Lockruf aus Davos

Stephan Lorenz über das Angebot der Kanzlerin an Putin

Während in der Ostukraine weiter geschossen wird, winken Kanzlerin und Wirtschaftsminister beim Wirtschaftsforum in Davos mit einer für Russland verlockenden Idee einer Freihandelszone von Paris bis Wladiwostok. Es ist aber wohl nicht mehr als eine Geste der Dialogbereitschaft. Wladimir Putin wird sie mit Misstrauen zur Kenntnis nehmen. Der Vorschlag einer solchen Wirtschaftskooperation stammt von ihm. Als er 2010 davon sprach, wurde er in Berlin, Paris und Brüssel noch milde belächelt.

Statt des Angebots einer Freihandelszone wäre die Aussicht auf eine Lockerung der westlichen Wirtschaftssanktionen im Moment sicher der bessere erste Schritt, um Bewegung in die festgefahrene Situation in der Ukraine zu bringen. Gleichzeitig muss die Krise auf lokaler Ebene befriedet werden - und das wird noch ein ganz schwerer Brocken. Dann steht die Regelung des Verhältnisses zwischen der Ukraine und Russland an. Das alles sollte schleunigst in eine neue europäische Sicherheitsstruktur gegossen werden. Es wird Jahre dauern, bis wieder gegenseitiges Vertrauen aufgebaut ist - wenn es überhaupt gelingt. Deutschland sollte aufpassen, dass es sich als Vermittler in dem Konflikt nicht lächerlich macht. Warum sollte Putin gerade jetzt auf das Angebot eingehen?
Gleichwohl klingt die Idee gut. Ein Wirtschaftsraum, der sich über zwei Kontinente erstreckt, über natürliche Ressourcen wie über Hochtechnologie verfügt. Es würde den Raum bieten für strategische Allianzen von Unternehmen zum Beispiel im Schiff-, Auto- und Flugzeugbau, bei Weltraumtechnologien oder der Medizin- und Pharmaindustrie. Russlands Wirtschaft braucht schließlich dringend einen gewaltigen Modernisierungsschub.

Allerdings: Eine europäisch-eurasische Freihandelszone würde kaum eine Mehrheit in der EU finden. Allen voran Polen und die baltischen Länder werden einer neuen Form der Wirtschaftsintegration mit dem früheren "großen Bruder" Moskau niemals zustimmen.
Für Russland besteht strategisch eine andere verlockende Option: die Gründung einer Freihandelszone mit China. Putin hätte also eine Alternative, die der deutschen Wirtschaft einen riesigen Markt der Zukunft verbauen würde.

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    aussaugerges
    24.01.2015

    Immer eine Freude ihre Kommis zu lesen.
    Würde sie gerne mal kennenlernen.
    Ich habe einen Bericht gesehen von der Region Wladiwostok,
    ist einfach gigantisch.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...