Der Safranapfel kehrt zurück

Sachsens Pomologen retten eine bedrohte regionale Obstsorte - und bieten sie für den heimischen Garten an.

Er soll wunderbar saftig sein und von feinem süß-säuerlichen Geschmack. Doch obwohl er ein alter Sachse ist, hat ihn kaum jemand schon mal gekostet. Denn der Safranapfel gehört zu den bedrohten regionalen Obstsorten. "Nur noch im Vogtland und im Westerzgebirge stehen vereinzelte Bäume", sagt Georg W. Schenk von der Landesgruppe der Pomologen.

Der Verein von Obstkundlern setzt sich für die Rettung historischer Sorten ein. "Im Laden finden wir heute bestenfalls fünf bis zehn Sorten Äpfel", sagt er. Dabei gebe es Tausende - jede etwas anders in Farbe, Form, Geschmack und Verwendung. Doch mit dem Übergang zu intensiven Anbauverfahren verloren die traditionellen bäuerlichen Sorten wirtschaftlich an Bedeutung. Ein Verlust auch an Vielfalt.

Damit sich das ändert, küren die Pomologen eine Sächsische Obstsorte des Jahres. Nach der Gelben Sächsischen Renette fiel die Wahl diesmal auf den Safranapfel. Eine Chronik von Pomologe Christian Lehmann bezeugt den Anbau bereits vor 1700 im Westerzgebirge. "Um 1800 soll er wegen seiner guten Haltbarkeit eine geschätzte Handelsware auf der Leipziger Herbstmesse gewesen sein", sagt Lehmann.

Ein etwa zehn Jahre altes Bäumchen steht heute im Garten von Klaus Schwartz in Löbau. Schwartz sammelt schon seit den 80er-Jahren Obstsorten. Mit über 500 verschiedenen Apfelsorten besitzt er heute sachsenweit eine der reichsten Sammlungen in Privatbesitz. "Der Reiser für meinen Safranapfel stammt aus dem Vogtland", erinnert er sich. "Inzwischen misst der Baum fast vier Meter und trägt das dritte Jahr." Nach einer Pflanzenschutzprüfung hat Schwartz über 200 neue Reiser geschnitten und in sächsische Baumschulen zum Veredeln gebracht. Dort werden die inzwischen jungen Safranapfelbäumchen für je 20 bis 40 Euro verkauft. "Wir hoffen, dass sie bald wieder in vielen Gärten heimisch sind", sagt er.

Die Sorte gilt laut Schwartz als außerordentlich frosthart. Sie habe sich deshalb selbst in den rauen Lagen des Vogtlands bewährt. An den Boden stelle sie keine besonderen Ansprüche. Allerdings empfiehlt der Pomologe ein gelegentliches Auslichten. "Der Safranapfelbaum kann ein hohes Alter erreichen. Er bildet dann breite schirmartige Kronen", so der Pomologe.

Die ersten, die den neuen alten Apfelbaum wieder anpflanzen, werden morgen Kita-Kinder in Waldkirchen sein. Zudem wollen Sachsens Pomologen die Sorte an diversen Apfel- und Sortenbestimmungstagen im Herbst vorstellen. "Seinen Namen verdankt der Apfel wahrscheinlich seiner tiefgelben Grundfarbe", sagt Pomologe Schenk. "Denn Safran lässt sich zum Gelbfärben von Gerichten verwenden."

Wie abwechslungsreich Äpfel aus Sachsen sein können, demonstrieren die Obstkundler zu den Mitteleuropäischen Pomologentagen am 2. Oktober in Bad Muskau. Mit dabei dann auch der Safranapfel.

Hier gibt's die Safranapfelbäumchen

In Sachsen:

- Markranstädt Baumschule Georg Frank, Lützner Straße 88.

- Geithain HEROS-Baumschulen Kontor, Niedergräfenhain 32

- Dresden-Ockerwitz J. Laube Rosen-/ Baumschule, Ockerwitzer Dorfstr. 3

- Oschatz Baum- und Rosenschule Müller, Berufsschulstr. 7

- Rosenbach OT Bischdorf Baumschule Frank Neumann, Siedlung 19

- Löbau Baumschule Schwartz, Richard-Müller-Str. 80a

- Meißen Baumschule Tamme, Radeburger Straße 7

-Priestewitz Baumschule Winkler, Porschuetzer Weg 1

- Halsbrücke OT Hetzdorf, Baumschulen Alexander Klein, Mohorner Str. 8

 

Im Internet: http://pomologen- verein.de/sachsen.html

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