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Foto: Uwe Mann

Die Nervosität in der Gesellschaft wächst

Zum Terroranschlag in der Londoner City

Von Ronny Schilder
erschienen am 05.06.2017

Man mag den Terror nicht zum hundertsten Mal verurteilen. Noch einmal feststellen, dass das Leben weitergeht, weil es weitergehen muss. Immer dringender wird die Frage, was wir tun sollen. Wir wollen wissen, wie verhindert werden kann, dass Fanatiker immer ungehemmter morden. Wir wollen hören, wie sich das Anschlagsrisiko eindämmen lässt, ohne einen Überwachungsstaat zu bauen und ein blindes Misstrauen zu entfesseln, das unser Zusammenleben zersetzt. Wir vergessen nicht, dass der Terror immer zweimal angreift: Zuerst das Leben der Wenigen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Und dann die Überzeugung der Vielen, die die freiheitliche Gesellschaft zu ihrer eigenen Verteidigung braucht.

Man sollte sich vor Leuten hüten, die sich, wie es die Autorin Juli Zeh ausdrückte, jetzt auf eine Holzkiste stellen und brüllen: "Die Welt geht unter! Und nur ich kann es verhindern." Politische Verführer erkennen ihre Stunde. Ängste auszubeuten, verspricht Aufmerksamkeit. Es ist die Zeit der "roten Linien" und Vier-Punkte-Pläne. Aber der Augenblick des Schmerzes bringt selten sachgerechte Lösungen hervor. London ist eine der am stärksten überwachten Großstädte der westlichen Welt. Der Autoverkehr ist zufahrtsbeschränkt. Doch gibt es eben keine absolute Sicherheit.

Man kann den Weg der Waffen kaum kontrollieren, weil es selten herkömmliche Kriegswaffen sind. Das ist nicht neu. Das Bonner Haus der Geschichte verwahrt eine selbstgebaute Stalinorgel, mit der die RAF die Bundesanwaltschaft angreifen wollte. Auch die NSU-Nagelbombe aus der Kölner Keupstraße liegt dort. Flugzeuge nehmen keine Zahnpastatuben mehr mit, in den USA auch keine Laptops. Alles kann gefährlich werden. Es wäre fahrlässig, Risiken zu übersehen.

Man möchte sich direkt an die Täter halten. Gibt es einen Islamisten-Terror-Prototyp? Ist er gebildet oder Analphabet, Verführer oder Verführter, Familienvater, Kämpferin oder "einsamer Wolf"? Geifernd, scheinheilig, heimtückisch still?

Gelernt haben wir, dass überraschend viele Täter bereits vorher den Behörden auffallen. Hier liegt die Chance, früher zuzugreifen, und wenn dazu Gesetze geändert werden müssten, gut. Bevor wir aber Bürgerrechte abgeben, wüssten wir gern, ob alle legalen Möglichkeiten ausgeschöpft oder, wie im Fall Amri, Behördenfehler vertuscht worden sind. Der Terrorexperte Peter Neumann hat vor Monaten vom "systemischen Versagen bei der Weitergabe von Ermittlungsergebnissen" in Deutschland gesprochen. Sind wir so gut, wie wir sein könnten?

Nach jedem Anschlag, jeder Explosion wird über die Natur dieses Terrors diskutiert. Gilt der Angriff unserem Reichtum, unserer Lebensweise, unseren Prinzipien? Oder gibt es einen größeren Zusammenhang? Der Franzose Pascal Bruckner schreibt: "Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat der Kalte Krieg aufgehört, aber uns seine Krieger hinterlassen." Er sieht die halbe Welt "unter der Herrschaft des Messers, der Machete und der Kalaschnikow". Ist Europa eine Insel?

Der Däne Dennis Meyhoff Brink hat 2015 ein islamistisches Attentat in Kopenhagen überlebt. Zwei Kräfte, schreibt er, kämpften seither in ihm: Die Angst und der Wille, sich nicht einschüchtern zu lassen.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 06.06.2017
    22:00 Uhr

    aussaugerges: Ein eng.Politiker sagte:
    Wir haben auch Schuld an den von uns verursachten Kriegen.

    In Mossul müssen sich ja absult barbarische Greultaten abspielen.
    (Siehe ARD Videos)
    Wo ist hier die Weltgemeinschaft ?

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  • 06.06.2017
    15:48 Uhr

    saxon1965: Was mich wirklich am meisten erschreckt, dass anscheinend niemand mehr nach den Ursachen für den heutigen ausufernden Terrorismus fragt!
    Alles möglichst vertuschen, verschleiern und bestenfalls noch missbrauchen, um eine 100 prozentige Überwachung Aller durchzusetzen.
    Terror von außen wird es solange geben, wie man sich anmaßt in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen oder waren es doch wirtschaftliche Interessen?
    Wer wo anders zündelt oder mit zündelt, braucht sich in dieser globalisierten Welt nicht wundern, wenn der Krieg heim kommt!
    Frieden wurde noch nie mit Waffen geschaffen.

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