Gute Nachbarschaft macht das Wohnen sicherer

Haus- und Wohnungsbesitzer sollten einiges dafür tun, um Dieben keine Einladung zu bieten

Wann kommen die Einbrecher?

Entgegen landläufiger Meinung, dass Einbrüche vor allem nachts erfolgen, werden derzeit Einbrüche häufig tagsüber registriert, zum Beispiel während einer kurzen Abwesenheit des Bewohners, etwa zur Schul-, Arbeits- und Einkaufszeit, am frühen Abend oder an den Wochenenden. Auch bei längerer Abwesenheit werden Kriminelle angelockt. "Wenn dann die Rollläden tagsüber unten sind oder der Briefkasten überquillt, zieht das natürlich Einbrecher verstärkt an", sagt Frank Arnold von der Polizeilichen Beratungsstelle Chemnitz. Ist man länger nicht zu Hause, sollte Anwesenheit signalisiert werden. So können Zeitschaltuhren die Beleuchtung im Haus regeln. Neben der Betreuung des Briefkastens kann beispielsweise organisiert werden, dass die Mülltonne nach dem Leeren nicht tagelang auf der Straße steht. Man sollte sich auch genau überlegen, wie und wo man seine Abwesenheit kundtut, rät der Präventionsexperte.

Warum gelingt es Einbrechern, tagsüber so häufig zuzuschlagen? Worauf sollte man achten?

"Oft kümmert sich niemand darum, was auf dem Nachbargrundstück oder an der Wohnungstür nebenan vorgeht", hat Frank Arnold beobachtet. Gerade auf diese Tendenz zur Anonymität setzen viele Einbrecher. Wer sich jedoch in der Nachbarschaft kenne, der bekomme mit der Zeit auch ein Gespür, wenn etwas nebenan nicht stimmt. Aufmerksam sollte man zum Beispiel werden: auf ungewöhnliche, laute Geräusche in der Wohnung nebenan, obwohl die Nachbarn vereist sind, oder gar, wenn Möbel oder Einrichtungsgegenstände abtransportiert werden. Hinschauen sollte man durchaus auch, wenn bei Abwesenheit des Nachbarn oder zu ungewöhnlichen Zeiten fremde Menschen auf seinem Grundstück hantieren, Fenster geöffnet sind oder Licht brennt. Zum guten nachbarschaftlichen Miteinander trägt auch bei, dass man Telefonnummern und Nummern der Autokennzeichen austauscht und selbst Hilfsbereitschaft signalisiert, beispielsweise Haus oder Wohnung zu betreuen, wenn der Nachbar Urlaub hat. Er wird dann sicherlich auch gerne seine Unterstützung in der Urlaubszeit anbieten.

Wie und an welchen Stellen gelingt es Einbrechern, in Haus oder Wohnung einzudringen?

Einbrüche in Einfamilienhäuser erfolgen meist über die Terrassentüren und Fenster, anziehend sind auch abseits liegende Eingänge, abgelegene Kellerfenster oder Türen, die schwer einsehbar sind. Bei Mehrfamilienhäusern wählen Einbrecher ihren Weg zumeist über die Wohnungseingangstüren. Doch auch hier verschaffen sie sich über leicht erreichbare Fenster und Terrassentüren Zutritt.Daher gilt die alte Regel: Fenster bei Abwesenheit schießen, auch nicht angekippt lassen. Haus- und Wohnungstüren sollte man daher nicht nur einfach ins Schloss ziehen, sondern abschließen. "Wichtig ist, Wohnungstüren zweimal zuzuschließen", weist Frank Arnold auf einen Schwachpunkt hin. Im Mehrfamilienhaus sollten Keller- und Bodentüren regelmäßig abgeschlossen werden, auch der Hauseingang sollte tagsüber geschlossen gehalten werden. Wird ein Türöffner betätigt, gilt es, erst zu prüfen, wer ins Haus will.


Muss ich mein Haus nachrüsten, um sicher zu wohnen?

An mechanischen Tür- und Fenstersicherungen sowie Alarmanlagen scheitern in der Regel knapp 40 Prozent der Einbrüche. Entsprechende Technik erschwert also Dieben ihr Handwerk: Benötigten sie längere Zeit, um sich Zugang zu verschaffen, besteht die Gefahr, dass sie entdeckt werden, sie werden unsicher und unruhig und verlassen den Tatort. In Sicherheitstechnik zu investieren, lohnt sich also immer. Bei einem Neubau sollte von vornherein auf eine entsprechende Ausstattung der Türen und Fenster geachtet werden. Steht eine Modernisierung an, ist das eine gute Gelegenheit, herkömmliche Türen und Fenster durch speziell einbruchhemmende zu ersetzen. Bestehende Fenster und Türen können unter Umständen mit entsprechenden Sicherheitsausstattungen nachgerüstet werden. Auch Einbruchmeldeanlagen können sinnvoll sein. Vor der Anschaffung raten die Präventionsexperten der Polizei jedoch, sich gründlich beraten zu lassen, um die auf das jeweilige Gebäude am besten abgestimmte Lösung zu finden. Der Einbau von Sicherheitstechnik sollte zudem immer vom Fachmann erfolgen, denn eine fehlerhafte Installation macht die hochwertigsten Vorrichtungen wirkungslos. Die Präventionsexperten der Polizei bieten kostenlose Beratungen zur Sicherheit in Haus oder Wohnung an, das ist auch vor Ort möglich.

Muss ich Wertsachen gesondert sichern?

Wertsachen sollte man zu Hause nicht offen herumliegen lassen. Besonders wichtige Dokumente, wertvolle Sammlungen, Gold oder Schmuck, der nur selten gebraucht wird, sind am sichersten im Schließfach eines Geldinstituts aufgehoben. Bargeld, Schmuck oder Sparbücher, die man im Haus behalten möchte, werden am besten in einem Wertbehältnis aufbewahrt. Will man sich einen Safe anschaffen, sollte man sich nicht den nächstbesten kaufen, sondern unabhängigen und fachkundigen Rat einholen. Günstig ist es, wenn der Safe fest mit einer gemauerten Wand verankert und im Haus etwas versteckt platziert ist. Notieren sollte man sich die wichtigsten Daten in einer Wertsachenliste, die an einem sicheren Ort aufbewahrt wird. Auch Fotos können für Dokumentationszwecke angefertigt werden.

Wann sollte man die Polizei informieren?

Angesichts der jüngsten Einbruchserien in Sachsen bittet die Polizei, alle ungewöhnlich erscheinenden Personen und Fahrzeuge im Bereich von Einfamilienhäusern und Wohnsiedlungen sofort über den Notruf 110 zu melden. Wichtig ist die schnelle Information. "Es nützt nichts, wenn die gemachten Beobachtungen erst am Folgetag per E-Mail an die Polizei weitergegeben werden", unterstreicht Frank Fischer, Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge, die Bitte, Auffälliges schnell der Polizei mitzuteilen. Diese prüfe lieber einmal zu viel als zu wenig. (pl)

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