Maßschneider für die Füße

In Sachsen werden Orthopädieschuhmacher gesucht. Auf der Messe Karrierestart erfahren junge Leute, wie das Handwerk funktioniert.

Schuster bleib bei deinen Leisten. Isabell Schröter hält sich daran. Im August 2015 hat die Görlitzerin ihre Lehre bei der Hans Sachs Orthopädie Schuhtechnik GmbH in Dresden begonnen. Zwar ist das Herstellen der meist aus Holz gefertigten Leisten nach den Maßen der Kunden Meister-Sache. Aber am Aufbau des Schaftes darf die 18-Jährige schon arbeiten. Und der wird an die jeweiligen Leisten angepasst. Eine verantwortungsvolle Aufgabe für Orthopädieschuhmacher, da schon ein Millimeter Abweichung zu Problemen führen kann.

Dreieinhalb Jahre Ausbildung

Dabei gleicht kein Schuh dem anderen. Jeder ist maßgeschneidert. Nicht nur eine falsche Haltung macht Sonderanfertigungen an den Füßen nötig. Kunden der Orthopädieschuhmacher sind Diabetiker genauso wie an Rheuma und Gicht Erkrankte, Zehen-Amputierte und auch Unfallopfer.

Isabell Schröter kennt die Schuhträger nicht, aber sie ist froh, dass sie mit ihrer Arbeit Menschen helfen kann. Für sie war das ein Grund, den Beruf zu wählen. Nach verschiedenen Praktika hat sie sich dafür entschieden und den Ausbildungsplatz über die Handwerkskammer erhalten. Auch wenn nach sechs Monaten noch drei Jahre Ausbildung vor ihr liegen, geht sie schon geschickt mit den Werkzeugen um. Flink bedient sie ihr Lieblingsarbeitsgerät, die Schleifmaschine, um die Bettung für einen maßgefertigten Schuh nach den Vorgaben in Form zu bringen. Schere, Messer, Zwickzange, Raspel und Hammer nimmt sie ebenso sicher in die Hand. Denn bei aller Modernisierung: Für die Bekleidung der kranken Füße ist Handarbeit nötig.

Dafür müssen sich die angehenden Orthopädieschuhmacher in Mathe genauso gut auskennen wie in Biologie. "Um nach den Krankheitsbildern die Schuhe anfertigen zu können, müssen sie die komplexe Anatomie des Menschen beherrschen", sagt Michael Borrmann, Geschäftsführer bei Hans Sachs Schuhtechnik und selbst Orthopädieschuhmachermeister. Neben der Beschäftigung mit unterschiedlichen Werkstoffen, Informatik, Werken und Grundlagen der Maßschuh-, Prothesen- und Rehabilitationsmittelfertigung ist Anatomie deshalb Unterrichtsfach an der Berufsschule in Gotha. Dort absolviert Isabell Schröter ihre Theorie-Ausbildung. Jeweils drei Wochen Schule wechseln sich mit sechs Wochen Praxis ab. Drei Wochen sind die Lehrlinge zur überbetrieblichen Ausbildung an der Meisterschule Orthopädie-Schuhtechnik in Siebenlehn. Dort ist auch die Meisterschmiede. Jedem, der Orthopädieschuhmacher auf seiner Berufswunschliste hat, empfiehlt Borrmann ein Praktikum. Schon eine Woche reiche aus, um eine Eignung zu erkennen, sagt der Geschäftsführer. 48 Beschäftigte arbeiten bei ihm. Auf der Messe Karrierestart am kommenden Wochenende im Dresdner Ostragehege stellt sich das Unternehmen vor. In einer kleinen Werkstatt zeigen Mitarbeiter dort an den drei Messetagen, wie die Spezialschuhe gefertigt werden, beantworten auch Fragen zum Beruf und zur Bewerbung.

811 Menschen in Sachsen sind laut Arbeitsagentur aktuell mit der Schuhherstellung beschäftigt. Da im Dresdner Schuhtechnik-Unternehmen pro Monat an die 100 Paar hochwertige Maßschuhe entstehen, würden auch die Lehrlinge sofort gebraucht. Deren Arbeiten richten sich nach dem Lehrplan. Reparaturen gehören ebenso dazu wie die Herstellung von Bettungen, Einlagen, Bandagen, Unterschenkel- und Fußorthesen sowie anderer Hilfsmittel.

Drei Lehrlinge pro Jahr

Findet er den nötigen Nachwuchs, stellt Michael Borrmann jedes Jahr drei Lehrlinge ein. Voraussetzungen dafür sind der erfolgreiche Abschluss der zehnten Klasse und eben handwerkliches Geschick. Die Chancen für einen Platz sind gut. Laut Arbeitsagentur-Sprecher Frank Vollgold waren im vergangenen Ausbildungsjahr 30 freie Stellen zu vergeben. Fünf Ausbildungsplätze seien unbesetzt geblieben. Immer mehr Unternehmen würden aber ausbilden.

Sachsenweit liegt die Ausbildungsvergütung zwischen 340 und 600 Euro im ersten, 405 und 660 im zweiten, 460 und 735 im dritten, 500 und 840 Euro im vierten Lehrjahr. Das Gesellengehalt schwankt je nach Unternehmen. Bei Hans Sachs Schuhtechnik sind es 9,50 Euro Stundenlohn. Bis sie den bekommt, muss Isabell Schröter aber noch einige Prüfungen bestehen.

Mehr als 150 Vorträge und Workshops auf der Karrierestart

Die Messe Karrierestart findet vom 22. bis 24. Januar in der Messe Dresden im Ostragehege statt. Geöffnet ist Freitag 9 bis 17 Uhr und am Wochenende 10 bis 17 Uhr, Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

Rund 450 Aussteller informieren über Lehrstellen, Studium, Jobs und Existenzgründung. Auf dem Programm stehen mehr als 150 Vorträge, Expertengespräche und Workshops.

Hans Sachs Orthopädie Schuhtechnik Dresden GmbH: Halle 2 D-14, in einer kleinen Schauwerkstatt wird dort gezeigt, wie die Spezialschuhe gefertigt werden.

Anreise: mit dem Auto über die Autobahnabfahrt Dresden Neustadt oder Dresden Altstadt, mit der Eisenbahn von Dresden Hauptbahnhof oder Dresden-Neustadt eine Station mit jedem beliebigen Personenzug bis Bahnhof Dresden Mitte, von dort mit der Straßenbahn Linie 10 Richtung Messe.

Wir verlosen zehnmal zwei Tickets für die Karrierestart in Dresden. Rufen Sie bis 17. Januar, 24 Uhr an: 0137 8664400 (0,50 Euro/Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk abweichend), Stichwort Karriere. Die Gewinner werden telefonisch informiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. www.messe-karrierestart.de

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