Wie berechne ich den Unterhalt?

Wenn Unterhaltsverpflichtete nicht oder nur in geringem Maße zahlungsfähig sind, springt der Staat mit Unterhaltsvorschuss ein. Doch muss das Geld zurückgezahlt werden? Viele Anrufer bewegte diese Frage. Zwei Familienrechtsanwälte und eine Sachgebietsleiterin des Jugendamtes beantworteten die Fragen. Stephanie Wesely hat sie notiert.

Was wird bei der Unterhaltsberechnung als Einkommen gewertet? Darf ich tägliche Fahrtkosten abziehen, oder Kredite fürs Haus? Was ist mit einer privaten Altersvorsorge als Direktversicherung über meinen Betrieb?

Es zählt das bereinigte Nettoeinkommen. Dafür sind vom Brutto Steuern, Sozialabgaben, Vorsorge- und berufsbedingte Aufwendungen abzuziehen. Fahrtkosten können Sie ansetzen, die Kredite fürs Haus aber nicht. Die Direktversicherung bleibt bei der Einkommensermittlung unberücksichtigt. Das wurde in Gerichtsurteilen bestätigt.

Mein Sohn ist in Ausbildung, aber noch nicht volljährig. Er bekommt Lehrlingsgeld. Wie wird der Unterhalt berechnet?

Anhand des Einkommens des nichtbetreuenden Elternteils wird der Bedarf des Kindes ermittelt. Vom Bedarf wird das halbe Kindergeld und die Hälfte des Lehrlingsgeldes abgezogen. Den Rest zahlt der Unterhaltspflichtige. Ihrem Sohn steht außerdem ein ausbildungsbedingter Mehrbedarf von maximal 100Euro im Monat zu.

Ich zahle knapp 400 Euro Unterhalt für meine Tochter. Seit einem Jahr bin ich krank und bekomme nur 1 450 Euro Krankengeld. Muss ich den Unterhalt immer noch in der Höhe zahlen?

Fast, denn als Krankengeldempfänger haben Sie einen geringeren Selbstbehalt als ein Berufstätiger. Ihnen stehen 880 statt 1080 Euro im Monat zu. Damit zahlen Sie für Ihre Tochter 394 Euro, vorausgesetzt, das Kind bezieht kein Ausbildungsentgelt oder Bafög. Das würde den Unterhalt mindern.

Meine 13-jährige Tochter lebt bei mir, mein Mann verdient 1600 Euro und hat täglich 50 Kilometer Arbeitsweg, aber keine Mietausgaben. Wie viel Unterhalt muss er zahlen?

Die erste Einkommensgruppe reicht bis 1900 Euro im Monat. Die Anrechnung der Fahrtkosten würde daher die Unterhaltshöhe nicht verändern. Der Unterhaltsbetrag lässt sich aber nicht pauschal benennen. Denn wenn für die Fahrstrecke eine Einkommensteuererstattung anfällt, würde diese eingerechnet. Die Mietersparnis ist aber auf jeden Fall unterhaltsrelevant.

Ich zahle Unterhalt für mein Kind. Da ich oft auswärts arbeite, erhalte ich Auslöse. Zählt das als Einkommen?

Ja, wobei die Aufwendungen, die Sie am anderen Arbeitsort haben, abzuziehen sind. Wird die Auslöse als monatliche Pauschale gezahlt, gilt ein Drittel davon als Einkommen.

Ich habe 2200 Euro Einkommen und zahle für meinen zehnjährigen Sohn. Laut Tabelle sind das 419 Euro, das Jugendamt sagt 439 Euro. Warum?

Da Sie nur für eine Person Unterhalt zahlen, rücken Sie automatisch in die nächsthöhere Einkommensgruppe, denn die Tabelle geht immer von zwei Unterhaltsverpflichtungen aus. Hätten Sie drei Kinder, würde die nächst niedrigere Einkommensgruppe angesetzt. Vom Tabellenbetrag wird die Hälfte des Kindergeldes abgezogen.

