Elektrisch auf der Überholspur

Kein Elektro-Auto ist so kompromisslos sportlich zugeschnitten wie der Karma - Sein Schöpfer ist der Däne Henrik Fisker

Chemnitz. Wer sagt denn, dass Elektroautos durch ein puristisches Aussehen punkten müssen? Henrik Fisker beweist das Gegenteil: Mit seinem Karma stellte er einen Luxussportwagen auf die Räder, den man Exoten wie Maserati oder Aston Martin, vielleicht seinem früheren Arbeitgeber BMW zugetraut hätte. Ab 100.000 Euro kostet das flunderflache Elektrogerät. Im April erregte der Däne mit einer zweiten Neuschöpfung Aufsehen: Dem Karma stellte er den Atlantic zur Seite. Auch das Kompaktmodell sieht Aufsehen erregend progressiv aus. Es soll, wenn es in Serie geht, nur knapp 50.000 Dollar kosten und setzt auf sparsamen Hybrid-Antrieb.

Genuss ohne Reue

Die Geschichte des Dänen Henrik Fisker ist nicht die eines Öko-Freaks. Der 48-Jährige studierte Design in der Schweiz. Im Münchener Autobauer BMW fand er einen Arbeitgeber, der seinem Sinn für eine ausgefallene Formensprache, aber auch für hochprozentige Spaßautos eine Plattform bot. Fisker entwarf die Studie Z07, aus der der Sportwagen Z8 entstand. 2001 verließ er BMW. In England, bei der Traditionsmarke Aston Martin, zeichnete er für das DB9 Coupé verantwortlich. Drei Jahre später machte er sich zusammen mit seinem Kollegen Bernhard Koehler selbstständig und ließ sich in Kalifornien nieder, im Dorado der Firmengründer. Die erste Eigenschöpfung war der Fisker Tramonto. Der 449 kW/610 PS starke Motor, identisch mit dem Mercedes SL 55 AMG, zeichnete sich nicht durch sparsamen Benzinkonsum aus.

Irgendwann, so berichtet Koehler, hätten er und Fisker genug gehabt von der Entwicklung einer Spezies sportlicher Autos, die sich durch extreme Schnelligkeit, nicht aber ökologische Verträglichkeit definiert. "Wir wollen den Menschen die Freude am Auto erhalten, ohne ein schlechtes Umweltgewissen zu erzeugen", beschreibt Koehler den Ansatz. Bevor der Gesetzgeber die Menschen zwinge, auf spartanische Öko-Autos umzusteigen, wollte das Entwickler-Duo eine eigene Antwort geben. Sie lautet Genuss ohne Reue. Der Karma sieht gut aus, bietet viel Luxus und zeichnet sich durch sparsamen Spritverbrauch aus.

Zwei Elektromotoren mit insgesamt 296 kW/403 PS sind das Herzstück des Fisker Karma. Sie beziehen ihre Energie aus einer 275 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Batterie mit 20 Kilowattstunden Kapazität. Rund 80 Kilometer beträgt die Reichweite. Reizvoll ist das Sprintvermögen: In 7,9 Sekunden schießt der Karma von null auf Tempo 100 km/h - und zwar völlig geräuschlos. Alltagstauglichkeit ermöglicht die Kombination mit einem Zwei-Liter-Verbrennungsmotor mit 191 kW/260 PS Leistung. Der schaltet sich ein, wenn die Batterien erschöpft sind oder der Fahrer Vollgas gibt. Mit Hilfe des Reichweiten-Verlängerers (Range extender), einem Turbo-Motor von GM, erreicht der Karma eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h und gewinnt einen Aktionsradius von insgesamt 500 Kilometern.

Kalifornien ist für die Autopioniere nicht nur ein idealer Platz, um Geld für mutige Auto-Ideen einzusammeln. Weitere 400 Millionen Dollar hätten Investoren Fisker und Koehler anvertraut, heißt es. Bei der Kiellegung des Atlantic half sicher auch das Image prominenter Erstkäufer des Karma. Die Schauspieler Leonardo DiCaprio und Ashton Kutcher zählen dazu ebenso wie Ex-US-Vizepräsident Al Gore. "Viele gut Betuchte haben bisher einen Toyota Prius vor ihrer Villa abgestellt, sind aber mit einem Lexus, BMW oder Porsche gefahren", sagt Koehler. Mit dem Karma können sie ihre grüne Gesinnung nunmehr offen zeigen.

Solardach aus Thüringen

Im Atlantic soll die umweltbewusste Kundschaft künftig auch mehr Platz finden. Die kürzlich in New York vorgestellte Studie des neuen Modells trägt zwar Fiskers Handschrift, spricht aber mit einer großen Heckklappe, umlegbaren Rücksitzen und ausreichender Kopffreiheit auch Familien an. Auch der Atlantic wird mit Elektrokraft angetrieben. Die Lithium-Ionen-Batterien sind im Mitteltunnel platziert. Ein Vierzylinder-Benzinmotor von BMW sorgt für den Energieschub, wenn die Akkus ermattet sind.

Noch nicht entschieden ist, ob der Atlantic die Dachkonstruktion des Karma erhalten wird. Sie nennt sich Spider-Roof, also Spinnendach. Die von dem Erfurter Spezialisten Asola gelieferten Solarzellen im Dach erfüllen einen doppelten Effekt: Sie sorgen mit gekühlter Umluft für eine angenehme Innentemperatur und laden gleichzeitig eine 12-Volt-Batterie auf.

300 Mitarbeiter beschäftigt Fisker in der Firmenzentrale im kalifornischen Anaheim. Der Karma wird bei Valmet in Finnland gebaut. Er soll unter anderem in Deutschland verkauft werden. Mit dem Atlantic zielt der Däne nicht auf Konkurrenz-Modelle wie den Opel Ampera, sondern auf Mittelklasse-Fahrzeuge deutscher Premium-Hersteller. An kühnen Ideen fehlt es Fisker und Koehler nicht: In der Pipeline haben sie auch einen Oberklasse-Kombi.

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