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US-Präsident Donald Trump geht an Bord der Air Force One.

Foto: Susan Walsh/dpa

Sicherheitsberater: US-Präsident auf wahrlich historischer Reise

Donald Trump ist auf Auslandstour. Erstes Ziel ist Saudi-Arabien. Dort will er eine Grundsatzrede zum Islam halten.

Von Karl Doemens
erschienen am 20.05.2017

Washington. Eigentlich kommt die Reise gerade recht. Die Stimmung in Washington ist gewittrig-schwül wie das Wetter. Der Präsident sieht sich als Opfer "der größten Hexenjagd in der amerikanischen Geschichte", und aus dem Weißen Haus dringen täglich neue kompromittierende Informationen an die Öffentlichkeit. Da wäre ein neuntägiger Trip in eine ganz andere Weltreligion eine angenehme Ablenkung - wenn da nicht die Sache mit der Übernachtung wäre. Donald Trump schläft nicht gerne in fremden Hotelbetten. Während des Wahlkampfes kehrte er oft abends nach Hause zurück, und im Amt verbringt er seine Wochenenden stets in seinen privaten Golf-Ressorts.

Doch vermutlich ist die Übernachtungsfrage nicht der einzige Grund, weshalb Trump nach Angaben seines Umfelds vor seiner ersten Auslandsreise angespannt wirkte. Grundsätzlich kann ein Präsident die internationale Bühne nutzen, um zu glänzen und von innenpolitischen Problemen abzulenken. Bei Trumps obsessiver Ichbezogenheit und Sprunghaftigkeit ist aber fraglich, ob es ihm gelingt, sein zunehmend weinerliches Selbstmitleid und den Sprung in peinliche Fettnäpfchen zu meiden.

Trump hat außenpolitisch bereits eine extrem steile Lernkurve hingelegt. Anfangs wollte er sich aus internationalen Konflikten komplett heraushalten, stellte die Ein-China-Politik in Frage, er wollte die Nato verlassen und die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem verlagern. Dann bombardierte er syrische Armeestellungen, freundete sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping an, versicherte, die Nato sei doch wichtig, und scheint nach eindringlichen Warnungen seiner Berater nun auch den Botschaftsumzug in Israel nicht mehr ernsthaft zu betreiben.

Auf den ersten Blick mag es verwundern, dass die erste Reise von Trump, der im Wahlkampf kräftig Stimmung gegen Muslime machte, ausgerechnet in der arabischen Welt beginnt: Nach drei Nächten in Saudi-Arabien fliegt der Präsident nach Israel, von dort nach Rom, zum Nato-Gipfel in Brüssel und schließlich zu einem Treffen der Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten auf Sizilien. Doch Trump sucht bewusst die Nähe der Golfstaaten, um ein engeres Bündnis im Kampf gegen die Terrormiliz IS zu schmieden.

Nach Israel und in die Palästinensergebiete reist Trump, weil er sich vorgenommen hat, als "Deal-Maker" den Friedensprozess im Nahen Osten wieder in Gang zu setzen. Ein Treffen mit Palästinenserführer Mahmud Abbas in Washington verlief freundlich. Aber unklar ist, ob Abbas für alle Palästinenser sprechen kann. Und die israelische Regierung hat der amerikanische Präsident durch die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Russen verärgert, die das Leben eines Agenten gefährden könnten.

Der Stopp in Italien ergab sich wegen des G-7-Gipfels. Doch das Weiße Haus bemüht sich, den Sinn der Reise dadurch zu überhöhen. Eine Audienz bei Papst Franziskus wurde organisiert. "Diese Reise ist wahrlich historisch", sagt der Nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster gestern: "Kein Präsident zuvor hat die Heimat und die Heiligen Stätten der Juden, der Christen und der Moslems auf einmal besucht." Der Präsident wolle die Menschen vereinen und bringe eine Botschaft "des Friedens, des Fortschritts und des Wohlstands".

Ganz besonders wird freilich auf die Botschaft gehört werden, die Trump in der saudischen Hauptstadt Riad verkünden will. Dort ist eine Grundsatzrede zum Islam angekündigt. Ob sie die hohen Erwartungen erfüllen wird, ist zumindest fraglich. Autor des Textes soll nach amerikanischen Zeitungsberichten ausgerechnet Stephen Miller sein, der auch den vor Gericht gescheiterten Einreisestopp für Moslems verfasst hatte.

Immer mehr Deutsche wegen Trump in Sorge

Die Politik des US-Präsidenten Donald Trump treibt nach einer aktuellen Umfrage immer mehr Deutschen Sorgenfalten auf die Stirn. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) machen sich nach Angaben des ZDF-"Politbaro- meters" von gestern große Sorgen wegen des 45. Präsidenten der USA. Ende Januar, kurz nach Trumps Amtsantritt, waren es noch 62 Prozent gewesen. Laut der aktuellen Umfrage macht sich jeder Fünfte (21 Prozent) keine Sorgen.

Anders sieht das bei AfD-Anhängern aus: Mehr als jeder zweite (62 Prozent) von ihnen ist kaum beunruhigt, während 33 Prozent alarmiert sind. Im März hatte der umstrittene Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke seiner Partei einen Wahlkampf ähnlich dem des US-Präsidenten empfohlen. Es müsse knallhart das Establishment angegangen werden, sagte Höcke. (dpa)

 
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