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Foto: Rolf Vennenbernd/dpa-Archiv

Raus aus den Schulden - aber wie?

Kredite, Kartenzahlungen und unkontrolliertes Einkaufen führen schnell ins Minus. Schuldnerberater erklären am Lesertelefon Auswege.

erschienen am 14.06.2018

Jeder zehnte Erwachsene in Deutschland ist überschuldet. Es trifft nicht nur Arbeitslose, sondern zunehmend Berufstätige, wie die Verbraucherzentrale Sachsen beobachtet. Viele warten zu lange, ehe sie sich Schuldnerberatern anvertrauen. Am "Freie Presse"-Telefon hatten die Leser dazu viele Fragen. Die wichtigsten hat Gabriele Fleischer zusammengefasst.

Kann ich wegen Schulden ins Gefängnis kommen?

Bei Geldstrafen und Bußgeldern, auf die Sie nicht reagieren, droht Ihnen Haft, egal in welcher Höhe. Inhaftiert werden können Sie auch, wenn Sie dem Gerichtsvollzieher die Vermögensauskunft (früher eidesstattliche Versicherung) verweigern.

Ich mache mir Sorgen um meinen 32-jährigen Sohn. Er hat Schulden, lässt es sich aber trotzdem gut gehen.

Machen Sie ihm Mut, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Aber er muss damit einverstanden sein. Wirkliche Hilfe ist erst möglich, wenn der Schuldner einsichtig ist.

Ich habe ein Girokonto, komme aber an mein Geld nicht ran, weil es von einem Gläubiger gepfändet wird. Was kann ich tun?

Sie müssen das Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto umwandeln. Dafür stellen Sie einen Antrag bei der Bank. Bei diesem Konto sind Geldeingänge bis zu einer Höhe von 1133,80 Euro geschützt, egal von welcher Einkommensart. Kindergeld wird zusätzlich freigestellt. Erfüllen Sie gesetzliche Unterhaltspflichten, können Sie sich von einer Schuldnerberatungsstelle einen höheren Freibetrag bescheinigen lassen. Der Freibetrag richtet sich danach, für wie viele Personen Sie Unterhalt leisten, unabhängig davon, ob sie im Haushalt leben oder nicht.

Wann muss ich Privatinsolvenz anmelden? Bin ich dann die Schulden los?

Wenn Sie so viele Schulden haben, dass Sie diese mit dem Ihnen zur Verfügung stehenden Einkommen in absehbarer Zeit nicht bezahlen können, gehen Sie zu einer Schuldnerberatungsstelle, die mit Ihnen weitere Schritte bespricht. Bei Privatinsolvenz benötigen Sie eine Bescheinigung einer vom Freistaat Sachsen anerkannten Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle, um den Antrag stellen zu können. So können Sie von Ihren Restschulden befreit werden. Es gibt aber Schulden, von denen man sich nicht befreien lassen kann wie Geldstrafen, Bußgelder, Forderungen aus Straftaten, gegebenenfalls Unterhaltsverpflichtungen oder, wenn Sie wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden sind. Neuschulden, die nach Einleitung des Insolvenzverfahrens entstehen, bleiben auch.

Ich bin im Insolvenzverfahren. Was muss ich tun, damit ich die Restschuldbefreiung nicht erst nach sechs, sondern schon nach drei Jahren bekomme?

Bis zum Ablauf der drei Jahre nach Insolvenzeröffnung müssen die Gerichtskosten und 35 Prozent angemeldeter Forderungen beglichen sein. Dann können Sie die vorfristige Restschuldbefreiung nach drei Jahren beantragen. Möglich ist es auch, auf fünf Jahre zu verkürzen, wenn die Gerichtskosten bezahlt sind. Dafür müssen Sie beim Insolvenzgericht einen Antrag stellen.

Was ist zu tun, wenn ich Schulden erbe? Was passiert, wenn sich das erst später herausstellt?

Wenn Sie wissen, dass ein Verwandter Schulden hinterlässt, sollten Sie innerhalb von sechs Wochen das Erbe ausschlagen. Das müssen Sie beim zuständigen Nachlassgericht erklären. Das Gleiche sollten Sie für Ihre minderjährigen Kinder tun. Haben Sie das verpasst oder erfahren Sie es erst später, gibt es die Möglichkeit einer sogenannten Nachlassinsolvenz. Dann wird über den Nachlass die Insolvenz eröffnet.

Ich habe mehrere Kreditkarten und bin schon ins Minus gerutscht. Wie behalte ich den Überblick?

Machen Sie sich eine Übersicht über alle monatlichen Einnahmen und Ausgaben und setzen Sie sich ein Limit, was Sie maximal ausgeben können. Mit Kreditkarten kann man schnell den Überblick verlieren und weiter in die Schulden rutschen. Haben Sie eine Rechnung, die nicht bezahlt werden kann, sollten Sie versuchen, sie im nächsten Monat zu begleichen. Gelingt Ihnen das nicht, sollten Sie mit den Gläubigern eine Zahlungsvereinbarung treffen.

