Persönliches ist im Small-Talk ein Tabuthema

Psychologe Michael Fox über die Fallstricke in Gesprächssituationen

Der Chemnitzer Psychologe Michael Fox hat mit dem Maschinenbauer Heckert eine Azubi-Academy entwickelt. Ein Thema dabei: richtiger Small-Talk. Mit Christian Wobst unterhielt er sich darüber, was dabei zu beachten ist.

Freie Presse: Wie höflich sind die Deutschen im Berufsleben?

Michael Fox: Grundsätzlich kann man sagen, dass die Deutschen wissen, wie sie sich im Geschäftsleben zu benehmen haben. Nur an der Umsetzung mangelt es. Vielen ist zu wenig bewusst, wie sie auf andere wirken. Wenn beim ersten Kontakt die Arme schlaff am Körper baumeln, dann wirkt das natürlich wenig dynamisch.

Freie Presse: Wie könnte man es besser machen?

Michael Fox: Zum Beispiel mit der eigenen Vorstellung. Da reicht es eben nicht, dass man sagt: Mein Name ist Michael Fox, ich bin Psychologe, sondern man muss ziemlich schnell versuchen, einen Small-Talk zu entwickeln. Ein solcher ist essenziell für den Aufbau von Netzwerken. Damit sich diese Beziehungen entwickeln, muss man bei Kollegen und Vorgesetzen einen guten Eindruck hinterlassen.

Freie Presse: Wie beginnt man einen Small-Talk? Immer nur über das Wetter sprechen ist ja auch langweilig, oder?

Michael Fox: Das Wetter könnte schon einmal ein guter Einstieg sein. Ich empfehle, dass man sich an den W-Fragen orientiert: Was machen Sie beruflich? Wofür sind Sie in der Abteilung verantwortlich? Wo haben Sie ihre Ausbildung absolviert? Wie haben Sie von der Veranstaltung erfahren? Schon kommt ein Gespräch in Gang.

Freie Presse: Und welche Themen sollte man lieber meiden?

Michael Fox: Auf persönliche und familiäre Dinge sollte man in einem ersten Small-Talk nicht zu sprechen kommen. Das gilt auch für berufliche Themen, sofern sie Konfliktpotenzial in sich bergen. Politik geht auch nicht, da man nie weiß, zu welcher politischen Richtung der Gesprächspartner gehört. Religiöse Themen sind ebenfalls schwierig.

Freie Presse: Trotzdem kann es passieren, dass zwei Menschen keinen gemeinsamen Nenner finden. Was dann?

Michael Fox: Dann sollte man den Small-Talk innerhalb von wenigen Minuten beenden und zwar so, dass beide Seiten wertschätzend auseinandergehen. Bleiben Sie direkt, ziehen Sie sich nicht aus der Affäre, in dem Sie auf die Toilette gehen. Bedanken Sie sich freundlich für das Gespräch, tauschen Sie Ihre Visitenkarten aus oder verweisen Sie auf Kollegen, die Sie gerne noch sprechen möchten. Sagen Sie offen und freundlich zum Beispiel: "Es war mir eine Freude, Sie kennenzulernen! Vielleicht können wir unsere Unterhaltung später noch einmal fortsetzen. Einen schönen Abend noch."

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