Azubis erarbeiten sich Knigge-Regeln

Maschinenbauer Heckert macht Auszubildende mit Werten, Normen und Regeln im Unternehmen vertraut

Chemnitz. Vor Michél Lohs liegt ein großes Blatt Papier. "20 Sekunden entscheiden" steht mit grünem Filzstift darauf geschrieben und darunter "Sympathie ist kein Zufall". Es folgen sieben Punkte, die darüber entscheiden, welchen Verlauf ein Gespräch nimmt. Da findet sich die äußere Erscheinung genauso wie Gestik, Mimik und Körperhaltung, und fast ganz am Ende des großen Blattes steht "Inhalt des Gesprochenen". "Ich habe nie gedacht, dass der Inhalt eines Gespräches in den ersten 20 Sekunden soviel Einfluss hat. Bisher hatte ich immer gedacht, dass das Äußere das Entscheidende ist", sagt Michél Lohs. Der 20-Jährige angehende Mechatroniker gehört zu 17 Auszubildenden des Chemnitzer Maschinenbauunternehmens Heckert, die an diesem Freitag in einem Beratungsraum des Unternehmens alles Wichtige zum Thema Knigge im Beruf erfahren. Trainer ist der Chemnitzer Psychologe Michael Fox von Isinova, einem Institut für Sozialinnovation. Er sagt: "Small-Talk ist essenziell."

Das achtstündige Seminar ist Bestandteil der "Azubi-Academy", die Michael Fox gemeinsam mit dem Unternehmen entwickelte. "Die ,Azubi-Academy' haben wir im März gestartet, um unseren Auszubildenden als Ergänzung zur Ausbildung wesentliche soziale und methodische Kompetenzen für einen erfolgreichen Start in den Beruf und die Arbeit in unserem Unternehmen zu vermitteln", sagt Simone Illing, Personalleiterin von Heckert. Neben dem "Business-Knigge" gehören unter anderem ein Telefon- sowie ein Teamtraining, das Erlernen von Präsentations- sowie Arbeitstechniken und die Burnout-Prävention zu den Seminarinhalten. Innerhalb von vier Lehrjahren sollen alle 47 Auszubildenden des Unternehmens die jeweils einen Tag dauernden Seminare besuchen. Der 420 Mitarbeiter zählende Chemnitzer Maschinenbauer bildet in den Berufen Mechatroniker, Industriemechaniker, Elektroniker für Automatisierungstechnik, Industrieelektriker, Zerspanungsmechaniker, Fachkraft für Lagerlogistik, Industriekaufmann und Produktdesigner aus.

Lydia Bräuning, Zerspanungsmechanikerin im dritten Lehrjahr, beeindruckte vor allem das Seminar zur Teamarbeit. "Die Zusammenarbeit in Teams ist in Unternehmen wie unserem sehr wichtig. Die Abteilungen müssen ständig miteinander kooperieren, sonst kommt es zu Fehlern", fasst die 21-Jährige zusammen, was sie gelernt hat. Alle zusammen würden ein Ziel verfolgen: Maschinen bauen, die höchsten Qualitätsanforderungen genügen. Das haben die jungen Leute sogar unterschrieben, unter dem von ihnen selbst gewählten Slogan "One Company - One Team". Simone Illing ist mit dem Verlauf der "Azubi-Academy" zufrieden: "Wir wollen die Jugendlichen nicht belehren. Wir wollen, dass sie die Themen gemeinsam erarbeiten, denn dann verinnerlichen sie die Thematiken stärker."


Vier Tipps fürs Büro

Das Leben im Büro ist geprägt von Normen und Regeln. Die "Freie Presse" gibt einen Überblick über die vier wichtigsten.

Pünktlichkeit: Die einfachste Regel und doch fällt sie vielen Menschen schwer: Lieber fünf Minuten vor dem Termin erscheinen, als fünf Minuten zu spät. Denn niemand wartet gern. Und wenn eine Verspätung unvermeidbar ist, hilft ein Anruf, Frust zu vermeiden.

Duzen: Das persönlichere Du wird in deutschen Büros immer beliebter. Aber Achtung: Nur der Ranghöhere darf das Du anbieten.

Soziale Netzwerke: Vorsicht vor Beleidigungen in sozialen Netzwerken. Die Richter am Landesarbeitsgericht gaben erst Mitte Oktober einem Bochumer Unternehmen recht, das einem Auszubildenden fristlos gekündigt hatte, nachdem der Mann den Arbeitgeber auf der Internetplattform Facebook als Menschenschinder und Ausbeuter tituliert hatte.

E-Mails: In elektronischer Post sollten Rechtschreibfehler vermieden werden. Zudem sollten Mails beim ersten Kontakt eine Anrede und eine Schlussformel enthalten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...