Tasse statt Tampon

Menstruationsbecher sollen eine preisgünstige und ökologische Alternative sein - doch wie gut und praktikabel sind sie?

Menstruationsblut in einer Tasse sammeln und ausspülen? Für viele Frauen ist das kaum vorstellbar. Den meisten behagt es schon nicht, nur einen Blick auf die eigenen Binden oder Tampons werfen zu müssen. Und doch setzt sich der Trend aus dem Internet langsam durch und ist nun auch in den Drogerien in Deutschland angekommen.

Wie funktioniert die Menstruationstasse eigentlich?

Es handelt sich bei dem sogenannten Menstruationstasse um eine Möglichkeit, die monatliche Blutung schon in der Scheide aufzufangen. Dazu wird ein kelchförmiges Behältnis aus Silikon, Kunststoff oder Latex mit den Fingern zusammengedrückt und in die Scheide eingeführt. Dort saugt sich das Gefäß fest und fängt das Blut auf. Deswegen wird es als Tasse bezeichnet.

Wie gut schützt sie im Vergleich zu Binden und Tampons?

Während Binden und Tampons das Menstruationsblut aufsaugen und dabei auch mal etwas daneben gehen kann, wird es von der Tasse vollständig aufgefangen. Das Fassungsvermögen ist deutlich größer und eine Tragezeit bis zu zwölf Stunden möglich, bevor der Becher voll ist und geleert werden muss. Tampons müssen spätestens alle acht Stunden gewechselt werden.

Merkt man die Tasse beim Tragen?

Nachdem der Menstruationsbecher in die Scheide eingeführt wurde, ist er genauso wenig zu spüren wie ein Tampon. Es gibt die Tassen in verschiedenen Größen, sodass sie sich für junge Mädchen als auch für Frauen eignen, die schon Kinder bekommen haben. Die Tassen einiger Hersteller sollen beim Sport sogar besonders gut sitzen. Gerade beim Schwimmen und in der Sauna sind sie tatsächlich unauffälliger. Die Frau muss nicht mehr darauf achten, ob ein kleiner Faden zu sehen ist.

Welche Vorteile gibt es noch?

Während der Regelblutung ist die Scheidenflora durch die Menstruationstasse besser geschützt. Denn im Gegensatz zum Silikon des Bechers können Tampons die Scheide austrocknen. "Beim Einsetzen und Herausziehen können Gewebereste in der Vagina hängen bleiben und Keim-Nester bilden", sagt Doris Scharrel vom Berufsverband der Frauenärzte. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass die Tassen hygienischer sind.

Welche Nachteile hat die Tasse?

Als Erstes muss sich die Frau natürlich überwinden. Immerhin greift sie mit ihren Händen in ihren Körper und kommt direkt mit ihrem Menstruationsblut in Kontakt. Der Umgang mit der Tasse braucht viel mehr Hygiene und Übung als der Umgang mit Tampons. Denn die Menstruationstassen zeichnen sich dadurch aus, dass sie wiederverwendbar sind. Damit sind sie aber auch nicht mehr so keimfrei wie eingeschweißte Tampons. "Wenn die Tasse über längere Zeit verwendet wird, fangen einige Produkte an, leicht zu riechen. Man sollte sie dann wechseln", rät Scharrel.

Ist das Ausspülen des Blutes nicht ein wenig lästig?

Vielleicht, aber es lässt sich nicht vermeiden. "Auf keinen Fall sollte die Menstruationstasse einfach ausgekippt und ohne Abspülen wieder eingesetzt werden", sagt Scharrel. Zusätzlich sollte nach der Regelblutung die Silikontasse abgekocht und keimfrei aufbewahrt werden. Ein wenig schwieriger ist die Handhabung auf öffentlichen Toiletten. Da kann feuchtes Toilettenpapier helfen. Oder man steckt sich spezielle Reinigungstücher für die Tasse ein.

Kann man mit der Menstruationstasse keine "Tamponkrankheit" bekommen?

Bei der umgangssprachlich als Tamponkrankheit bekannten Infektion handelt es sich um das Toxische Schock-Syndrom (TSS). Es ist ein sehr seltenes Kreislauf- und Organversagen, das durch Bakterien im Blut ausgelöst wird. Sie können sich besonders gut vermehren, wenn das Blut durch Tampons am Abfließen gehindert wird. "Es wurde auch bereits über ein TSS bei Verwendung einer Menstruationstasse berichtet", sagt Scharrel. Insofern können sich auch damit krankmachende Keime vermehren. Normale Binden haben diese Nachteile nicht.

Ist eine Menstruationstasse umweltschonender?

Da die Tassen wiederverwendbar sind, schonen sie zum einen den Geldbeutel, zum anderen die Umwelt, da kein Müll produziert wird. Allerdings sind sie nicht ewig nutzbar. "Solange sichergestellt ist, dass sie wirklich keimarm ist und sich in ihren Poren nicht dauerhaft Krankheitserreger einnisten, kann die Tasse genutzt werden", sagt Scharrel. Eine genaue Zeitspanne ist derzeit noch nicht bekannt. Laut Herstellern soll die Tasse zehn Jahr verwendbar sein. Es gibt aber auch noch andere Damenhygieneartikel, die mehrfach benutzbar sind, zum Beispiel Menstruationsschwämme. Die müssen nach dem Tragen allerdings noch gründlicher ausgespült und gekocht werden. Da kann von besserer Hygiene wohl nicht gesprochen werden.

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