Männer in den Wechseljahren

Noch ist es ein Tabuthema. Doch die Hormonumstellung kann auch dem starken Geschlecht zu schaffen machen.

Frauen haben es schon immer geahnt: Auch Männer können in die Wechseljahre kommen. Nur spricht kaum jemand darüber. Der Fachbegriff dafür heißt übrigens Klimakterium virile, auch Andropause oder kurz PADAM genannt - partielles Androgendefizit des alternden Mannes.

Während bei Frauen in den Wechseljahren die Hormonproduktion in den Eierstöcken innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums zurückgeht und letztlich versiegt, nimmt die Hormonproduktion bei Männern langsam ab und erreicht nur selten ein Defizit. Angesichts des schleichenden Prozesses treten die Beschwerden nicht so klar zutage. Ein entscheidender Unterschied ist zudem, dass Frauen nach der Umstellung ihre Fruchtbarkeit verlieren, während der Mann bis ins hohe Alter zeugungsfähig bleibt. Frauen wiederum behalten ihre Orgasmusfähigkeit bis zum Ende ihres Lebens, wogegen bei den Männern Potenzschwierigkeiten auftreten können.

Haarausfall und Impotenz

Die Umstellung der Hormonproduktion kann beim Mann zwischen dem 45. und dem 60. Lebensjahr erfolgen. Es werden immer weniger Sexualhormone gebildet, und ein großer Teil der Androgene wird in Östrogene umgewandelt. Die Liste der möglichen Symptome liest sich alles andere als erstrebenswert: kreisrunder Haarausfall, Gewichtszunahme, Leistungsabfall, Nachlassen der Merkfähigkeit, Sehschwächen, häufiges Wasserlassen besonders in der Nacht, Erektionsschwäche, Impotenz, verminderter Samenerguss, Prostatavergrößerung, zunehmende Angst vor Krankheiten, Gedanken an den Tod, Libidoschwierigkeiten, Einsamkeitsgefühle, Beziehungsprobleme, das Gefühl, etwas verpasst zu haben, Angst vor dem Alter.

Männer in der Andropause klagen allerdings auch über plötzliche Hitzewallungen und stellen, genau wie die Frauen, eine merkliche Gewichtszunahme fest. Es ist schwierig, allein anhand der Beschwerden, die einen Mann im mittleren Alter belasten, die Grenze zwischen normalen altersbedingten Veränderungen - also einer Midlife-Crisis - und einem echten, eventuell behandlungsbedürftigen Hormonmangel zu ziehen. Ein echter Testosteronmangel kann bei längerer Dauer zu einer Verminderung der Knochendichte, zu Blutarmut mit Blässe, Müdigkeit, Leistungsschwäche und zur Zurückbildung von Muskelgewebe führen. Ausgeprägter Hormonmangel kann auch Depressionen, einen Verlust des sexuellen Interesses und Potenzprobleme bis hin zur Impotenz hervorrufen. In einigen Fällen kann beim echten Testosteronmangel eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein. Fragwürdige Symptome der bisher nicht klar definierten männlichen Wechseljahre sind hingegen kein Grund für eine Behandlung mit Testosteron und/oder mit Dehydroepiandrosteron (DHEA).

Natürliche Folgen des Alterns

Generell lässt sich sagen, dass die Veränderungen sowohl beim Mann als auch bei der Frau ganz natürliche Folgen des Alterungsprozesses sind, und nur selten zu schweren behandlungsbedürftigen Beschwerden führen. Wie bei den Frauen treten auch bei Männern in diesen Jahren häufig psychosoziale Belastungen, eventuell psychische Probleme, sexuelle Frustration und Stimmungsschwankungen auf. Für Männer gilt im Grunde Ähnliches wie für Frauen. Das Wichtigste in dieser Lebensphase ist deshalb, sich der Tatsache zu stellen, dass niemand dem Altern entkommen kann. Diese Einsicht erlaubt es, sich der Gestaltung der reifen Lebensjahre zu widmen. Fitness, gesunde Ernährung, geregelte Entspannungsphasen und Stressbewältigung sind für Männer ebenso wichtig wie für Frauen.

Für Frauen ist es selbstverständlich, sich mit dem Thema Wechseljahre auseinander zu setzen. Männer jedoch haben bis heute kaum Möglichkeiten, sich zu informieren. Das männliche Prinzip steht für Verstand und Logik. Gefühle sind weitgehend außer Kraft gesetzt, die Kontrolle zählt. Es handelt sich offenbar um ein Tabuthema für Männer, das gleichzeitig von gewisser Ratlosigkeit gekennzeichnet ist. Insofern kann Beratung nicht schaden.

Leserforum Wechseljahre

Die Autorin Mariann Gellai ist Wechseljahresberaterin aus Dresden. Sie will über die Veränderungen aufklären und Frauen und Männern neue Perspektiven in der Lebensmitte aufzeigen.

Am 8. Oktober, 18.30 Uhr, ist sie Referentin beim Leserforum im Haus der Presse, 01067 Dresden, Ostra-Allee 20. Auch Männer sind willkommen.

Karten ab 10 Euro gibt es per Telefon unter 0351 48642002 oder im Internet auf der Seite www.sz-ticketservice.de

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