Mein Sohn ist 30, schwerbehindert und studiert. Trotz seines Alters bekommt er deshalb noch Kindergeld. Sein Vater hat aber seit fünf Jahren die Unterhaltszahlung eingestellt. Er sagt, er müsse nur bis 25 zahlen. Was kann ich tun?

Bei Behinderten sind Eltern grundsätzlich ein Leben lang unterhaltsverpflichtet. Eine Altersgrenze von 25 gibt es nicht. Ihr Sohn kann vom Vater Unterhalt einfordern.

Mein Enkel (25) hat keinen Berufsabschluss. Er bekommt 318 Euro vom Jobcenter. Seine Eltern zahlen ihm 600 Euro, haben aber selbst nur 1600 Euro. Wie lange müssen sie zahlen?

Gar nicht mehr. Denn Eltern sind nicht mehr unterhaltspflichtig, wenn das Kind volljährig ist, aber nichts für seine wirtschaftliche Selbstständigkeit tut, also weder arbeitet, noch eine Ausbildung macht.

Mein Ex-Mann hatte jahrelang ein niedriges Einkommen unter dem Selbstbehalt. Ich bekam Unterhaltsvorschuss. Muss er den Vorschuss jetzt zurückzahlen, wenn er über der Grenze liegt?

Nein. Für die Zeit, in der er nicht leistungsfähig war und das Kind rechtmäßig Unterhaltsvorschuss bekam, muss er nicht nachzahlen. Ihr Ex-Mann sollte dem Jugendamt regelmäßig Einkommenserhöhungen melden, damit die Behörde prüfen kann, ob er zu einem Teil selbst Unterhalt leisten kann.

Muss ich auch Unterhalt zahlen, wenn mein Sohn mir den Umgang verweigert?

Die Unterhaltspflicht ist nicht an den Umgang gebunden. Da der Kontakt mit beiden Eltern wichtig ist, sollte der Grund für die Umgangsverweigerung ermittelt werden.

Mein Mann und ich leben getrennt, wollen aber versuchen, unsere Ehe zu retten. Muss einer jetzt Unterhalt für unsere zwei Kinder zahlen oder können wir das auch untereinander klären?

Ja, die Unterhaltspflicht besteht. Auf die Höhe können Sie sich aber mit Ihrem Mann einigen.

Unsere Kinder werden zu gleichen Anteilen von uns beiden betreut. Wir wechseln wöchentlich. Wer zahlt Unterhalt?

Beim Wechselmodell sind grundsätzlich beide Eltern unterhaltspflichtig. Die Höhe ermittelt sich anteilig nach dem Einkommen jedes Elternteils. Zudem bekommt immer nur ein Elternteil das staatliche Kindergeld. Das ist beim Unterhalt dann zu verrechnen.

Da ich aufgrund meines niedrigen Einkommens nicht zahlungsfähig bin, bekommt mein Sohn Unterhaltsvorschuss. Regelmäßig muss ich dem Jugendamt meinen Verdienst nachweisen. Was ist, wenn ich das nicht tue?

Dann werden Sie zahlungspflichtig und das Geld läuft als Unterhaltsschuld auf. Denn das Jugendamt geht davon aus, dass Sie zahlungsfähig sind, wenn Sie der Behörde nicht das Gegenteil beweisen.

Meine Lebenspartnerin hat ein Kind aus erster Ehe, für das sie Unterhalt bekommt. Wenn wir heiraten, bin ich dann für ihr Kind zahlungspflichtig?

Nein, da Sie nicht der Vater des Kindes sind.

Müssen volljährige Kinder im Studium einen Bafög-Antrag stellen, bevor sie die Eltern in Anspruch nehmen?

Ja, da das Bafög den Bedarf des Kindes mindert. Der Unterhalt fällt damit geringer aus.

Die Unterhaltsleitlinien und die aktuelle sächsische Tabelle gibt es auf den Seiten des Oberlandesgerichts Dresden unter: www.freiepresse.de/unterhalt

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...