Wertvoller Lohn

Sophie Scheder hat mit der Bronzemedaille am Stufenbarren den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert und gleichzeitig Geschichte geschrieben. Sie erkämpfte das erste olympische Edelmetall im Turnen für Chemnitz überhaupt. Es war die bisherige Krönung für die elegante Gerätkünstlerin selbst, für das gesamte Trainerteam um Gabi Frehse beim TuS Altendorf, für alle Mitstreiter im Verein. Seit über drei Jahrzehnten wird dort eine überaus engagierte, professionelle und akribische Arbeit geleistet. Mit viel Individualismus und Enthusiasmus ein Weg beschritten, der auch immer wieder von Rückschlägen begleitet, nie auf Rosen gebettet war. Es galt auch manche Widrigkeit zu überwinden, ehe es beispielsweise im Jahre 2009 die Anerkennung als Bundesstützpunkt gab.

Doch davon ließ sich niemand beirren, wobei das Ankommen in der Weltspitze lange Zeit nicht mehr als eine Illusion, ein schöner Traum war. Teilweise mühsam ging es auf der Erfolgsleiter nach oben. Daniela Axthelm war 1999 die erste Starterin bei einer WM, Joeline Möbius erkämpfte 2006 im Nachwuchs die ersten internationalen Medaillen, holte 2009 den ersten Meistertitel bei den Damen, sorgte 2008 in Peking für die olympische Premiere. Nun sind Pauline Schäfer, die 2015 am Balken mit Bronze das erste Edelmetall bei einer Weltmeisterschaft gewann und in Rio zweimal nur äußerst knapp an den Finaleinzügen scheiterte, und eben Sophie Scheder die Stützen in einer deutschen Auswahl - und in der Weltspitze (!) angekommen.

Beide wechselten vor einigen Jahren extra nach Chemnitz - zum einen wegen der optimalen Bedingungen, zum anderen wegen der äußerst fachkundigen Betreuung, die hart und herzlich zugleich und wohl auch deshalb so erfolgreich ist. Sie sind nicht die einzigen Turnerinnen, die bislang an den Stützpunkt nach Sachsen, der bundesweit Maßstäbe setzt und ein sehr gutes Image besitzt, kamen.

Man kann nur symbolisch den Hut vor den Hauptakteuren ziehen, sich vor den Leistungen verneigen. Und die Hoffnung auf weitere Husarenstücke ist nicht unbegründet, das Ende der berühmten Fahnenstange längst nicht erreicht. Sophie Scheder und Pauline Schäfer planen bereits bis zu den Spielen in Tokio 2020 - und weitere hoffnungsvolle Talente, die nun sicher noch zusätzlich motiviert sind, stehen bereit. Diese Bronzemedaille ist für alle Beteiligten der bislang wertvollste Lohn und verdient höchste Anerkennung.

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