Mit Kursverlusten Steuern sparen

Altverluste können mit aktuellen Gewinnen verrechnet und damit kräftig Steuern gespart werden

Chemnitz.

"Was fort ist, ist fort", sagt der Kölner, wenn eine Sache verloren ist, zuckt mit den Achseln und wendet sich der Zukunft zu. Aktienanleger müssen die Vergangenheit aber nicht mit derlei rheinischem Fatalismus ruhen lassen. Zumindest dann nicht, wenn sie zu all denen gehören, die in der Finanzkrise 2008 Verluste gemacht haben. Solche Altverluste, wie der Fiskus sie nennt, können mit aktuellen Kursgewinnen verrechnet werden. Das spart Steuern, klappt aber nur noch ein einziges Mal - in der Steuererklärung 2013.

"Anerkannt werden nur Altverluste, für die der Anleger eine Verlustbescheinigung des Finanzamtes aus einem früheren Jahr hat", erklärt Michael Wietasch, Steuerberater in Hof. Auch können nicht alle Kapitalerträge mit alten Verlusten verrechnet werden. Grundsätzlich kommen nur Kursgewinne aus dem Verkauf von Aktien, Fonds, Zertifikaten oder Anleihen infrage. "Zinsen und Dividenden dürfen nicht aufgerechnet werden", so Wietasch.

Zunächst Gewinne erwirtschaften

Also müssen Anleger erst Gewinne realisieren, um ihre Altverluste zu nutzen. Da sich der Dax derzeit auf Höhenflug befindet, dürfte das kein Problem sein. Auch nicht für Aktionäre, die ihre Papiere eigentlich behalten wollen: "Anleger können Aktien mit Gewinn verkaufen und sie dann wieder zurückkaufen", weiß Experte Wietasch. Sofern Kauf- und Verkaufskurs nicht identisch sind, gelten solche Transaktionen als korrekt, wie ein Urteil des Bundesfinanzhofs belegt (AZ., IX R 60/07).

Bei Fondssparplänen ist die Sache etwas komplizierter. Läuft ein Sparplan bereits seit vielen Jahren, hat der Anleger Anteile, die vor und Anteile, die nach dem 1. Januar 2009 gekauft wurden. "Plansparer sollten bei ihrer Depotbank daher schnell beantragen, dass alte und neue Anteile auf zwei getrennten Depots geführt werden", erklärt German Reng, Anlageexperte aus München. Sind die Stücke, wie Fondsanteile auch genannt werden, einmal sauber sondiert, veranlasst der Anleger seine depotführende Bank, nur die Anteile zu verkaufen, die er seit 2009 erworben hat. Der Grund: Erträge, die bei der Veräußerung älterer Anteile realisiert werden, sind ohnehin steuerfrei. Da gibt es nichts zu verrechnen. Sofern der Anteilseigner von einer guten Entwicklung seines Fonds ausgeht und das Kapital nicht benötigt, sollte er die älteren Stücke im Fondsvermögen belassen. "Schließlich ist auch jeder weitere Wertzuwachs bei einem künftigen Verkauf steuerfrei", erklärt Reng.

Anleger, die jetzt steuerpflichtige Gewinne aus Wertpapiergeschäften realisieren, sollten nach Ansicht der Steuerexperten aber aufpassen, dass diese auch in voller Höhe mit den Altverlusten verrechnet werden. Üblicherweise zieht die Depotbank von Kursgewinnen zunächst den Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro bei Ledigen und 1602 Euro bei Verheirateten ab. Den verbleibenden Betrag mindert das Institut dann um aktuelle Verluste. "Nur wenn danach noch Gewinne übrig sind, können diese mit Altverlusten verrechnet werden", sagt Reng. Deshalb blieben Einbußen aus der Vergangenheit zum Teil ungenutzt.

Zweites Depot kann helfen

Das muss allerdings nicht sein, die Steuerfachleute kennen da einen Kniff: Sie empfehlen Anlegern ein zweites Depot bei einer anderen Bank zu eröffnen. Wertpapiere, die mit Gewinn verkauft werden sollen, werden auf das neue Depot übertragen. Von den realisierten Kursgewinnen wird maximal ein Teil des Sparerfreibetrages abgezogen, sofern dieser noch nicht voll ausgereizt ist. Die verbleibende Summe kann aber voll mit bestehenden Altverlusten verrechnet werden. Der Grund: Auf dem neuen Depot gibt es keine aktuellen Verluste. Zwar führt die Bank zunächst 25 Prozent Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab. Diese holt sich der Anleger über die Jahressteuererklärung aber zurück (siehe Info-Beitrag "Was die steuerlichen Regelungen besagen").

"Wer Altverluste in voller Höhe nutzen möchte, darf in der Steuererklärung 2013 natürlich nicht auch noch die Neuverluste geltend machen, die sich eventuell auf dem ersten Depot angesammelt haben", sagt Reng. Andernfalls würde der Fiskus diese wieder zuerst verrechnen. Neuverluste bleiben einfach auf dem Depot als sogenannter Verlusttopf stehen. Die Bank trägt sie automatisch in kommende Jahre vor. Der Anleger kann sie beim Finanzamt geltend machen, wann immer er möchte. Denn im Unterschied zu Altverlusten sind neue Verluste nicht eines Tages einfach fort.

Was die steuerlichen Regelungen besagen

Warum verfallen Altverluste?

Seit 1. Januar 2009 belegt der Fiskus Kapitalerträge mit 25 Prozent Abgeltungsteuer. Bis Ende 2008 waren Gewinne aus Wertpapiergeschäften steuerfrei, wenn die Papiere nach einer Haltezeit von einem Jahr (Spekulationsfrist) verkauft wurden. Erträge aus der Veräußerung von Wertpapieren und Fondsanteilen, die vor 2009 gekauft wurden, sind weiterhin steuerfrei. Für Kursverluste aus der Zeit vor 2009 hat der Gesetzgeber eine Übergangszeit von fünf Jahren vorgesehen. Solange können die Altverluste noch steuerlich geltend gemacht werden. Diese Frist endet 2013.

Wie werden die Verluste geltend gemacht?

Altverluste werden in der Anlage KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen) zur Einkommenssteuererklärung angegeben. Die Verlustbescheinigung des Finanzamtes aus einem früheren Jahr muss der Steuererklärung beigefügt werden. Ohne Verlustbescheinigung ist eine Verrechnung nicht möglich. Nachträglich können Altverluste nicht mehr bescheinigt werden.

Wie können Altverluste nach 2013 genutzt werden?

Altverluste können über 2013 hinaus noch mit Gewinnen aus dem Verkauf von Immobilien, Antiquitäten und Edelmetallen (Barren und Münzen) verrechnet werden. Auch das mindert die Steuer.

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