaltung lästiger Konkurrenz war wichtiger.
    Das der Konzern Bosch in Dresden baut,obwohl seine direkten Abnehmer in Leipzig,Zwickau oder Chemnitz sitzen ist alles Andere als Standortpolitik. Man kann es stark vereinfachen und sagen:Was Trump mit "America first !" plant, macht die CDU/SPD
    in Sachsen nicht so ähnlich :"Dresden first !".

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