Wasser in Mietshäusern wird überprüft

Novelle zur Trinkwasserverordnung trat am 1.November in Kraft

Chemnitz. Warmes Wasser zum Duschen, Waschen und Baden ist längst eine Selbstverständlichkeit in deutschen Mietwohnungen. Doch wurde dieses privat genutzte Wasser nie auf Keimbelastung, insbesondere das Vorhandensein von Legionellen, untersucht. Legionellen sind Bakterien, die gefährliche Lungenentzündungen auslösen können. Lediglich Einrichtungen, die Wasser an die Öffentlichkeit abgaben, zum Beispiel Kindereinrichtungen, Schulen, Altenheime, Schwimmbäder und dergleichen, stehen auf dem Kontrollplan der Gesundheitsbehörden.

Speichervolumen entscheidet

Das ändert sich mit der Novelle zur Trinkwasserverordnung, die vor wenigen Tagen, am 1. November, in Kraft trat. Nun werden alle Warmwasseranlagen mit einem Speichervolumen von mehr als 400Litern - das ist etwa die Menge von zweieinhalb bis drei Badewannen - einmal jährlich durch zertifizierte Labors geprüft. Ist der Speicher des Hauses kleiner, die Rohrleitung zwischen Wasser-Erwärmer und Entnahmestelle fasst jedoch mehr als drei Liter Wasser, muss der Hauseigentümer ebenfalls eine Probenentnahme veranlassen.

Auf die Gesundheitsämter der Städte und Landkreise komme mit dieser neuen Verordnung Mehrarbeit zu. Inwieweit die Personaldecke dafür ausreiche, gelte es abzuwarten. Auch wenn die Entnahme der Proben in den einzelnen Häusern durch externe Labors erfolge, müssten die Untersuchungsergebnisse ausgewertet, gegebenenfalls Nachuntersuchungen angeordnet und Gespräche mit den Eigentümern geführt werden, informiert Monika Böhme, Ärztin am Gesundheitsamt Chemnitz. "Zunächst sind die Hauseigentümer verpflichtet, die infrage kommenden Wasserversorgungsanlagen bei ihrem zuständigen Gesundheitsamt anzumelden. Da die Prüfungspflichten sehr weit gehen, wird der Untersuchungsbedarf entsprechend groß sein, bekräftigt auch Christian Westerhausen, Rechtsanwalt der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus und Grund Chemnitz. Offiziell ausgenommen von der Untersuchungspflicht sind bislang nur Ein- und Zweifamilienhäuser.

Qualität immer im Blick

Die Überwachung der Trinkwasserqualität ist für die Gesundheitsbehörden kein Neuland. "Mit einem Rastersystem - das ist eine Art Netz, das über eine Stadt gelegt wird - werden in regelmäßigen Abständen in öffentlichen Einrichtungen Wasserproben entnommen. Auch wenn Mietshäuser bisher nicht in der Überprüfungspflicht waren, hatten wir durch das Rastersystem immer schon einen guten Überblick über die Wasserqualität unseres Territoriums", erklärt die ärztliche Mitarbeiterin.

Für Hauseigentümer ergeben sich durch das neue Gesetz nun folgende Verpflichtungen: Nach der Anmeldung seines Hauses beim zuständigen Gesundheitsamt kann er sich aus einer Liste zertifizierter Labors eines oder mehrere aussuchen und ein Angebot einholen. Das ausgewählte Labor veranlasst die Entnahme der Wasserproben an geeigneten Stellen im Haus. Nach der Untersuchung erhält der Hauseigentümer einen Prüfbericht, den er in Kopie an die Gesundheitsbehörde weiterreicht. Das Original muss er zehn Jahre aufbewahren.

Der sogenannte technische Maßnahmewert gibt die Obergrenze an, mit der das Trinkwasser durch Legionellen belastet sein darf. Dieser Wert liegt bei 100 Legionellen in 100 Milliliter Wasser. Ist er überschritten, deute dies auf Mängel im Wasserversorgungssystem hin, eine Gefährdungsanalyse sei die Folge, informiert das Umweltbundesamt. Da die Legionellose mit die bedeutendste Krankheit sei, die durch Wasser übertragen werden könne, habe sich diese Erweiterung der Überwachungspflicht erforderlich gemacht, so die Umweltbehörde weiter. Jedes Jahr erkrankten 20.000 bis 32.000 Personen an Lungenentzündungen, die durch Legionellen hervorgerufen werden. 15 Prozent der Betroffenen Menschen sterben sogar daran. Hinzu komme die zehn- bis hundertfache Zahl an Erkrankungen durch das sogenannte Pontiac-Fieber, das einen milderen Verlauf als die Lungenentzündung hat und auch durch Legionellen verursacht wird.


Energieeinsparung mit Folgen

Legionellen vermehren sich besonders gut bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 55 Grad Celsius. Durch die Pflicht zur Energieeinsparung würden viele Hauseigentümer das Warmwasser nicht mehr über 60 Grad Celsius erhitzen, was die Infektionsgefahr erhöht. Da aber nicht jeder Wasserhahn eines Mietshauses überprüft werden und sich Legionellen in stagnierendem Wasser vermehren, bleibt trotz der Novelle zur Trinkwasserverordnung ein Restrisiko.

Urangehalt erstmals geprüft

Als erstes Land in der Europäischen Union lässt Deutschland das Wasser in Mietshäusern auf Uran überprüfen. Anlass dazu waren die Ergebnisse des Kinder-Umwelt-Survey, das über das Vorkommen von Uran im Trinkwasser berichtete. Aufgrund der daraus in der Bevölkerung aufgekommenen Verunsicherung habe das Umweltbundesamt einen Höchstwert für Uran festgelegt und lasse ihn nun regelmäßig prüfen. Der Wert von zehn Mikrogramm (Tausendstel Milligramm) pro Liter Wasser sei der lebenslang gesundheitlich duldbare Wert, der für alle Altersgruppen, auch für Säuglinge gelte. In dieser niedrigen Konzentration spiele die Strahlungswirkung von Uran keine Rolle, so das Amt.

www.umweltbundesamt.de

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