Meine Bank bietet mir an, die Monatsrechnung meiner Kreditkarte in Raten abzuzahlen. Wo ist der Haken?

Für eine Kreditkarte nehmen die Banken einmal monatlich einen Betrag. Bei Ratenzahlungen könnten Zinsen dazukommen, die Sie zusätzlich begleichen müssten.

Ich zahle nach Ratenplan seit Jahren zehn Euro monatlich ab. Meine Schulden werden nicht weniger.

Die Rate wird immer zuerst auf die Kosten (zum Beispiel Gerichtsvollzieher oder Mahnbescheid) und auf Zinsen verrechnet. Die Zinsen ergeben sich aus der Hauptforderung. Ist die sehr hoch, sind möglicherweise entstehende Zinsen höher als Ihre Zehn-Euro-Ratenzahlung. In dem Fall sollte die Ratenzahlung eingestellt und mit dem Gläubiger neu verhandelt werden. Die Schuldnerberatung hilft dabei, einen Vergleich zu schließen. Das heißt, die Forderung wird auf einen festen Betrag reduziert, der in einem bestimmten Zeitraum zu zahlen ist. In der Vereinbarung wird festgeschrieben, dass nach Zahlung des Vergleichsbetrages restliche Forderungen wie Zinsen erlassen werden.

Welche offenen Rechnungen sind zuerst zu bedienen? Wo ist es möglich, um Aufschub zu bitten?

Miete, Strom, Strafsachen und Bußgelder sind zuerst zu bezahlen. Diese Posten gehören zur Existenzsicherung und haben Vorrang vor Rechnungen beispielsweise für Kreditkarten, Telefon, Versandhaus. Wenn es bei den erstgenannten Schulden Rückstände gibt, sollten Sie Kontakt zu den Gläubigern aufnehmen und Ratenzahlungen vereinbaren. Bei großen Mietaußenständen helfen Schuldnerberater und Beratungsstellen der Wohnungsnotfallhilfe.

Sind Schulden nach 30 Jahren verjährt?

Wenn ein Gläubiger seine Forderungen vom Gericht bestätigen lässt, entweder als Urteil oder Vollstreckungsbescheid, ist die Verjährungsfrist auf 30 Jahre festgelegt. Dann darf der Gläubiger nichts mehr fordern. Es gibt aber Maßnahmen wie Zwangsvollstreckung, Stundung oder vereinbarte Ratenzahlungen, die die Verjährungsfrist unterbrechen. Dann beginnt die Frist neu zu laufen. Ist die Forderung nicht vom Gericht bestätigt, beträgt die Verjährungsfrist bis auf wenige Ausnahmen drei Jahre. Also eine Forderung, die 2014 entstanden ist, war ab 1. Januar 2018 verjährt. Diese Verjährung muss der Schuldner dem Gläubiger aber mitteilen. Dann muss er auch nichts mehr bezahlen.

Ist es sinnvoll, vor Renteneintritt einen Kredit aufzunehmen?

Machen Sie eine Haushaltsplanung, ob Sie den Kredit mit geringerem Renteneinkommen zahlen können.

Meine Tochter hat Schulden. Sie hatte einen Kreditvertrag für die Firma ihres Mannes unterschrieben. Inzwischen sind Ehe und Firma gescheitert. Die zwei Kinder leben bei ihr. Wie viel darf die Tochter verdienen, ohne dass man ihr etwas pfänden kann?

Bei zwei Kindern, für die Unterhaltspflicht besteht, wird der Freibetrag beim Arbeitseinkommen bis 1800 Euro gewährt. Das ist in einer Pfändungstabelle festgelegt. Erst über diesem Betrag wird man pfändbar.

Ich habe einen Gelben Brief mit Mahnbescheid bekommen. Wie reagiere ich am besten darauf?

Prüfen Sie, ob die Forderung begründet ist. Wenn nicht, legen Sie innerhalb von zwei Wochen ab Erhalt des Briefes Widerspruch beim Gericht ein. Ein entsprechendes Formular liegt dem Brief bei. Widersprechen Sie nicht, erhalten Sie einen Vollstreckungsbescheid. Wird auch dem nicht widersprochen, wird die Forderung rechtskräftig, selbst wenn sie falsch war. Damit sind keine Einwendungen mehr möglich.

Bei mir war ein Außendienstmitarbeiter eines Inkassounternehmens, um Geldforderungen einzutreiben. Muss ich ihn in meine Wohnung lassen?

Nein. Er hat kein Recht dazu. Das hat nur der Gerichtsvollzieher. www.freiepresse.de/schuldner

Telefonforum: Am Lesertelefon waren: Janet Viehweger, Diakonie Rochlitz; Cornelia Hansel, Verbraucherzentrale Sachsen; Beate Bannert, Caritas Dresden.

 
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